18 alte Bäume in Ahaus illegal gefällt: Staatsanwaltschaft sieht kein strafbares Verhalten

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In einem Ahauser Industriegebiet waren 18 Bäume auf städtischem Grund illegal gefällt worden. Die Staatsanwaltschaft hat ermittelt – und kommt zu einem überraschenden Ergebnis.

Ahaus

, 19.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Die Aktion im Dezember vergangenen Jahres regte viele Ahauser auf: 18 teilweise mehr als 100 Jahre alte Bäume (Eichen und Buchen) sowie eine Hecke auf städtischem Grund waren illegal gefällt worden. Jetzt steht fest: Die Staatsanwaltschaft Münster wird die dafür Verantwortlichen nicht zur Rechenschaft ziehen. Das teilte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt, Pressesprecher der Staatsanwaltschaft, auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Stadt stellte Strafanzeige

Unternehmer Armin Siemes hatte seinerzeit beobachtet, wie die Bäume gefällt wurden. Der „Tatort“ im Industriegebiet zwischen Gutenbergstraße und dem zum Brennelemente-Zwischenlager führenden Gleis liegt ganz in der Nähe seiner Firma an der Kruppstraße. Siemes kam die Sache komisch vor – er nahm Kontakt zur Stadtverwaltung auf. Die Stadt prüfte die Situation vor Ort und stellte dann bei der Staatsanwaltschaft Münster Strafanzeige und Strafantrag gegen Unbekannt. Schließlich waren die Bäume im Bebauungsplan als erhaltenswerter Landschaftsbestandteil festgesetzt.

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Die Staatsanwaltschaft ermittelte und kam – wie jetzt bekannt wurde – schon im März zu dem Ergebnis: das Verfahren wird eingestellt. Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt erläutert auch, warum. „Es war nicht auszuschließen, dass versehentlich die falschen Bäume gefällt wurden.“ Das erklärte Martin Botzenhardt in einer schriftlichen Stellungnahme. Eine fahrlässig begangene Sachbeschädigung sei aber nicht strafbar, dies gelte nur bei Vorsatz.

„Arbeitsauftrag falsch verstanden“

Zum konkreten Fall in Ahaus sagt der Oberstaatsanwalt, dass nicht auszuschließen war, „dass ein erteilter Arbeitsauftrag vom Auftragnehmer falsch verstanden wurde“. Sprich: Die ausführende Firma könnte mehr oder weniger „aus Versehen“ die Säge angesetzt und Bäume gefällt haben. Für die Staatsanwaltschaft ist die Akte geschlossen – für die Stadtverwaltung noch nicht.

Stadt verlangt Schadenersatz

Strafbar ist die Tat laut Staatsanwaltschaft nicht – doch könnte die Verwaltung bei Fahrlässigkeit immerhin ein Bußgeld verhängen. „Die Stadt Ahaus wird Schadenersatz geltend machen und eine Nachpflanzung verlangen“, das sagte Stadtsprecherin Anna Reehuis auf Nachfrage. Die Verwaltung habe damals keinerlei Genehmigung für ein Abholzen von Bäumen auf der besagten städtischen Fläche erteilt.

Zur genauen Höhe des Schadenersatzes gab es von der Stadt Ahaus am Dienstag keine Auskunft. Die Schadenshöhe werde aktuell ermittelt, hieß es aus dem Büro der Bürgermeisterin. Auch zur möglichen Ersatzanpflanzung gab es von der Verwaltung keine konkreten Informationen – und das sieben Monate nach dem Vorfall.

Armin Siemes will zehn Bäume spenden

Für Armin Siemes ist die Angelegenheit auch damit noch nicht beendet. Nicht nur im Gewerbegebiet, auch an anderen Stellen in Ahaus werden seiner Meinung nach viel zu oft, viel zu schnell und manchmal auch unerlaubt Bäume gefällt. Um ein Zeichen zu setzen, will er selbst zehn neue Bäume spenden. „Die Stadt müsste mir lediglich noch mitteilen, welche Bäume sie pflanzen möchte. Wir würden diese dann bei einer Baumschule ordern und der Stadt zwecks Pflanzung zur Verfügung stellen“, berichtete er auf Anfrage unserer Redaktion am Montag.

18 alte Bäume in Ahaus illegal gefällt: Staatsanwaltschaft sieht kein strafbares Verhalten

Sieben Monate nach der illegalen Baumfällung auf städtischem Grund liegt noch Holz im Seitengraben. © Markus Gehring

Dass er Bäume pflanzen will, das habe schon im Dezember, gleich nach dem Vorfall, bekanntgemacht, erklärte Siemes. „Die Stadt hat mir bisher wegen der Neuanpflanzungen keinerlei Informationen zukommen lassen.“ Die Untere Naturschutzbehörde sei aufgrund seiner Anfrage sogar kurioserweise der Meinung, dass es sich lediglich um eine Hecke gehandelt habe und diese erfahrungsgemäß ja wieder austreibe; eine Neuanpflanzung sei daher nicht vonnöten. Von der Stadtverwaltung gab es zur geplanten Baumspende von Armin Siemes folgende Auskunft: „Über private Baumspenden würden wir uns natürlich freuen.“

Grünstreifen fehlt noch

Arrmin Siemes möchte jedoch auch den Verursacher in die Pflicht genommen wissen. „Die Bäume müssen auf jeden Fall ersetzt werden, damit solche Aktionen nicht weiterhin Schule machen.“ Zudem müsste entlang der gefällten Bäume und dem Wirtschaftsweg beidseitig noch ein fünf Meter breiter Grünstreifen angelegt werden. Armin Siemes: „Die Maßnahme müssen alle dort ansässigen Bauherren vornehmen, das sieht der Bebauungsplan so vor.“

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