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Fast auf den Tag genau vier Jahre liegen zwischen dem letzten Schwimmtag im alten und der Eröffnung des neuen Solebades. Vor dem Eröffnungstermin am 14. April blicken wir zurück.

von Julian Reimann

Werne

, 12.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Badleitung der damaligen Natur-Solebad GmbH startete wehmütig aber auch optimistisch in das neue Jahr 2015. Das vorerst letzte Neujahrsschwimmen im Solebad war gerade zu Ende gegangen. Doch lange warten sollten die vielen Gäste auf die Fortführung dieser Tradition nicht, hieß es zu dem Zeitpunkt.

Mit großem Optimismus kündigte man an, dass das nächste Neujahrsschwimmen im Jahr 2018 stattfinden würde. Bis dahin, so der Wunsch des Badbetreibers, sei der Neubau fertig.

Wie falsch man damals mit dieser Prognose lag, ahnte im Januar 2015 wohl niemand.

Erst Streik der Mitarbeiter, dann die Insolvenz

Dabei gab es bereits einige Wochen und Monate im Voraus erste Anzeichen, dass der Weg zum neuen Solebad nicht ohne Hindernisse sein würde. Im Oktober 2014 hatte die Natur-Solebad GmbH die Insolvenz verkünden müssen.

Vorausgegangen war ein monatelanger Streik der Belegschaft, den Verdi ins Leben gerufen hatte. Dass die Streikfolgen der Grund für die Insolvenz des Solebades seien, bestritt die Gewerkschaft jedoch.

Die Insolvenz blieb für die Angestellten des Schwimmbades nicht ohne Folgen: 42 Mitarbeiter und 25 Aushilfen sollten gehen. Vier weitere hingegen sollten ihre Arbeit auch nach der Schließung behalten. Eine Zusage, die Mitarbeiter wieder im neuen Bad einzustellen, gab man nicht.

Dadurch bildete sich eines der Hindernisse, von denen im weiteren Verlauf noch einige auf dem Weg zum Neubau hinzukommen sollten. Christian Berger von Verdi ließ es bereits erahnen, als er im Januar 2015 ankündigte: „Wir werden den Kampf für die Mitarbeiter wieder aufnehmen.“

Neubau sollte im Mai 2015 beginnen

Von der Insolvenz und den angekündigten Auseinandersetzungen mit der ehemaligen Belegschaft ließen sich die Badbetreiber jedoch nicht beirren. „Wir wollen mit dem Neubau im Mai dieses Jahres beginnen“, zeigte sich Frank Gründken, Geschäftsführer der Natur-Solebad GmbH, zu Beginn des Jahres 2015 noch optimistisch. Der knapp 15 Millionen Euro schwere Neubau sei von dem Insolvenzverfahren nicht betroffen.

Gleichzeitig kündigte man an, wie das neue Solebad aussehen sollte. Der Plan war, Planschbecken, Sportbecken, Sprungturm, Rutsche, Sole-Außenbecken sowie einen neuen Saunabereich auf dem Gelände des alten Solebades zu errichten. Zudem wollte man das Lehrschwimmbecken Stockum nach Fertigstellung des Neubaus aufgeben – die Kurse würden dann im neuen Bad stattfinden.

Solebad-Rückblick (1): Insolvenzverfahren, Sparmaßnahmen und Abschwimmen

Während das Solebad offiziell noch in Betrieb war, gab es erste Anzeichen für den nahenden Abriss. © Helga Felgenträger (A)

Doch bis es soweit war und man mit dem Bau des neuen Solebades beginnen konnte, sollte erst einmal der Betrieb bis Ende April 2015 aufrechtgehalten werden.

Hier bildeten sich jedoch schnell weitere Schwierigkeiten: Wegen eingeschränkter Sauna-Zeiten schauten sich viele Mitarbeiter, denen man noch keine Kündigung ausgestellt hatte und die eigentlich bis zum letzten Tag bleiben sollten, nach einem neuen Job um.

„Die Personaldecke wird dünner“, mussten die Zuständigen vom Solebad feststellen. „Immerhin bleiben einige wenige Mitarbeiter für das Schul- und Vereinsschwimmen.“ Denn: Das Hallenbad sollte vorerst bestehen bleiben.

Pessimistische Einschätzung zum Stand der Insolvenz

Während sich der Bäderbetrieb und die Stadt Gedanken um ein neues Solebad machten, lief das Insolvenzverfahren an. Das Amtsgericht Dortmund stellte Stephan Karl Michels als Sachverwalter bereit, der dem Ganzen kritisch gegenüber stand.

„Wäre das Solebad ein normales Unternehmen in der freien Wirtschaft, würde ich es liquidieren“, so seine pessimistische Einschätzung zum Stand der Insolvenz. Lediglich die Zusage der Stadt, das neue Bad bis 2017 zu bauen, stimmte ihn halbwegs positiv.

Insolvenzverwalter war eher pessimistisch

Wer weiß, was er gesagt hätte, wenn damals schon klar gewesen wäre, dass es doppelt so lange braucht, bis das neue Bad steht.

Mitte Januar 2015 war dann der Weg frei für die Kündigung der Mitarbeiter im alten Solebad: Der Betriebsrat des Solebades hatte den Sozialplan unterschrieben.

Da auch die Gläubiger des Solebades den Insolvenzplan einstimmig angenommen hatten, verloren die letzten Mitarbeiter zum 1. Mai 2015 ihren Job. Damit kündigte sich bereits ein weiterer kommender Streitpunkt an. Denn 15 Kündigungsschutzklagen waren bereits eingegangen.

Bauplan sieht Einsparungen vor, um im Kostenrahmen zu bleiben

Auch die Planungen für den Neubau wurden konkretisiert. Bürgermeister Lothar Christ schlug im Ausschuss für den Bäderbetrieb den Neubau des Sole-Außenbeckens vor, da das alte marode sei.

Um das Budget von 14,735 Millionen Euro nicht zu überschreiten, sollte neben der sechsten Bahn im Sportbecken auch ein Wellnessraum wegfallen und die Spinde von 40 auf 30 Zentimeter schrumpfen. Auch zwei Tauchbecken und ein Kinderplanschbecken fehlten im neuen Entwurf des damaligen Planungsbüros Röhling (pbr) aus Osnabrück.

Solebad-Rückblick (1): Insolvenzverfahren, Sparmaßnahmen und Abschwimmen

Bei der Vorstellung des Bauplans im März 2015 schien noch alles in Ordnung. © Daniel Claeßen (A)

Eine Millionen Euro wollte man so einsparen. Bei den Politikern im Ausschuss lösten die neuen Pläne Diskussionen aus. Forderten CDU und FDP vor allem, mit dem Sole-Außenbecken ein Alleinstellungsmerkmal zu behalten, befürchteten die Grünen eine fehlende Familienfreundlichkeit. Das Ingenieurbüro Constrata musste mit der Reißleine drohen, wenn sich Politiker nicht auf Details und Kosten einigen.

Viele Besucher kamen zum Abschwimmen am 13. April 2015

Letztlich einigten sie sich auf einen Bauplan, der einen Sauna- und Gastronomie-Bereich vorsah, ebenso wie ein neues Kleinkinderbecken, ein Sportinnenbecken, ein Multifunktionsbecken und eine knapp 80 Meter lange Rutsche mit Innenzugang.

„Obwohl das neue Bad kleiner wird, bleiben wir das größte Solebad im Ruhrgebiet,“ versicherte Frank Gründken bei einem Vorstellungstermin für Neubürger im März 2015.

Solebad-Rückblick (1): Insolvenzverfahren, Sparmaßnahmen und Abschwimmen

Zum Abschwimmen kamen noch einmal viele Besucher, um den letzten Tag im alten Solebad zu genießen. © Vanessa Trinkwald (A)

Schließlich war es am 13. April 2015 soweit: Das Solebad lud seine Gäste zum letzten Schwimmtag ein, bevor dann der Abriss erfolgen sollte. Viele Besucher kamen in der letzten Woche vor der offiziellen Schließung und auch beim Abschwimmen noch einmal in „ihr“ altes Solebad. Zum geplanten Abriss sollte es allerdings nicht sofort kommen.

Im zweiten Teil des Solebad-Rückblicks schauen wir auf die Kostenexplosion und den Streit mit dem Planungsbüro.

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