34-jähriger Räuber hat eine lange Drogenkarriere hinter sich.

Drogenabsturz und Raub

Der 34-Jährige, der Raubüberfälle in Wüllen und Vreden verübte, hat eine lange Drogenkarriere hinter sich. Mit 14 begann er zu trinken.

Ahaus

von Frank Zimmermann

, 03.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Eine Psychiaterin, die über den Angeklagten ein Gutachten erstellt hat, nannte es einen „regelrechten Absturz“. Der Angeklagte selbst habe es in einem Gespräch als „Amoklauf“ bezeichnet. Gemeint ist die Zeit Anfang 2014, in der ein heute 34-Jähriger in Gronau, Ahaus und Vreden vier Überfälle begangen hat, für die er sich nun vor dem Landgericht in Münster verantworten muss. Eine Postagentur hatte er in Wüllen überfallen und die Angestellte mit einer Schreckschusswaffe bedroht. In Vreden traktierte er den Besitzer eines Goldankaufgeschäftes mit einem Elektroschocker und fesselte ihn. Bei seiner Flucht von dort zwang er auf einem Parkplatz in der Nähe des Geschäfts eine Frau aus Ammeloe dazu, ihn mit ihrem Auto nach Enschede zu fahren. In Gronau überfiel er eine Lotto-Annahmestelle und eine Spielhalle.

Am voraussichtlich vorletzten Verhandlungstag am Mittwoch schilderte die Gutachterin unter anderem den Lebenslauf des Angeklagten. Als Zehnjähriger war er mit seiner Familie aus Kasachstan nach Deutschland gekommen. Ein schwieriges Alter für eine Migration, wie später der Vorsitzende Richter feststellte. Bei Gericht würden gehäuft Fälle auftreten, in denen Angeklagte in diesem Alter nach Deutschland gekommen seien und dann in der neuen Heimat nicht Fuß gefasst hätten. Das bestätigte auch der Angeklagte. Die Gutachterin führte aus, dass der Angeklagte, der mit seiner Familie in Gronau lebte, schon im Alter von elf, zwölf Jahren mit Alkohol in Kontakt gekommen sei. Bereits mit 14, 15 Jahren habe er regelmäßig am Wochenende mit einem Freund ein bis zwei Flaschen Wodka getrunken. Als 18-Jähriger habe er dann begonnen, Heroin zu konsumieren, wenig später sei auch noch Kokain dazugekommen.

Schon viele Haftstrafen

Schon bald wurde der Angeklagte auch strafrechtlich auffällig. Es folgte eine Kette von Haftstrafen und Entzugsversuchen, die aber allesamt scheiterten. Dann kam der Absturz Ende 2013, Anfang 2014. Getrieben von der Sucht und der Angst vor einem drohenden Entzug sei das Leben des Angeklagten nur noch von der Frage bestimmt gewesen, wie er an seine Drogen komme.

Die Wende schaffte der Angeklagte nach seiner Verhaftung in den Niederlanden – er hatte im Februar 2014 eine Tankstelle in Glanerbrug überfallen. Nach einem methadonunterstützten Entzug habe er sich in der Haft selbst vom Methadon abdosiert und es geschafft, seitdem keine Drogen zu konsumieren, berichtete die Gutachterin. Das sei beachtlich, denn: „In den Haftanstalten ist es kein Problem, Suchtmittel jeglicher Couleur zu konsumieren.“ Unter anderem deshalb rate sie auch nicht zu einer Unterbringung des Angeklagten in einer Entziehungsanstalt (nach Paragraf 64 StGB). Stattdessen empfahl sie, dem Angeklagten die Möglichkeit zu geben, während seiner Inhaftierung eine Ausbildung zu absolvieren. Dies verschaffe ihm eine Basis, um hoffentlich nach einer Entlassung nicht wieder rückfällig zu werden.

Der Prozess wird Freitag fortgesetzt. Dann sind die Schlussplädoyers und die Urteilsverkündung geplant.

Lesen Sie jetzt