"Aktion Kind" lässt Wunsch wahr werden

Spezialrad für Noah

Sich einfach aufs Rad setzen und gemeinsam eine kleine Tour zu Freunden oder zum Einkauf unternehmen: Das war für Noah und seine Mutter Cindy Wissing aus Ahaus der größte Wunsch. Der Neunjährige ist schwerstbehindert und auf den Rollstuhl angewiesen. Manchmal aber werden Wünsche wahr. In diesem Fall hat der Stadtlohner Verein "Aktion Kind" nachgeholfen.

AHAUS

, 04.05.2017, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noah ist überglücklich. Der Neunjährige klatscht am Mittwochabend vor Freude. Mutter Cindy dreht mit ihm auf der Straße vor dem Haus am Hasenkamp mit einem Spezialrad ein paar Runden. Das "Dreirad" verfügt über einen abnehmbaren Rollstuhl.

"Wir waren sonst immer nur zu Fuß unterwegs oder mit dem Auto", berichtet Cindy Wissing. Jetzt ist die 29-Jährige viel mobiler. "Wenn wir Freunde besuchen, können wir nun den Rollstuhl abnehmen, das Rad stehen lassen und Noah kann im Rolli auf der Terrasse sitzen."

Tapferer Noah

Noah ist schwerstbehindert. Er hat das Smith-Lemli-Opitz-Syndrom. Cindy Wissing erklärt: "Noah ist nicht in der Lage, genug körpereigenes Cholesterin herzustellen. Auch wenn man denkt, zu wenig Cholesterin, das ist doch nicht schlimm. Cholesterin ist wichtig für die Entstehung des Gehirns, für die Ummantelung von Zellen und die Produktion bestimmter Hormone." Noah hat eine starke Gehirnschädigung und ein schwaches Immunsystem. Gewicht aufzubauen, fällt dem Jungen schwer.

Der Neunjährige ist 1,10 Meter groß, wiegt 16 Kilogramm, wird künstlich ernährt und muss rund um die Uhr betreut werden. "Im Moment hat er eine gute Phase", sagt seine Muter. Doch im Winter ist Noah ständig krank. Vor Kurzem lag er mit einer schweren Influenza in der Klinik. "Trotz Impfung." Ein eingeschränktes Leben, das jetzt an Qualität gewinnt. "Dank des Spezialrades kommt er raus, ist abgelenkt, kann gucken."

Krankenkasse weigert sich

Dabei hat Noah mit seiner Krankheit nicht einmal ein Recht auf ein solches Rad. Die Krankenkasse würde es nicht bewilligen. Cindy Wissing erklärt: "Kinder mit einer körperlichen Beeinträchtigung haben ein Anrecht auf ein solches Rad. Sie sind geistig in der Lage, am Verkehrsgeschehen teilzunehmen. Für Noah ist dieses Fahrrad in dem Sinne keine Erleichterung. Ich könnte ihn ja theoretisch im Rollstuhl überall hinfahren."

Das Rad selber anzuschaffen, davon konnte die 29-Jährige nur träumen. "Ich hätte mir dieses Fahrrad nie im Leben leisten können."

Kinderarzt im Vorstand

Womit wir beim Verein "Aktion Kind" sind. Im November 2016 traf sich Cindy Wissing erstmals mit Vereinsmitgliedern. Der Verein, dem 70 Mitglieder angehören, erfüllt kranken und behinderten Kindern und Jugendlichen die unterschiedlichsten Wünsche. Mit im Vorstand sitzt ein Kinderarzt, der den Verein in medizinischen Fragen berät und über die jeweiligen Erkrankungen informiert. Zehn aktive Mitglieder kümmern sich um die Erfüllung der Wünsche, die an den Verein herangetragen werden. "Die Bandbreite ist so verschieden wie unsere Kinder", sagt Vorstandsmitglied Paul Bußhoff.

Die Wünsche reichen von Wochenendreisen über Fahrräder bis hin zum Besuch von Spielen der Fußballbundesliga. Seit der Gründung im Jahr 2008 hat der Verein knapp 80 Wünsche erfüllt. Nicht immer geht er damit an die Öffentlichkeit. "Doch von Zeit zu Zeit ist es ganz hilfreich, um auf unser Tun aufmerksam zu machen", erklärt Paul Bußhoff.

Neue Mitglieder werben

Schließlich werde die Öffentlichkeit gebraucht, um neue Mitglieder zu werben und Spenden zu generieren. Die Spenden fließen zu 100 Prozent in die Wunscherfüllung und bleiben in der Region, darauf legt der Verein wert.

Bußhoff: "Unsere sonstigen Kosten decken wir durch Mitgliederbeiträge ab." Der jährliche Mindestbeitrag pro Mitglied liegt bei zehn Euro. "Das lässt sich zahlen." Noahs Freude, die ist unbezahlbar.

Lesen Sie jetzt