Ahauser Tierheimleiterin ist für die Kastrationspflicht von Katzen

Freilaufende Katzen

2017 hat das Ahauser Tierheim rund 500 Katzen aufgenommen. Das sind wesentlich mehr als in den Vorjahren. Tierheimleiterin Julia Steggemann ist deswegen für eine Kastrationspflicht.

Ahaus

von Mareike Meiring

, 12.08.2018, 17:13 Uhr / Lesedauer: 2 min
Rund 500 Fundkatzen nahm das Ahauser Tierheim im vergangenen Jahr auf.

Rund 500 Fundkatzen nahm das Ahauser Tierheim im vergangenen Jahr auf. © MarkusGehring.de

Im Tierheim in Ahaus herrscht derzeit Hochsaison. Nicht nur wegen der vielen Pensionsgäste, die kommen, weil Herrchen oder Frauchen im Urlaub sind. Sondern auch – und vor allem – wegen der zahlreichen Fundtiere. Und das sind in fast allen Fällen Katzen.

„Deren Anzahl ist gestiegen in den letzten Jahren“, sagt Leiterin Julia Steggemann. Im Schnitt nahm das Heim 50 Fundkatzen pro Jahr mehr auf als im Vorjahr. Allein im vergangenen Jahr zählte das Heim so insgesamt rund 500 Fundkatzen bei sich. „Bei Katzen ist das Problem, dass sie sich sehr schnell vermehren“, sagt Steggemann. Eine Katze bekommt pro Jahr schnell mal bis zu 20 Junge. Und die müssen versorgt werden.

Los geht es mit den ersten Geburten meist schon im Mai, und dieser Nachwuchs findet oft im Sommer seinen Weg ins Tierheim. „Teilweise werden die Katzen offensichtlich ausgesetzt, etwa in Kartons, teilweise finden sie Privatpersonen“, sagt Steggemann. Oft sind es auch die Ordnungsämter der Städte und Gemeinden, die mit dem Tierheim zusammenarbeiten, die die Fundkatzen dann zu Julia Steggemann nach Ahaus bringen.

Kommunen zahlen Pauschale für die ersten zehn Tage

Pro Tier bekommt das Heim dann eine Pauschale von den Kommunen, diese deckt die Unterbringungskosten für das Tier für die nächsten zehn Tage ab. Vermittelt sind die Katzen nach diesen wenigen Tagen allerdings nur selten. Denn zunächst einmal kommen sie in Quarantäne, werden ordentlich aufgepäppelt, entwurmt, kastriert, gechippt und geimpft.

Ein wichtiges Standbein, um die Kosten für das Tierheim und seine Mitarbeiter zu tragen, ist daher die Hunde- und Katzenpension. „Derzeit sind wir ausgebucht“, sagt Julia Steggemann. Bis zu 24 Hunde und 20 Katzen können in dem Tierheim Urlaub machen.

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Für viele Fundkatzen dagegen ist das Tierheim ihr erstes Zuhause. Doch nicht immer ihr einziges. „Im vergangenen Jahr haben wir von den 500 Fundkatzen rund 300 gegen Entgelt vermittelt“, sagt Steggemann. Hinzu kommen einige Katzen, die kostenlos etwa zu Hofstellen vermittelt werden. „Das sind häufig scheue Katzen.“

Fundkatzen kommen nicht zu ihrem eigentlichen Zuhause zurück

Auf den Höfen können sie dann weiter in Freiheit leben, bekommen aber regelmäßig Futter und haben jemanden, der nach ihnen schaut. Weil Katzen derzeit aber nicht gekennzeichnet werden müssen, kommen nur drei Prozent der Fundkatzen zu ihrem ehemaligen Zuhause, wie Steggemann sagt. Das ist bei den gechippten Hunden anders. „Letztes Jahr hatten wir 135 Fundhunde, von denen sind nur 13 bei uns geblieben.“

Um dem Problem mit den Fundkatzen Herr zu werden, setzt sich Julia Steggemann für eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht bei Katzen ein. „In manchen anderen deutschen Städten gibt es sie bereits“, erläutert Steggemann – zum Beispiel in Borken.

Julia Steggemann ist für eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht bei freilaufenden Katzen.

Julia Steggemann ist für eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht bei freilaufenden Katzen. © Foto: Christian Bödding

Auf Kreisebene dagegen nicht. Das wollen unter anderem die Grünen im Kreistag ändern. Sie hatten daher im Juni einen entsprechenden Antrag an die Kreisverwaltung gestellt. Darin hieß es, die Kreisverwaltung solle notwendige Vorarbeiten leisten „für eine Satzung zur Kastrations-, Registrierungs- und Kennzeichnungspflicht für freilaufende Katzen“.

Kastration muss auch in den Köpfen angekommen

Im Kreistag beschlossen die Mitglieder dann Anfang Juli, die Verwaltung solle „geeignete Maßnahmen zur Abwehr von Gefahren für freilebende Katzen und Katzen mit Freigang im Sinne des Tierschutzgesetzes erarbeiten“. Das Ergebnis müsse allerdings nicht zwangsläufig eine Satzung sein, sagte Landrat Dr. Kai Zwicker.

Julia Steggemann würde sich hingegen über eine solche Satzung freuen. „Es muss eine Lösung her“, betont sie. Und durch eine solche Änderung wäre die Kastration nicht nur auf dem Papier Pflicht. „Sie setzt sich auch in den Köpfen fest“, sagt sie. Und gehört dann vielleicht irgendwann für die Katzenhalter einfach dazu.

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