Ahauser Parteien nach der Wahl: Zwischen Eigenlob und Selbstkritik

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Die CDU ist die stärkste Fraktion im neuen Rat, die Grünen sehen sich als Wahlgewinner und die SPD ist überrascht von ihrer Wahlschlappe. Wir haben nach der Kommunalwahl Stimmen eingeholt.

Ahaus

, 14.09.2020, 17:13 Uhr / Lesedauer: 3 min

An der CDU führte beim Ergebnis der Ratswahl am Sonntag fast kein Weg vorbei. Die Christdemokraten holten 19 der 21 Direktmandate und insgesamt 45,75 Prozent der Stimmen (Minus 1,45 Prozentpunkte). Von den 42 Ratssitzen gehen – wie schon 2014 – 20 an die CDU. Fast jeder zweite Ahauser machte sein Kreuzchen bei einem CDU-Kandidaten.

Für die SPD lief es deutlich schlechter. Die Sozialdemokraten fuhren ein Minus von 8,46 Prozentpunkten ein und rutschten auf 12,20 Prozent. Im neuen Rat sind sie mit fünf Mitgliedern (bislang neun) vertreten. Die UWG verlor leicht (Minus 0,39 Prozent) und kommt auf 16,90 Prozent. Sie wird hinter der CDU zweitstärkste Kraft im neuen Rat und behält ihre sieben Sitze.

Zugewinn für die Grünen

Einen deutlichen Zugewinn gab es für die Grünen. Sie legen um 6,66 Prozentpunkte zu und kommen auf 12,63 Prozent. Im neuen Ahauser Rat sind sie mit fünf Mitgliedern vertreten. Die WGW (4,89 Prozent) konnte in zwei der 21 Wahlbezirke ein Direktmandat holen, sie behält weiterhin zwei Sitze im Rat. Die FDP holte 3,91 Prozent (Zugewinn 0,22 Prozentpunkte) und kommt auf zwei Ratssitze. Ein Ratsmandat geht an die WLA, die erstmals antrat und 2,19 Prozent erzielte. Die AfD holte 0,93 Prozent der Stimmen in Ahaus, Die Linke kam auf 0,60 Prozent.

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Die CDU sprach mit Blick auf die Zahl ihrer Direktmandate von einem „starken Vertrauensbeweis“ für ihre Kandidaten. Im Vergleich zur Wahl 2014 habe man drei Bezirke zurückgeholt. Die Ahauser Christdemokraten hätten eine gute Mischung aus erfahrenen und neuen Kandidaten aufgestellt und die ganze Breite der Bevölkerung in Ahaus repräsentiert: vom Landwirt über den Facharbeiter bis zum Geschäftsführer.

„Die CDU ist die mit Abstand stärkste Fraktion im Rat, von da her sehen wir uns klar in der Rolle, in den kommenden Jahren die politische Arbeit mit zu bestimmen und zu gestalten. Das Wahlergebnis zeigt auch, dass die Bürger mit unserer Arbeit in den letzten sechs Jahren zufrieden waren“, teilte Pressesprecher und Ratsmitglied Christian Rudde mit.

Zum Wahlergebnis des CDU-Bürgermeisterkandidaten Dr. Michael Räckers, der auf lediglich 18,79 Prozent der Stimmen gegen Amtsinhaberin Karola Voß kam, erklärte Rudde: „An ihm und seinem enormen Einsatz hat es nicht gelegen. Es war eine Wahl für Karola Voß und nicht gegen Michael Räckers.“

„Wir hatten auf ein etwas besseres Ergebnis gehofft“, erklärte Hubert Kersting von der UWG-Fraktion zum Ergebnis der Ratswahl. „Intern hatten wir uns drei Ziele gesetzt. Wir wollten unseren Stimmanteil ausbauen und acht Ratssitze gewinnen.“ Dieses Ziel habe man knapp verfehlt. „Weiterhin wollten wir die zweitstärkste Fraktion werden.“ Das wurde erreicht. „Und drittens wollten wir weiter mit Bürgermeisterin Karola Voß zusammenarbeiten.“ Das könne die UWG in den nächsten fünf Jahren.

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Der Ahauser SPD-Vorstand sei über die Wahlschlappe überrascht , teilte Pressesprecher Erhard Lemmink mit. Es sei offenbar nicht gelungen, die gute Ratsarbeit der SPD-Fraktion und die Vorstellungen der SPD für die Zukunft der Stadt den Bürgern nahe zu bringen. Man werde jetzt im Vorstand das Ergebnis genau analysieren und dann entsprechende Konsequenzen ziehen. Für Schnellschüsse und Spekulationen sei aber kein Platz, erklärte Lemmink. Die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, Andrea Schulte, konnte trotz der Niederlage auch etwas Positives erkennen: „Wir Sozialdemokraten freuen uns darüber, dass die AfD nicht in den Rat einziehen konnte.“

Dietmar Eisele vom Grünen-Ortsverband sagte: „Mit einem Zuwachs von fast sieben Prozent sind wir vor der FDP die klaren Sieger der Stadtratswahl.“ Die Grünen hätten insbesondere bei den Erstwählern einen hohen Zustimmungsgrad erreicht. Ihr themenbezogener Wahlkampf und die Konzentration auf ihre Kernkompetenzen hätten wohl den Ausschlag gegeben. Eisele: „Jetzt gilt es, in den vor uns liegenden fünf Jahren unser Ahaus für die Zukunft fit zu machen.“

19.836 Wahlberechtigte gaben bei der Kommunalwahl in Ahaus ihre Stimme ab. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,47 Prozent.

19.836 Wahlberechtigte gaben bei der Kommunalwahl in Ahaus ihre Stimme ab. Die Wahlbeteiligung lag bei 62,47 Prozent. © Christian Bödding

Die WGW holte 0,3 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Kommunalwahl, „aber man muss bedenken, dass die WGW jetzt nur in drei Bezirken, statt wie 2014 in vier Bezirken angetreten ist“, teilte Norbert Frankemölle auf Anfrage mit. Ebenso wie WGW-Ratsmitglied Hermann Josef Haveloh holte er ein Direktmandat in Wüllen. Frankemölles Fazit: Die Wüllener Bevölkerung sei mit der Arbeit und dem Einsatz der WGW sowie mit dem Engagement des Ortsvorstehers Hermann-Josef Haveloh sehr wohl einverstanden.

FDP ist „stolz auf das Ergebnis“

Marco Schultewolter von den Ahauser Liberalen ließ Zahlen sprechen: „Wir konnten 139 Wähler mehr als beim letzten Mal für uns gewinnen. Das sind über 20 Prozent Zugewinn. Und das obwohl es bei dieser Wahl ein breiteres Angebot für den Wähler gab, nämlich ganze neun statt sechs Parteien und Wählergemeinschaften.“ Die FDP habe ihre bisherigen zwei Sitze im Rat der Stadt Ahaus halten können. „Das ist ein Ergebnis, auf das wir stolz sein können.“

Für die AfD, die nicht in den Rat der Stadt Ahaus einzog, bezog der Kreissprecher Dr. Michael Espdendiller Stellung. Er kündigte an, dass die AfD als außerparlamentarische Opposition die Geschicke der Stadt begleiten werde.

Von der WLA und der Partei „Die Linke“ war am Montag keine Stellungnahme zu bekommen.

Hier gibt es die Wahlergebnisse der Stadt Ahaus zur Kommunalwahl.

Die Mitglieder des neuen Rates der Stadt Ahaus

  • CDU: Hansjörg Blisniewski, Frank Enning-Harmann, Maria Hermine Woltering, Manfred Johannes Verweyen, Johannes Wittenbrink, Thomas Vortkamp, Alexander Kaiser, Dr. Michael Räckers, Klaus Hemsing, Stefan Vöcking, Beatrix Wantia, Franz Benölken, Heinz-Josef Kappelhoff, Christian Rudde, Frank Lefering, Josef Terhalle, Michaela Blickmann, Bernhard Johannes Hackfort, Bernd Holters, Johannes Terhaar
  • SPD: Andreas Dönnebrink, Andrea Claudia Ingrid Schulte, Klaus Lambers, Diana Ahler, Hermann Josef Herickhoff
  • UWG: Hubert Kersting, Annegret Heijnk, Gerrit Messelink, Renate Schulte, Ludwig Niestegge, Hanne Lange, Christoph Ibing
  • Grüne: Klaus Löhring, Dietmar Eisele, Gisa Müller-Butzkamm, Christopher Eing, Marion Löhring
  • WGW:Norbert Frankemölle, Hermann Josef Haveloh
  • FDP: Christiane Gottheil, Marco Schultewolter
  • WLA: Reinhard Josef Johann Horst
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