Corona-Krise: In der Podologischen Praxis bleiben die Patienten aus

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Anna Hellenkamp betreibt eine Podologische Fachpraxis. Immer mehr Patienten sagen ihre Behandlungstermine aus Angst vor einer Corona-Infektion ab. Der Spitzenverband fordert dafür Ausgleichszahlungen.

Ahaus

, 04.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden, Podologen – unter den Heilmittelerbringern wächst in der Corona-Krise die Verzweiflung. Bei vielen ist die Liste der abgesagten Termine länger als die Liste der Patienten.

„Patienten brechen ihre Behandlung ab aus Angst, sich anzustecken“, berichtet Anna Hellenkamp, die eine Podologische Fachpraxis am St.-Marien-Krankenhaus an der Wüllener Straße betreibt. Ihr Spezialgebiet sind eingewachsene Nägel.

Dabei seien die Behandlungen, die der Arzt verordnet habe, auch weiterhin möglich, sagt Anna Hellenkamp. Sie hat die Praxisabläufe so angepasst, dass das Patientenaufkommen so gering wie möglich ist, „um auch das Infektionsrisiko so gering wie möglich zu halten.“ Auch schon vor Corona habe man sämtliche Hygienestandards eingehalten.

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Gearbeitet wird in der Podologischen Fachpraxis nach den Richtlinien des Robert-Koch-Instituts, es gibt Desinfektionsmittel, die beim Verbund für angewandte Hygiene gelistet sind. Die Instrumente werden sterilisiert. Anna Hellenkamp schützt sich bei ihrer Arbeit mit Mundschutz und Handschuhen.

Doch vor allem Mundschutz sei aktuell kaum zu bekommen. „Der Markt ist leer gefegt.“ Gibt es für die Praxisinhaberin dann doch eine Lieferung, „dann überteuert.“ Anna Hellenkamp berichtet von Preisen für Mundschutz zwischen 10 und 15 Euro. Fair wäre ein Preis um die drei Euro. Aktuell reichen die vorhandenen Bestände in der Praxis noch für etwa vier bis sechs Wochen.

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Dabei blickt Anna Hellenkamp, ebenso wie viele andere Beschäftigte in Heilmittelberufen, nicht gerade optimistisch in die nähere berufliche Zukunft. „Immer mehr Termine werden abgesagt“, berichtet sie in einem Telefonat mit unserer Redaktion. „Ich komme nicht, wegen Corona“, werde ihr dann als Grund für die Absage der Behandlung genannt.

Fatal sei das, sagt Anna Hellenkamp. Die vom Arzt verordnete notwendige Therapie dürfe und sollte auch aktuell in Anspruch genommen werden. Alle therapeutischen Praxen mit Krankenkassen-Zulassung dürfen behandeln.

Folgeschäden vermeiden

„Patienten, die aufgrund von Diabetes mellitus mit einer Heilmittelverordnung kommen, können auch weiterhin ihre wichtige Therapie zur Gesunderhaltung der Füße wahrnehmen“, klärt die Podologin auf.

Das sei auch trotz der Corona-Krise sinnvoll und notwendig, um Folgeschäden zu vermeiden. „Wenn wir nicht helfen, landen die Patienten schließlich im Krankenhaus. Dazu sollte es gerade in der jetzigen Situation nicht kommen.“

Doch längst nicht alle nehmen trotz Schmerzen auf dem Behandlungsstuhl Platz. 70 Prozent der Praxis-Termine seien weggebrochen, berichtet Anna Hellenkamp.

Absagen kämen größtenteils von Patienten, die zur Corona-Risikogruppe der Älteren gehören. Dabei müsse sie ihre Praxis wie gehabt offenhalten, erklärt die Podologin. „Auch für Notfälle.“ Die Heilmittelpraxen sind als systemrelevant eingestuft und müssen deshalb ebenso wie Ärzte weiter öffnen.

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Diese Belastung gelte es aufzufangen, erklärt der Spitzenverband der Heilmittelverbände (SHV). In ihm sind bundesweit mehr als 75.000 Therapeuten (Physiotherapeuten, Ergotherapeuten und Podologen) organisiert.

Zwar gebe es für kleinere Heilmittelpraxen einen Einmal-Zuschuss von 9000 oder 15.000 Euro. Aber: „Dass dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist und unsere Heilmittelpraxen nicht retten kann, weiß die Politik, wissen die Krankenkassen“, heißt es in einer Pressemitteilung des SHV.

Verband fordert Ausfallzahlungen

Bei finanziellen Hilfen könne es nicht um Darlehen gehen – denn die könne eine Heilmittelpraxis in ihrer historisch schlechten Einkommenslage gar nicht zurückzahlen, sagt der Verband. Gefordert werden Ausfallzahlungen für abgesagte Behandlungstermine.

„Dass die Ärzte zunehmend zurückhaltend verordnen, weil sie angebliche Gefahren für die Patienten in den Heilmittelpraxen vermeiden wollen, tut ein Übriges“, heißt es vom Spitzenverband.

Auch Anna Hellenkamp unterstützt die finanziellen Forderungen des Spitzenverbandes. Den Einmal-Zuschuss werde sie auf jeden Fall in Anspruch nehmen müssen. „Drei Mitarbeiter sind schon in Kurzarbeit“, berichtet sie.

Anna Hellenkamp geht davon aus, dass der finanzielle Einbruch zeitversetzt kommen wird. „Wir müssen ja in Vorleistung treten. Der Arzt verordnet die Behandlung, wir behandeln den Patienten und erst nach Ende der verordneten Behandlung können wir unsere finanziellen Aufwendungen bei der Krankenkasse einreichen. Das wird in einigen Wochen noch zu einer ganz bescheidenen Situation führen.“

Umzug geplant

Dabei hatte Anna Hellenkamp geplant, im Mai neue Räume in Ahaus zu beziehen. „Wir wollten uns gerade räumlich verändern.“ Von der Wüllener Straße sollte es an die Wallstraße in Ahaus gehen, neben Orthopädie Böcker. „Wir hoffen, dass das alles klappt. Aber gerade in der momentanen Situation macht man sich natürlich Gedanken um die Zukunft.“

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