19-jähriger Ahauser soll versucht haben, Taxifahrer zwei Mal zu überfahren

rnFall fürs Landgericht

Was am 18. Februar 2019 wirklich in Sabstätte passierte, wird das Schwurgericht beim Landgericht Münster beschäftigen. Es geht um einen verletzten Taxifahrer und zwei Taxigäste aus Ahaus.

Ahaus

, 18.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit vielem werden die beiden Ahauser Angeklagten gerechnet haben, doch damit wohl nicht: Ihr Fall wird das Schwurgericht beim Landgericht Münster beschäftigen. Aus dem Vorwurf einer gemeinschaftlich begangenen Körperverletzung wurde am Donnerstag im Amtsgericht Ahaus der Verdacht eines versuchten Tötungsdeliktes.

Der 19-Jährige und der 27-Jährige sollen laut Anklage am 18. Februar 2019 gegen 0.30 Uhr auf einem Wirtschaftsweg in Sabstätte einen Taxifahrer mehrfach geschlagen und auf den am Boden liegenden 52-Jährigen eingetreten haben. Einer der beiden soll gerufen haben: „Den machen wir tot.“ Laut den Ausführungen des Staatsanwaltes stieg der 19-Jährige dann ins Taxi und versuchte, den Taxifahrer zu überfahren.

Sprung zur Seite

Der Mann konnte sich im letzten Moment durch einen Sprung zur Seite retten. Dann flüchteten die Angeklagten. Der Taxifahrer erlitt unter anderem einen Nasenbeinbruch und war eine Woche krank geschrieben. Am Taxi entstand ein Schaden von rund 5000 Euro.

Der Verteidiger des 19-Jährigen gab für seinen Mandanten eine Erklärung ab. Demnach wurde dem 27-Jährigen schlecht, der Fahrer hielt an. Der 27-Jährige stieg aus, erbrach sich, kehrte zurück, ging zur Fahrerseite und schlug dem Taxifahrer durch die offene Scheibe ins Gesicht. Der Taxifahrer stieg aus, der 27-Jährige schlug weiter auf ihn ein und trat ihn. Sein Mandant habe sich ans Steuer gesetzt und sei losgefahren, sagte der Verteidiger. „Aber am Taxifahrer vorbei.“

Am Steuer ohne Führerschein

Warum sich sein Mandant denn überhaupt ans Steuer setzte, wollte der Richter vom Verteidiger wissen. Der 19-Jährige besitzt keinen Führerschein. „Ich weiß es nicht mehr“, antwortete der 19-Jährige selbst. „Ich wollte mit lautem Motorheulen die beiden auseinander bringen.“

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Der 27-Jährige wiederum belastete den 19-Jährigen. In besagter Nacht sei man mit dem Taxi auf dem Rückweg von Gescher nach Ahaus gewesen. „Mir wurde schlecht. Der Fahrer ließ mich aussteigen.“ Der 19-Jährige sei zu ihm gekommen, um sich erkundigen, wie es ihm gehe. „Dann stieg der Taxifahrer aus und wollte Geld.“ Der Mann habe dem 19-Jährigen das Portemonnaie hingehalten. Doch der 19-Jährige schlug dem Taxifahrer ins Gesicht, trat ihn und beschimpfte ihn fremdenfeindlich.

Als der Taxifahrer fortlief, setzte sich der 19-Jährige ins Taxi und verfolgte den Fahrer. Der sprang zur Seite. Der 19-Jährige stieg aus und das Taxi rollte in den Graben. Beide Angeklagten flüchteten – so weit die Schilderung des 27-Jährigen.

Geschlagen und getreten

Der 52 Jahre alte Taxifahrer schilderte eine dritte Version. Demnach sei er im Taxi von beiden Angeklagten geschlagen worden. Draußen habe der 27-Jährige auf ihn eingeprügelt und ihn getreten.

Der 19-Jährige sei mit dem Taxi mit Vollgas auf ihn zugefahren. „Ich rettete mich durch einen Sprung zur Seite“, erklärte der Taxifahrer. Der 19-Jährige habe den Rückwärtsgang eingelegt und ein zweites Mal versucht, ihn zu überfahren. Dabei sei der Wagen in den Graben gerutscht. „Beide flüchteten dann.“

Fall für das Landgericht

War die Staatsanwaltschaft zuerst nicht von einem möglichen Tötungsdelikt ausgegangen, änderte der Vertreter nach der Zeugenaussage seine Meinung. Auch für den Richter und die Schöffen bestand ein hinreichender Tatverdacht, dass zwei Mal versucht worden sei, den Mann zu überfahren.

Der Richter verwies das Verfahren an das Landgericht Münster. Dort müssen sich die beiden Ahauser wegen eines versuchten Tötungsdeliktes verantworten.

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