22-jähriges Opfer hatte sich nur kurz gewehrt

Dritter Tag im Mordprozess

Pinkfarbene Bluse, schwarzes Top, Jeans, schwarzer Schal und Schnürstiefel – so war die 22-jährige Flüchtlingshelferin in der Nacht zum 11. Februar unterwegs, als sie auf ihren Mörder traf.

AHAUS/MÜNSTER

, 29.08.2017, 17:42 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Staatsanwältin, hier in einer Verhandlung, hatte auf Mord plädiert. Im Vordergrund das eingepackte Asservat, der Koffer, in dem der Angeklagte das Opfer habe beseitigen wollen, um Spuren zu verwischen.

Die Staatsanwältin, hier in einer Verhandlung, hatte auf Mord plädiert. Im Vordergrund das eingepackte Asservat, der Koffer, in dem der Angeklagte das Opfer habe beseitigen wollen, um Spuren zu verwischen.

Im Mordprozess gegen den 28-jährigen Nigerianer, der die junge Frau ermordet haben soll, kamen am Dienstag vor dem Landgericht in Münster weitere grausame Details des Tatgeschehens am Hessenweg ans Licht. Der Angeklagte wirkte dabei teilnahmslos, starrte meist auf den Tisch vor sich und machte nicht den Eindruck, dass er das Prozessgeschehen verfolgt. Seine Dolmetscherin neben ihm würdigte er keines Blickes.

Der dritte Prozesstag war der Tag der Gutachten. Zunächst schilderte ein Gerichtsmediziner die Ergebnisse seiner Leichenschau. Dabei wurde deutlich, dass die Indizien dafür sprechen, dass sich die junge Frau nur wenig gewehrt hat. „Wenn es einen Kampf gab, dann war der nur sehr kurz“, meinte der Gutachter und berichtete, dass es beim Opfer nur an der rechten Hand eine Abwehrverletzung gab.

22 Messerstiche

Insgesamt fügte der Täter seinem Opfer 22 Messerstiche zu, wobei der Gerichtsmediziner schilderte, dass er viele Verletzungen im Bereiche von Kopf und Hals gefunden hatte. Am ersten Verhandlungstag hatte ein Polizist berichtet, dass das Gesicht der Getöteten „nicht mehr erkennbar“ war. Drei Messerstiche gingen in den Rücken.

Die Verletzungen wurden der jungen Frau mit sehr großer Kraft zugefügt, schilderte der Gerichtsmediziner. Dabei wurde sogar ein Zahn des Opfers von dem Messer durchtrennt. „Nummer 15 ist der tödliche Stich“, erklärte der Gutachter, als sich das Gericht Fotos anschaute. Dieser Stich habe die innere Drosselvene durchtrennt, was dazu führte, dass die 22-Jährige verblutete.

Ohne eine Aussage des Angeklagten ließ sich vor Gericht nicht klären, ob der Nigerianer auf das bereits regungslos am Boden liegende Opfer eingestochen hatte, oder ob die junge Frau irgendwann zusammenbrach. „Es gab keinen Stich, der zur sofortigen Bewusstlosigkeit oder Handlungsunfähigkeit hätte führen müssen“, sagte der Gutachter. Aus sechs weiteren Gutachten verlas das Gericht Auszüge. Alkohol oder Drogen waren demnach bei Täter und Opfer nicht im Spiel.

DNA und Fasern im Koffer

DNA- und Faserspuren belasten den Angeklagten. Dabei wurde auch der Nachweis erbracht, dass der 28-Jährige sein Opfer in einen 73 mal 40 mal 30 Zentimeter großen, braunen Kunststoffkoffer stecken wollte. Fasern von der Kleidung und Blut des Opfers wurden in dem Koffer gefunden. Am Griff des Koffers wurden Blutspuren des Täters nachgewiesen. Der hat sich bei seiner Tat offenbar verletzt: In der Flüchtlingsunterkunft im Kalkbruch, in der er wohnte, fand die Spurensicherung Blutspuren im Bad, auf dem Fußboden und an der Wand.

Der Prozess vor der 2. Großen Strafkammer wird am Dienstag, 12. September, 9 Uhr, fortgesetzt.

 

 

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