Ahauser (27) schreibt im Online-Portal Elfjährige an und lässt sich Nacktbilder schicken

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Ein 27-jähriger Ahauser hat über das Internetportal „Knuddels“ eine Elfjährige angeschrieben. Obwohl er ihr Alter kannte, forderte er sie auf, Nacktbilder zu schicken. Das tat das Mädchen.

Ahaus

, 27.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn es um das Thema Kinderpornografie geht, wird es auch im Gerichtssaal schnell emotional. Montagmorgen war das in Saal II des Amtsgerichts Ahaus nicht anders. Doch statt den 27-jährigen Ahauser – der wegen Besitz kinderpornografischer Schriften auf der Anklagebank saß – in die Mangel zu nehmen, wählten Richter und Staatsanwalt einen anderen Ansatz. Denn sie erkannten schnell, dass der Ahauser selbst Hilfe braucht.

An Einsicht fehlte es dem 27-Jährigen nicht. „Die Vorwürfe stimmen. Ich wusste, dass sie erst elf Jahre alt war. Ich habe sie dazu aufgefordert, mir Fotos von sich zu schicken“, erklärte er. Den Blick richtet er bei seinen Ausführungen beschämt zu Boden.

Der Vorfall, um den es ging, ereignete sich im Februar 2019. Der Ahauser war damals im Internet auf der Suche nach Kontakten. Im Online-Portal „Knuddels“ – das damit wirbt, Menschen zusammenzubringen – lernt er eine Userin kennen.

Nach Chat im Internet drei Nacktbilder zugeschickt

Obwohl sie gleich zu Beginn klarstellt, erst elf Jahre alt zu sein, fordert der Ahauser sie auf, ihm Nacktfotos von sich zu schicken. Kurz darauf sendet die Elfjährige ihm drei Fotos. Alle drei zeigen Nahaufnahmen ihres entblößten Körpers.

Schon bei der Polizei räumt der Ahauser seinen Fehler ein. Während der Vernehmung erklärt er: „Ich stehe eigentlich nicht auf Minderjährige, aber wenn ich scharf bin, setzt es manchmal bei mir aus.“

Vor Gericht bestritt er eine pädophile Neigung ebenfalls: „Ich weiß nicht, warum ich es getan habe. Ich habe Nichten, Neffen und ein Patenkind.“ Als weiteren Beleg führte er an, dass er auch in Online-Foren für Homosexuelle unterwegs gewesen sei.

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Der Staatsanwalt sah das allerdings anders: „Wer auf Knuddels unterwegs ist, legt es darauf an, mit Jüngeren zu kommunizieren. Wir reden hier ja auch nicht von einer 16-Jährigen – was auch schon strafbar gewesen wäre. Eine Elfjährige ist ganz klar ein Kind. Da fragt man sich schon, ob eine Therapie nicht angebracht wäre. Ich denke, Sie brauchen Hilfe.“

Der 27-Jährige widersprach nicht. Ganz im Gegenteil: „Ich habe schon auf eigene Faust nach einem Therapeuten gesucht. Auch wegen meiner eigenen Kindheitserfahrung.“ Auf Nachfrage des Richters bestätigte der Ahauser, selbst Opfer eines Missbrauchs geworden zu sein.

Freiheitsstrafe für Staatsanwalt unumgänglich

Für den Staatsanwalt ein weiterer Grund, eine verpflichtende Therapie an das Urteil zu knüpfen: „Mein Eindruck sagt mir, dass Sie grundsätzlich in der Lage sind, ein strafrechtlich einwandfreies Lebens zu führen. Aber auch zum eigenen Schutz sollte man die Sache professionell angehen. Eine Geldstrafe sehe ich als nicht förderlich an.“

Deshalb forderte er in seinem Plädoyer, den 27-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten zu verurteilen, ausgesetzt zur Bewährung. Als Auflage solle er schnellstmöglich eine ambulante Psychotherapie aufsuchen und 600 Euro an den Kinderschutzbund Münster spenden.

Der Richter stimmte dem zu: „Sie sind nicht vorbestraft und auf ihrem Rechner wurden keine weiteren Kinderpornos gefunden. Trotzdem muss man bei einem solchen Verhalten frühzeitig dazwischen gehen. Übergriffe können nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der Kinder haben.“ Der Ahauser akzeptierte das Urteil noch im Gerichtssaal.

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