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„Dieses Jahr ist Wespenjahr“, meint Schädlingsbekämpfer Berthold Angelkort. Auch in Werne ist seine Firma im Dauereinsatz. Wir erklären, woran das liegt und wie man sich verhalten kann.

Werne

, 16.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Auffallend viele schwarz-gelbe Insekten fliegen umher und setzen sich auf alles Essbare. Das geht so weit, dass Gäste von Restaurants den Außenbereich fluchtartig verlassen und trotz des mittlerweile angenehmen Wetters lieber im Innenbereich essen.

Wespen haben Hochsaison – und das wesentlich früher im Jahr als gewöhnlich. Außerdem sind die Tiere nicht nur eher unterwegs, sondern auch in besonders großer Anzahl. Das hat etwas mit diesem Sommer zu tun, wie Berthold Angelkort, Chef der Schädlingsbekämpfungsfirma aus Herbern, die auch in Werne unterwegs ist, erklärt.

Fünf- bis zehntausend Tiere

Normalerweise stünde die Hochsaison noch an. Frühestens Ende August beginnt für gewöhnlich die Zeit, in der die Königinnen – der Gemeinen und Deutschen Wespe, wie die häufigsten Arten hier heißen – und die Nester stark genug sind, dass die Insekten mit dem Stachel umtriebiger werden. Dann weisen sie eine Neststärke von etwa fünf- bis zehntausend Tieren auf, so Angelkort.

Doch schon Mitte Juni ging es in diesem Jahr mit den Meldungen bei den Schädlingsbekämpfern los. „Seitdem sind wir im Dauereinsatz, um Wespennester zu entfernen“, sagt er.

„Das war sozusagen ein fließender Übergang vom Eichenprozessionsspinner zu den Wespen“, spielt Angelkort auf die vielen Einsätze der Firma gegen die Raupen mit den Brennhaaren an.

Dass zudem auch noch eine besonders große Zahl an Wespen unterwegs ist, „ist dem Umstand geschuldet, dass der Winter Ende März direkt in die warme Zeit überging“, so der Experte.

So hätte es keinen üblichen zweiten Frost nach den ersten wärmeren Tagen gegeben, der einen Großteil der bereits aktiven Wespen-Königinnen für gewöhnlich abtötet. Diese konnten ihre Nester seit März ungehindert ausbauen.

Vergleichsweise wenige Meldungen

„Das ist ja nicht nur ein Problem in Werne“, meint Werner Kneip von der Stadtverwaltung der Lippestadt. Was jetzt auffällt, sei, dass sich die Völker inzwischen entsprechend entwickelt hätten. „Man kann nichts anderes machen, als vorsichtig sein – oder einen Schädlingsbekämpfer engagieren“, sagt er.

Doch trotz des großen Wespenaufkommens seien bei ihm persönlich noch vergleichsweise wenige Meldungen eingegangen, sagt Kneip. „Da gab es schon bedeutend stärkere Jahre, was die Meldungen angeht.“ Zumindest bis jetzt.

Wespenplage hat auch Werne fest im Griff

Wen Wespen umschwirren, der solle Ruhe bewahren, meint der Profi. © Wilco Ruhland

In der chirurgischen Ambulanz des St. Christophorus-Krankenhauses macht sich die Wespenplage noch nicht bemerkbar. In den vergangenen zwei Wochen hätte das Krankenhaus lediglich drei Fälle von anaphylaktischen Schocks durch Insektenstiche registriert, wie Pflegedienstleiter Ludger Risse erklärt. Das spricht dafür, dass es zwar viele Wespen gibt, diese jedoch nicht ungewöhnlich aggressiv sind.

Feuerwehr im Wespeneinsatz?

Was jedoch häufiger bei der Stadt vorkäme, wie Werner Kneip sagt, seien Anrufe von Privatpersonen, die hoffen, dass sich die Feuerwehr ihres Wespennest-Problems annehmen könne. „Doch das macht die Feuerwehr schon seit vielen Jahren nicht mehr“, sagt Kneip. Solche Leute verweise er dann an entsprechende Schädlingsbekämpfungsfirmen.

Bodo Bernsdorf von der Freiwilligen Feuerwehr Werne erklärt, dass es seitens der Leitstelle in Unna die explizite Anweisung gebe, solche Anfragen von Privatpersonen nicht anzunehmen. Immer wieder, so Bernsdorf, werde er auch privat angesprochen worden, ob die Feuerwehr helfen könne – doch auch da gibt es keine Chance.

Das begründet sich in der nicht vorhandenen Ausrüstung für solche Einsätze. Außerdem wolle man nicht in Konkurrenz mit Unternehmen treten, die die Wespennester professionell entfernen.

Gefahr durch Wespenstiche

Die Ausnahme sei, wenn ein Wespennest eine tatsächliche öffentliche Gefährdung darstelle. Doch auch dann kümmert sich die Feuerwehr lediglich um die Absperrung des Gebietes, um die Gefahr zu bannen. Die tatsächliche Beseitigung der Nester überließen sie dann wiederum den Profis. Aber auch dieser Fall komme selten vor. So kann sich Bernsdorf zuletzt an einen Fall von vor etwa fünf bis sechs Jahren in der Innenstadt erinnern.

Auch für die Schädlingsbekämpfer spielt die Gefahrensituation eine tragende Rolle. Durch den Artenschutz dürften die Schädlingsbekämpfer nur in einem solchen Fall zur Tat schreiten.

Jedes dritte Gebäude befallen

„Wir waren fast überall schon tätig. Es ist fast jedes dritte Gebäude mit Wespennestern befallen“, schätzt Berthold Angelkort. Außerdem könne man nur etwas gegen die Nester tun, weniger gegen vereinzelt freifliegende Insekten.

„Gerade bei der Trockenheit erlebt man häufiger gesammelt Wespen an Wasserstellen, doch da ist es schwierig, etwas zu unternehmen“, sagt er.

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Tipps vom Profi für den eigenen Garten
  • Wichtig sei, so Schädlingsbekämpfer Angelkort, auf Sauberkeit direkt am Haus zu achten.
  • Außerdem könnte man den Tieren weit entfernt vom Gebäude – vielleicht in einer Ecke des Gartens – eine attraktive Futterstelle mit Fallobst und dergleichen anbieten, die die Wespen vom Haus fernhalte.
  • Bei Nestern direkt am Haus solle man aber doch lieber den Profi rufen, meint er.
  • Tritt der Fall ein, dass einem die Wespen dennoch zu Leibe rücken, sei das Wichtigste, Ruhe zu bewahren.
  • Man sollte die Wespen bloß nicht schlagen oder gar anpusten. „Das Kohlendioxid des Atems provoziert die Tiere“, so Angelkort.
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