Junkie erscheint einfach nicht zu „seinem“ Gerichtstermin

Gerichtsprozess

Weil ein bereits mehrfach strafrechtlich auffälliger Junkie (36) aus Ahaus nicht zum Gerichtstermin am Montag erschien, erließ der Richter auf Antrag der Staatsanwältin einen Strafbefehl.

Ahaus

, 23.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Junkie erscheint einfach nicht zu „seinem“ Gerichtstermin

Der 36-jährige Junkie aus Ahaus erschien nicht zum Gerichtstermin. © dpa (Symbolbild)

Eigentlich war der Straftatbestand, weswegen sich ein 36-jähriger Ahauser vor dem Amtsgericht Ahaus verantworten musste, eine Lappalie. So hat der Mann am 16. April dieses Jahres vor einem Geschäft in der Wessumer Straße ein Fahrrad gestohlen. Bei einer Polizeikontrolle flog die Geschichte auf. Aber: Dies war bereits der 14. Eintrag im Strafregister des Mannes.

Und weil der Mann, der von seinem Betreuer als „Junkie vor dem Herren“ bezeichnet wurde, eben kein unbeschriebenes Blatt ist und einfach mal den Gerichtstermin am Montag schwänzte, beantragte die Staatsanwältin einen Strafbefehl beim Gericht mit einer Gesamtgeldstrafe über 500 Euro.

Geläufiges Verfahren

Ein Strafbefehl ist ein geläufiges Verfahren vor dem Amtsgericht, wenn ein Angeklagter dem Termin fern bleibt. Es entfällt also die mündliche Hauptverhandlung und dennoch erfolgt eine rechtskräftige Verurteilung, so der Angeklagte binnen zwei Wochen keinen Widerspruch einlegt.

Allerdings kann dieses Verfahren nur zum Tragen kommen, wenn das Strafmaß einer Geldstrafe (bis zu 360 Tagessätzen) oder das der Freiheitsstrafe von einem Jahr nicht überschreitet.

Dinge, die im Falle des 36-jährigen Junkies nicht zum Tragen kamen. Erstaunlich: Der Betreuer des Mannes war zum Gerichtstermin erschienen. Und dort zeigte sich dieser selbst ratlos bezüglich des Verhaltens des 36-Jährigen. „Ich habe ihn heute Morgen noch gesehen und ihm eigenhändig die Vorladung kopiert und gegeben.“

Keine Erreichbarkeit

Geholfen hat es nichts. Der Angeklagte erschien einfach nicht. „Ist er denn gut erreichbar?“, hakte die Staatsanwältin nach. „Nein, gar nicht“, antwortete der Betreuer. Sein Klient habe zwar derzeit eine Wohnung („solange das gut geht“), aber erreichbar sei er praktisch nie. „Es ist schon ein Wunder, dass er bisher noch nicht in eine Klinik eingewiesen wurde“, führte der Betreuer weiter aus.

Denn so sollen die Lebensverhältnisse des Angeklagten sehr kompliziert sein. Eine frühe Erwerbunfähigkeit gepaart mit massiven Drogenproblemen. Und dieser Konsum soll zudem Psychosen ausgelöst haben. „Ein Fall für sich“, wie der Betreuer prägnant zusammenfasste. „Irgendwann ist dann aber auch mal eine Freiheitsstrafe fällig“, merkte der Richter an.

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