Teles Pinte vor dem endgültigen Aus: „Es funktioniert so einfach nicht“

rnAlstätter Kneipe

Andre Hörst betreibt „Teles Pinte“ in Alstätte. Am Freitag öffnete er das erste Mal seit Corona-Lockdown. Doch weil sich Gäste nicht an die Regeln hielten, schloss er sie wieder. Für immer?

Ahaus

, 22.06.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Andre Hörst klingt auch am Montagmorgen noch bedrückt. „Es tut mir in der Seele weh“, sagt er am Telefon. Der Alstätter Gastronom hat beschlossen, sein Lokal „Teles Pinte“, das mitten im Ortskern liegt, bis auf Weiteres zu schließen. Sogar über eine Kündigung des Pachtvertrages denkt er ernsthaft nach.

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Dabei hat der Alstätter erst am vergangenen Wochenende das erste Mal seit dem Ende des Corona-Lockdowns überhaupt wieder die Türen für Gäste geöffnet. Vorher waren ihm die Auflagen zu hoch. Doch warum die plötzliche Kehrtwende? „Es hat einfach nicht funktioniert“, sagt Andre Hörst.

Andrang in der Kneipe ist riesig

Und damit meint er nicht etwa den fehlenden Andrang. „Ich hätte gutes Geld verdienen können. Für einen Sommerabend war erstaunlich viel los.“ Zu viel. Am Samstag zog der Alstätter kurz vor Mitternacht die Reißleine. „Ich hab die Musik ausgemacht und alle Gäste aufgefordert, sofort zu bezahlen und dann die Kneipe zu verlassen. Dabei fingen beide Tage gut an“, berichtet Hörst.

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Aber je länger der Abend dauerte, desto weniger wurden die vom Land NRW festgeschrieben Corona-Regeln für Gastronomen beachtet. „Als ich um 21 Uhr nach Hause gegangen bin, war noch alles gut. Dann klingelte gegen 22.30 Uhr mein Telefon und meine Kellnerin hat mir erklärt, dass sich viele weder an die Abstandsregeln noch an die Mundschutz-Pflicht halten“, sagt Andre Hörst.

„Es war zu viel Alkohol im Spiel

Als er das hörte, kehrte er in seine Gaststätte zurück, um sich selbst ein Bild zu machen. Der Grund für die Missachtung wurde ihm vor Ort dann schnell klar: „Es war einfach zu viel Alkohol im Spiel. Die Leute kamen teilweise aus anderen Kneipen herüber und hatten fast alle ordentlich getankt.“ Auf der obligatorischen Gästeliste, die für die Rückverfolgung bei Corona-Fällen eingesetzt werden, lässt sich der Zustand einiger Besucher gut erahnen.

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„Neben der Kirche links“, schrieb zum Beispiel jemand in krakliger Schrift in die Adresszeile. Zeitraum der Anwesenheit: 0 Uhr bis 5 Uhr. „Da hatte ich schon längst geschlossen“, sagt der Alstätter Gastronom. Auch falsche Namen wurden mehrfach verwendet.

Dass er diesen radikalen Schlussstrich zog und seine (Stamm-) Gäste hi­n­aus­kom­pli­men­tie­rte, hat mehrere Gründe. „Als verantwortlicher Gastronom kann ich dieses Verhalten auf keinen Fall verantworten und unterstützen. Zum anderen will ich mir aber auch den Ärger mit dem Ordnungsamt ersparen“, erklärt Andre Hörst.

Denn Gastronomen, die gegen die Corona-Verordnung verstoßen, drohen Bußgelder von mehreren tausend Euro. Nach den harten Corona-Monaten könnte das den finanziellen Dolchstoß bedeuten. Daher hat Andre Hörst nun entschieden, seine Türen wieder zu schließen. Für wie lange, ist noch völlig unklar.

Hoffnung auf weitere Lockerungen

„Wenn es nicht zeitnah weitere Lockerungen gibt, werde ich sie wahrscheinlich gar nicht wieder öffnen“, sagt der Alstätter, der die Kneipe seit 2013 betreibt und im Ort vor allem für die regelmäßig stattfindenden Live-Konzerte bekannt ist. Denn selbst wenn sich alle Gäste an die geltenden Corona-Regeln halten, ist es für Andre Hörst schwer, finanziell im Plus zu bleiben.

„Wenn man die Abstandsregeln einhält, kann ich im Innenbereich vielleicht 20 Gäste bedienen. Dazu kommen ein paar Tische im Außenbereich. Dass das nicht die großen Gewinne bringt, ist klar“, sagt er. Weil es außerdem danach aussieht, dass die umsatzstärksten Events des Jahres – „Sternennacht“ und Weihnachtsmarkt – Corona zum Opfer fallen, wird die Rechnung noch knapper.

„Und am Ende will man ja auch nicht der Buhmann sein, wegen dem alles wieder geschlossen werden muss“, sagt Andre Hörst. „Da ziehe ich lieber jetzt den Schlussstrich und zeige klare Kante.“

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