Nachhaltige Kinderkleidung aus schon vorhandenen Stoffen – produziert zu fairen Bedingungen – hat sich das kleine Modelabel Oktopulli auf die Fahnen geschrieben. Die geborene Ahauserin Nancy Frehse hat es zusammen mit einer Kommilitonin gegründet. © Karo Vitellaro
Unternehmen ohne Gewinn

Ahauserin will mit Oktopulli Kinderkleidung bieten, die über Jahre hält

Nachhaltige Kinderkleidung, die mitwächst und über Jahre halten soll, will eine geborene Ahauserin produzieren. Dafür hat sie ein Unternehmen gegründet: Eine Firma, die keinen Gewinn machen will.

Die geborene Ahauserin Nancy Frehse (29) hat zusammen mit einer Partnerin in Berlin ein eigenes Kindermode-Label gegründet. Das versuchen viele. Doch die beiden Gründerinnen sind nicht auf große Stückzahlen oder Gewinne aus: Sie wollen nachhaltige, soziale, genderneutrale und ressourcenschonende Kindermode kreieren.

Nancy Frehse (M.) aus Ahaus, ihre Kommilitonin Carla Reuter sowie Fahim Abbasi sind im Moment das Team hinter Oktopulli. Das kleine Unternehmen plant ein langsames, organisches Wachstum.
Nancy Frehse (M.) aus Ahaus, ihre Kommilitonin Carla Reuter sowie Fahim Abbasi sind im Moment das Team hinter Oktopulli. Das kleine Unternehmen plant ein langsames, organisches Wachstum. © Geli Knaeble Prochazková © Geli Knaeble Prochazková

Oktopulli, so der Name des Labels, sei ein totales Pandemieprojekt gewesen, erzählt Nancy Frehse unserer Redaktion. Vor gut einem Jahr kam ihr mit ihrer Kommilitonin Carla Reuter die Idee, aus dem gemeinsamen Hobby Nähen ein eigenes Unternehmen zu machen. Beide nähen schon seit Jahren für den gesamten Freundes- und Bekanntenkreis.

Onlineshop und Crowdfunding

  • Neben verschiedenen Handwerker- und Kunstmärkten – vor allem in Berlin – verkauft Oktopulli die Kinderpullover auch online auf www.oktopulli.de
  • Die Crowdfundingkampagne haben die Gründerinnen ebenfalls online gestartet: www.ecocrowd.de/projekte/oktopulli/

Nach ihrem Abitur am Canisius-Stift 2012 ging Nancy Frehse erst für ein Freiwilliges Soziales Jahr nach Italien und begann dann in Freiburg ein BWL- und Kunstgeschichte-Studium.

Gemeinsam mit Carla Reuter belegte sie später im Masterstudium den Studiengang „Ökonomie und Gesellschaftsgestaltung“. Und daraus entwickelte sich bei den beiden Frauen die Idee, ein Unternehmen ganz anders aufzustellen als üblich.

Wirtschaftlicher Erfolg steht nicht im Vordergrund

Denn bei ihrem Label geht es beiden zwar darum, es wirtschaftlich tragbar aufzubauen, gleichzeitig aber nicht auf große Gewinne zu zielen. So entstand eine GmbH mit Verantwortungseigentum: Die Verantwortung tragen natürlich die Gesellschafter.

Die Gewinne jedoch sind an das Unternehmen gebunden. So sollen Entscheidungen langfristig mit Blick auf den Unternehmenszweck getroffen werden und nicht kurzfristige Profitinteressen den Kurs des Unternehmens beeinflussen.

In den vergangenen zwölf Monaten haben die Gründerinnen das Projekt zunächst noch ehrenamtlich aufgebaut. Jetzt soll es ein normaler Vollzeitjob werden.

Baby- und Kinderkleidung soll mehrere Jahre mitwachsen

Der Clou: Die Kleidung soll über mehrere Jahre halten. Sie ist so genäht, dass sie anfangs etwas Übergröße hat, am Ende aber immer noch nicht zu eng sitzt. Die Pullover gibt es in drei Größen: für Ein- bis Dreijährige (Größe 80-98), für Drei- bis Fünfjährige (Größe 98-110) und für Fünf- bis Siebenjährige (Größe 110-128).

Oktopulli produziert Kinderkleidung, die über mehrere Jahre mitwächst. Das Label will so ein Statement gegen die sogenannte Fast-Fashion setzen. Die Pullover des Labels kosten zwar rund 50 Euro, sollen aber vier normale Kleidungskäufe ersetzen.
Oktopulli produziert Kinderkleidung, die über mehrere Jahre mitwächst. Das Label will so ein Statement gegen die sogenannte Fast-Fashion setzen. Die Pullover des Labels kosten zwar rund 50 Euro, sollen aber vier normale Kleidungskäufe ersetzen. © Geli Knaeble Prochazková © Geli Knaeble Prochazková

Dazu sind beispielsweise die Ärmel deutlich länger als üblich und können anfangs umgekrempelt werden. Auch in der Länge haben die Pullover mehr Stoff, so dass sie länger passen. „Für die Kleinsten sind sie am Anfang etwas oversized“, sagt Nancy Frehse. Und auch an den Schultern haben sie durch sogenannte „Raglanärmel“ mehr Stoff, so dass sie genug Bewegungsfreiheit bieten.

Stoffe stammen aus Überproduktion oder zweiter Hand

Auch die Stoffe erfüllen einen hohen Anspruch an die Nachhaltigkeit: „Alle unsere Stoffe werden nicht für uns produziert, sondern sind schon da“, sagt Nancy Frehse: Rest- und Überschussware oder Secondhand-Ware. Natürlich werde dabei auf entsprechende Qualitäts- und Produktionssiegel geachtet.

Die Pullover kosten pro Stück um die 50 Euro. Mehr als beim Discounter oder großen Modeketten. Und das ist das eigentlich Ziel hinter den Pullovern: Sie sollen einen Weg aus der Fast-Fashion, der sogenannten Wegwerf-Mode weisen. „Wir planen unsere Produkte so, dass sie mindestens vier Käufe von herkömmlichen Kleidungsstücken ersetzen“, sagt Nancy Frehse. Und offenbar kommt das sehr gut an: „Wir bekommen sehr viel positive Resonanz“, ergänzt sie.

Ein erster großer Meilenstein ist erreicht: der 300. verkaufte Pulli. „Uns geht es einfach darum, Kindermode nachhaltig aufzustellen und zu entschleunigen“, sagt Nancy Frehse.

Langsames organisches Wachstum statt schneller Gewinne

Auch der weitere Weg ist klar vorgezeichnet: Ende dieses Jahres wollen die Gründerinnen ein neues, größeres Atelier beziehen. Dort soll dann auch eine Art gläserner Manufaktur entstehen: „Wir wollen mit Workshops auch die Kinder näher an das Handwerk bringen. Sie sollen sehen, wie die Kleidung entsteht“, erklärt Nancy Frehse.

Anfang 2022 sollen dann zwei weitere Arbeitsplätze geschaffen werden, so dass insgesamt sechs Mitarbeiter mit den Octopullis beschäftigt sind. Dabei wollen die Gründerinnen vor allem Menschen beschäftigen, die schlechte Chancen auf dem regulären Arbeitsmarkt haben, beispielsweise Menschen mit Flüchtlingshintergrund oder Langzeitsarbeitslose.

Angepeilte Produktionskapazität zum Start: ungefähr 350 Pullover pro Monat. Gerade die Stücke, die online verkauft werden, produziert das kleine Label nur auf Bestellung. „Wenn die weg sind, sind sie weg“, sagt Nancy Frehse. Innerhalb einer Lieferzeit von zwei Wochen sollen allerdings alle Bestellungen geliefert werden.

„Wir setzen auf organisches Wachstum“, fügt sie hinzu. Durch die Gründung als GmbH mit Verantwortungseigentum habe sich das kleine Label selbst in etliche Schranken verwiesen: Beispielsweise darf die Firma nicht einfach verkauft werden. „Würden wir unsere Anteile verkaufen, müssten wir den Erlös spenden“, sagt Nancy Frehse.

Auch dürfen Gewinne nicht entnommen werden. Sie sind für Fixkosten und im vorgesehenen Rahmen für Reinvestitionen vorgesehen. Alles, was darüber hinaus geht, müsste das Unternehmen spenden. Als nächster Schritt steht nun ein Crowdfunding an. Damit soll das Startkapital für das größere Atelier gesammelt werden.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape