5 Jahre Atomausstieg: "Kein Grund zum Feiern"

Interview mit Felix Ruwe

Seit vielen Jahren ist Felix Ruwe Sprecher der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“. Sich gegen die Atomkraft einzusetzen, ist dem 65-Jährigen eine Herzensangelegenheit. Wir haben fünf Jahre nach dem Atomausstiegs-Beschluss des damaligen schwarz-gelben Kabinetts am 30. Juni 2011 mit Felix Ruwe über Atommüll in Deutschland und Ahaus gesprochen.

AHAUS

, 30.06.2016, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
5 Jahre Atomausstieg: "Kein Grund zum Feiern"

Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ kritisiert die weitere Nutzung der Atomenergie ohne konkrete Entsorgungsperspektiven.

Herr Ruwe, heute vor fünf Jahren erklärte Deutschland den Atomausstieg bis 2022...

Atomausstieg? Wo denn?

Für Sie hat dieser Jahrestag also keine Bedeutung?

Nein. Fünf Jahre Atomausstieg ist für uns als Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ kein Grund zum Feiern – eher zum traurig werden. Die Politik drückt sich vor der Verantwortung. Ich sehe das nicht als einen Atomausstieg, sondern eher als Garantie der Betriebszeiten alter maroder Kraftwerke.

Der Ausstieg ist also nicht gelungen?

Nein, er entspricht nicht unseren Vorstellungen. Ein sofortiger Ausstieg wäre besser, als bis 2022 die Kraftwerke so langsam vom Netz zu nehmen. Kein Mensch weiß, was mit dem Atommüll passieren soll. Das ist mehr als verantwortungslos.

Was bedeutet der Atomausstieg denn speziell für Ahaus?

Die gesamte Atompolitik in Ahaus hat sich verschlechtert. Das Zwischenlager soll 2036 auslaufen, trotzdem befürchte ich, dass der Müll dort viel länger lagern wird. Dass das geht, haben wir beim Lager in Jülich gesehen. Dort stehen momentan 150 Behälter mit Graphitkugeln, doch ein Antrag auf den Bau einer neuen Halle wurde in Jülich nie gestellt. Ich bin mir ziemlich sicher, dass dieser Müll nach Ahaus kommt.

Wie sieht für Sie denn die Zukunft in Ahaus aus, was das Zwischenlager angeht?

Meine schlimmste Vorstellung ist, dass der Müll aus dem Forschungsreaktor in München zu uns nach Ahaus kommt. Das ist hochangereichertes Uran und direkt atombombentaugliches Material. Bayern hat sich unter Seehofer nicht dazu bereit erklärt, den Müll aufzunehmen. Stattdessen wurde die Genehmigung zur Einlagerung in Ahaus zeitgerecht erteilt. Die ersten Transporte sind schon für das Jahr 2018 angekündigt worden. Das ist nicht mehr lang...

Sehen Sie da die Landesregierung in der Verantwortung?

Auf jeden Fall! Die Landesregierung kümmert sich einfach nicht. Wir müssen den Müll sofort loswerden. Niemand hat eine Ahnung, wie er endgelagert werden soll. Wir als Bürgerinitiative müssen da ein Fass aufmachen. Dieser Müll gehört einfach nicht nach Ahaus. Er ist eine tickende Zeitbombe!

Glauben Sie, dass der Atomausstieg bis 2022 erreicht werden kann?

Ja, noch bin ich guter Dinge, dass das letzte Kraftwerk 2022 vom Netz geht. Doch letztendlich haben die großen Energiekonzerne in der Hand, wie sie die alternativen Energien ausbauen und ob sie nicht doch die Atomenergie brauchen. Meiner Meinung nach ist die Politik von diesen Großkonzernen abhängig.

Bleiben wir bei der Politik. Befindet sie sich denn noch auf dem richtigen Weg?

Die Politik arbeitet nicht zielgerichtet auf einen Atomausstieg hin. Die Politik hat ganz einfach gepennt.

Was ist Ihr Fazit?

Das schlimmste am Atomausstieg ist die Verschiebung der Verantwortung für den Atommüll auf die kommenden Generationen.

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