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Discounter führen zunehmend vegetarische und vegane Lebensmittel. Hat das auch Auswirkungen auf die Nachfrage im Reformhaus in Werne? Beides sei nicht zu vergleichen, heißt es dort.

Werne

, 25.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Ob Tofu-Schnitzel, eifreie Nudeln oder Fruchtgummi ohne Gelatine – schon lange bieten Supermärkte vegetarische und vegane Lebensmittel. Auch immer mehr Discounter nehmen diese in ihr Sortiment auf. Viele dieser Lebensmittel sind mit einem grünen „V“ in einem gelben Kreis ausgezeichnet. Das Siegel für vegane und vegetarische Produkte der europäischen Vegetarierunion zeigt dem Verbraucher, dass hier keine tierischen Inhaltsstoffe verarbeitet wurden.

Und es suggeriert eine gesunde Ernährung. Dennoch können Geschmacksverstärker, die die imitierte Frikadelle fast wie eine echte schmecken lassen, drin stecken. Und das sei genau der Grund, weshalb das Angebot im Discounter nicht mit dem im Reformhaus zu vergleichen sei, sagt Katja Sodenkamp.

Eine Frage des Preises

Die Inhabern des Reformhauses Werne spürt keine Auswirkungen auf die Nachfrage in ihrem Geschäft, seitdem es die Lebensmittel auch bei Aldi, Lidl und Co. gibt. Im Reformhaus würden ganz andere Kunden einkaufen. „Die Menschen, die im Discounter diese Lebensmittel kaufen, gucken nicht, ob es gesund ist, sondern ob es preiswert ist“, erklärt sie. Deshalb könne man beide Angebote nicht miteinander vergleichen.

„Qualität kann man nicht billig bekommen. Wenn man einen Rohstoff schonend herstellen möchte, dann geht das nicht, wenn man ihn in großen Mengen und billig anbieten möchte. Das müssen die Verbraucher lernen“, sagt sie. Während in einigen Lebensmittel mit dem V-Siegel im Discounter gehärtete Fette, Aromen und Farbstoffe enthalten sein können, gibt es das bei den Produkten im Reformhaus, das es seit 54 Jahren auch in Werne gibt, nicht.

Vegane und vegetarische Produkte vom Discounter machen Reformhaus keine Konkurrenz

Im Reformhaus können Kunden auch individuelle Mengen von Getreide bekommen. © Andrea Wellerdiek

Kein Zuckerzusatz und künstliche Aromen

Hier werden laut Sodenkamp nur natürliche Gewürze verwendet und kein Zucker zusätzlich hinzugefügt. Etwa 2000 verschiedene Produkte führt das Reformhaus Werne an der Magdalenenstraße. Von Grundnahrungsmitteln wie Brot, Joghurt, Fetten und Ölen bishin zu Naturarzneimitteln und Naturkosmetik reicht das Angebot.

Wenn es eben geht, dann sind die Produkte aus biologischem Anbau hergestellt. „Wir beziehen die Produkte immer von Bauern und Herstellern zu einem fairen Preis. Das gehört zu der Philosophie dazu“, erklärt Katja Sodenkamp. Auch die Verpackung der Produkte sei so biologisch wie möglich gehalten. So gibt es hier beispielsweise Waschmittel in einer Flasche, die recycelt wurde. Während Reformhaus-Geschäfte seit mehr als 130 Jahren in Deutschland existieren und laut Rodenkamp immer schon vegetarische und vegane Lebensmittel anbieten, würden die Discounter nun auf den Trend mit aufspringen.

Praktische Alternative für Allergiker

Dass vegane Produkte stärker nachgefragt werden, spürt die Werner Geschäftsinhaberin seit etwa fünf Jahren. Dies sei vor allem auch bei Menschen mit Lebensmittelallergie heute eine willkommene Alternative. „Sie sind froh, dass sie sich problemlos vegan ernähren können, wenn sie zum Beispiel keine Eier vertragen“, erklärt Sodenkamp. Generell kämen viele Kunden ins Geschäft, die unter Unverträglichkeiten wie etwa Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) leiden. Und in der großen Ecke für Naturkosmetik gibt es laut Sodenkamp „für jeden Hauttypen eine Pflege“.

Täglich gebe sie ihren Kunden Tipps mit auf den Weg. „Wenn man eine gute Qualität bei Hartweizen hat, benötigt man zum Beispiel gar kein Ei mehr“, sagt sie. Die Kunden, die das Reformhaus aufsuchen, seien Menschen, die sich generell mit Themen wie Tierhaltung und Umweltbelastung auseinandersetzen, erzählt Sodenkamp.

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Wer sich vegan ernährt, muss etwa das fehlende Vitamin B und die Folsäure zusetzen. Das geht zum Beispiel mit einem Brotaufstrich, der mit Hefe-Extrakt hergestellt ist. Dabei sei aber zu beachten, wie der Hefe-Extrakt verarbeitet wurde. Während der Hefe-Extrakt, der in den Produkten aus Reformhäusern und Bio-Läden zu finden ist, über keine Zusatzstoffe verfügt, ist dies bei der Herstellungsweise der sogenannten „enzymatischen Hydrolyse“ der Fall. Dabei geht es darum, einen Geschmacksverstärker zu produzieren.

Mit solchen Tricks arbeiten die Lieferanten des Reformhauses nicht. „Die Produkte schmecken einfach anders. Sie schmecken nicht nur süß oder salzig. Die Erdbeeren schmecken nach Erdbeeren und die Nüsse nach Nüssen“, sagt Katja Sodenkamp. Und das gefällt auch jungen Kunden. Das Vorurteil, ein Reformhaus sei für kranke Leute, sei mittlerweile abgelegt, so die Inhaberin.

Laut der Ernährungsorganisation ProVeg leben 1,3 Millionen Menschen in Deutschland vegan. Veganer verzichten auf tierische Lebensmittel und/oder Produkte (wie etwa Lederwaren oder Daunenfedern). Sie essen ausschließlich pflanzliche Nahrungsmittel.
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