28-Jähriger sorgt wieder für Polizeieinsätze, obwohl er zu Haftstrafe verurteilt wurde

rnStreiterei am Marienplatz

Vor zweieinhalb Wochen hat das Amtsgericht Ahaus einen 28-jährigen Vredener zu einer Haftstrafe verurteilt. Jetzt hat er erneut für zwei Polizeieinsätze gesorgt. Wie kann das sein?

Ahaus, Vreden

, 10.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Mit gleich vier Einsatzfahrzeugen ist die Polizei am Donnerstagabend zu Streitigkeiten am Marienplatz in Ahaus ausgerückt. Beteiligt war auch ein polizeibekannter 28-jähriger Vredener, der erst vor zweieinhalb Wochen wegen Körperverletzung zu einer Haftstrafe von 15 Monaten verurteilt wurde. Am Freitag folgte direkt der nächste Polizeieinsatz wegen des 28-Jährigen.

Der Name des Mannes ist auch bei der Polizeipressestelle in Borken bekannt. Markus Hüls erklärt am Freitag im Gespräch mit der Redaktion, was am Donnerstag gegen 19.50 Uhr in der Nähe des Marienplatzes in Ahaus passiert ist. Der 28-Jährige stand demnach auf der Straße und hat einem Auto den Weg versperrt. „Der Autofahrer hat gehupt, daraufhin hat der Vredener gegen das Auto getreten“, sagt Markus Hüls. Ein Insasse sei ausgestiegen und habe den Vredener ins Gesicht geschlagen. Daraufhin wurde die Polizei alarmiert.

28-Jähriger verbringt die Nacht in Gewahrsam

„Bei Eintreffen der Einsatzkräfte war der 28-Jährige deutlich aggressiv und alkoholisiert. Um weitere Straftaten zu verhindern, wurde er in Gewahrsam genommen“, so der Sprecher der Polizei. Am Freitagmorgen wurde er jedoch wieder entlassen. Es wurde eine Anzeige gegen ihn geschrieben, wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr.

Am Freitag taucht der Mann wieder auf dem Marienplatz auf. Offensichtlich betrunken torkelt er über den Platz, redet mit sich selbst und sitzt wild gestikulierend auf der Bank. Gegen 17 Uhr eskaliert die Situation. Ein Streifenwagen rückt an, zwei Beamte legen dem 28-Jährigen Handschellen an und setzen ihn unter heftiger Gegenwehr des Mannes ins Auto. Was genau passiert ist, konnte die Redaktion am Freitag nicht mehr in Erfahrung bringen.

Haftstrafe von 15 Monaten ohne Bewährung

Betrunken und aggressiv war der 28-Jährige wohl auch kurz vor Weihnachten 2018, als er in einem Vredener Lokal randaliert und später Polizisten geschlagen und getreten haben soll. Wegen Körperverletzung hat das Amtsgericht Ahaus ihn deswegen am 23. April zu einer Haftstrafe von 15 Monaten ohne Bewährung verurteilt.

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Warum also kann der 28-Jährige sich weiter frei bewegen und offenbar weiter Ärger machen? Eine Nachfrage beim Amtsgericht Ahaus ergibt: Der Vredener hat gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt. „Damit ist das Urteil nicht rechtskräftig und so lange gilt die Unschuldsvermutung“, erklärt Bernhard Rottstegge, Richter am Amtsgericht Ahaus.

Es gilt die Unschuldsvermutung

Aber auch wenn das Urteil rechtskräftig wäre, hätte die neue Anzeige wohl keine unmittelbaren Folgen für den 28-Jährigen. „Man müsste erst mal sehen, was bei dem neuen Strafverfahren rauskommt. Bis zur Verurteilung gilt jeder als unschuldig“, erklärt Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt ganz allgemein. Eine frühere Haftstrafe wäre nur möglich, wenn sogenannte Haftgründe vorliegen.

Das regelt der Paragraph 112 der Strafprozessordnung. Darin heißt es: „Die Untersuchungshaft darf gegen den Beschuldigten angeordnet werden, wenn er der Tat dringend verdächtig ist und ein Haftgrund besteht.“ Dazu zählen Flucht- und Verdunklungsgefahr. Ein weiterer Haftgrund nach Paragraph 112a ist die Wiederholungsgefahr. Ob und inwieweit diese Voraussetzungen auf den Fall des 28-jährigen Vredeners zutreffen, dazu wollen sich weder Richter noch Staatsanwalt konkret äußern.

Langes Vorstrafenregister und mehrere Bewährungsstrafen

Der Mann ist sowohl beim Amtsgericht Ahaus als auch bei der Polizei vor Ort kein Unbekannter. Im April 2018 muss er sich vor Gericht verantworten, weil er seine Schwester gewürgt und mehrere Menschen bedroht haben soll. Das Urteil: eineinhalb Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung und eine Drogentherapie. Ein halbes Jahr später sitzt er wieder auf der Anklagebank. Er soll unter anderem seinen fünfjährigen Neffen getreten und seinen Bruder ins Gesicht geschlagen haben. Seine beiden Schwestern bitten Richter und Staatsanwaltschaft inständig, ihren Bruder ins Gefängnis zu schicken. Doch es bleibt bei einer Bewährungsstrafe von sechs Monaten und einem Anti-Aggressionstraining.

So glimpflich kommt der 28-Jährige vor zweieinhalb Wochen nicht mehr davon. Nachdem er zum ersten Verhandlungstermin betrunken erschienen war und im Gerichtsgebäude Polizisten geschlagen und beleidigt hatte, wurde er in einem zweiten Termin zu 15 Monaten Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt. Gegen dieses Urteil hat er Rechtsmittel eingelegt.

Weitere Verfahren werden folgen

Jetzt muss also ein Gericht über die Berufung entscheiden. Danach wird der 28-Jährige erneut vor Gericht erscheinen müssen, um sich für die Beleidigungen und Schläge gegen Polizisten im Amtsgericht zu verantworten. Und dann ist da ja auch noch die Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr am Donnerstagabend.

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