Am Krankenhaus Ahaus sind große Erweiterungen geplant, um die Abteilungen aus Stadtlohn und Vreden übernehmen zu können. © Markus Gehring
Krankenhaus

Ahauser Krankenhaus erweitert stark – weil andere Standort schließen

Schon wieder plant das Klinikum Westmünsterland eine große Erweiterung des Ahauser Krankenhauses. Der Grund: Mehrere Abteilungen kommen hinzu, weil sie woanders geschlossen werden.

Auf Patienten und Krankenhausmitarbeiter in Stadtlohn, Vreden und Ahaus kommen große Veränderungen zu. Nach mehr als 150 Jahren werden die Krankenhäuser in Vreden und Stadtlohn geschlossen.

Das hat das Klinikum Westmünsterland, zu dem die beiden Krankenhäuser gehören, am Donnerstagmorgen auf Personalversammlungen in Vreden und Stadtlohn mitgeteilt. Der Prozess soll im Jahr 2022 beginnen und bis 2025 dauern.

Das Ahauser Krankenhaus übernimmt etliche Abteilungen aus Vreden und Stadtlohn und wird erheblich erweitert. Für die demnächst ehemaligen Krankenhausstandorte in Vreden und Stadtlohn gibt es neue Konzepte und konkrete Planungen, teilte das Klinikum am Nachmittag auf einer Pressekonferenz mit.

Kündigungen sind nicht geplant

Die über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser in Stadtlohn (350) und Vreden (165) müssen nach Angaben von Geschäftsführer Holger Winter nicht um ihren Arbeitsplatz fürchten.

Holger Winter betont: „Unser Ziel ist es, diese alternativlosen Umstrukturierungen so zu gestalten, dass sie auch für unsere Mitarbeitenden tragbar und zukunftsfähig sind. Bei einigen wird sich der Arbeitsort verändern, bei anderen vielleicht der Einsatzbereich. Niemand muss aber Angst davor haben, dass wir ihn nicht mehr brauchen.“

Investitionen für 77 Millionen Euro geplant

Die Umstrukturierung ist mit riesigen Investitionen verbunden. Das Klinikum Westmünsterland erwartet 62 Millionen Euro Fördermittel von Bund und Land. Vom Krankenhausträger kommen für den Krankenhausbereich mindestens weitere 15 Millionen Euro dazu. Der Erhalt der Fördermittel ist nach Klinikum-Angaben an die Umsetzung eines „ambitionierten und im Sinne der Landeskrankenhausplanung NRW zukunftsfähigen akutmedizinischen Versorgungskonzeptes“ geknüpft.

Das Krankenhaus in Ahaus soll wegen der Umstrukturierung deutlich erweitert werden.
Das Krankenhaus in Ahaus soll wegen der Umstrukturierung deutlich erweitert werden. © Klinikum Westmünsterland

Die Krankenhausschließungen und die Bündelung medizinischer Kompetenzen an den verbleibenden drei Krankenhausstandorten in Ahaus, Bocholt und Borken sichert nach Angaben von Ludger Hellmann, Sprecher der Klinikum-Geschäftsführung, die medizinische Versorgung „vor Ort langfristig auf

hohem Niveau“. Die Förderung durch Bund und Land bezeichnete Ludger Hellmann als „einmalige Chance für den Klinikträger wie für alle

Bürgerinnen und Bürger“.

Und das ist konkret geplant:

  • Die Geriatrie sowie die Rheumatologie aus Vreden werden in Ahaus konzentriert.
  • Die Innere Medizin Stadtlohn mit den Spezialisierungen Diabetologie und Kardiologie wird auf Ahaus konzentriert.
  • Der in Stadtlohn vorhandene Linksherzkathetermessplatz (LHKM) wird nach Ahaus verlegt. Mit dem dort ebenfalls vorhandenen LHKM entsteht eine jederzeit einsatzbereite interventionelle Kardiologie für den Nordkreis Borken.
  • Die Allgemein- und Unfallchirurgie aus Stadtlohn und Ahaus wird auf Ahaus konzentriert und sichert nach Klinikum-Angaben das Traumazentrum.
  • Die bisher in Stadtlohn vorgehaltene Pneumologie (Lungenheilkunde) wird nach Bocholt in das St. Agnes-Hospital verlagert
  • Die Wirbelsäulenchirurgie aus Stadtlohn wird im muskuloskelettalen Zentrum des St. Marien-Hospitals Borken konzentriert.
  • Die Geburts- und Frauenklinik Borken wird nach Bocholt verlegt.
  • Die in Borken freiwerdenden Ressourcen werden zur notwendigen Erweiterung des Versorgungsangebotes der Neurologie und Geriatrie sowie zum Aufbau einer neurologischen Frührehabilitation benötigt.

An den Krankenhausstandorten in Stadtlohn und Vreden sind konkrete Projekte geplant, um die Gebäude sinnvoll nutzen zu können. In Vreden wird der Bereich der Rehabilitation für orthopädische und rheumatologische Patienten weiter ausgebaut. In Stadtlohn sind ambulante medizinische Versorgungsangebote und die Errichtung eines Pflegezentrums geplant. Außerdem soll hier als Modellprojekt ein Telemedizinisches Kompetenz- und Versorgungszentrums angesiedelt werden.

Das Stadtlohner Krankenhaus Maria-Hilf und das Vredener St.-Marien-Hospital sind bislang ein Teil des gemeinsamen Plankrankenhauses St.-Marien-Krankenhaus Ahaus-Stadtlohn-Vreden. Insgesamt verfügt das Haus über 538 Planbetten. Fast 1800 Mitarbeiter versorgten im St.-Marien-Krankenhaus Ahaus-Stadtlohn-Vreden jährlich rund 23.000 stationäre Patienten.

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Stefan Grothues

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