An der Canisiusschule wurde in den Ferien gelernt – und das ganz freiwillig

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Homeschooling war für Schüler hilfreich, aber auch anstrengend. Die individuelle Förderung blieb ein wenig auf der Strecke. Daraus entwickelte die Canisiusschule die Idee der Summerschool.

Ahaus

, 09.08.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zeit in der Corona-Krise birgt auch Chancen für neue Ansätze – auch an der Bischöflichen Canisiusschule: In den letzten zwei Wochen wurde zur „Summerschool“ eingeladen – und an die 100 Schülerinnen und Schüler hatten dieses freiwillige Angebot in den Ferien angenommen.

Von dieser Resonanz zeigt sich im Gespräch auch Bärbel Weiland überrascht. „Es war fast schon problematisch, alle unterzubringen“, freut sie sich, dass ihre Idee auf so großes Feedback gestoßen ist. Seit dem 1. Februar ist sie stellvertretende Schulleiterin. „Da will man ja auch eigene Ideen entwickeln und einbringen.“

Individuelle Förderung im Mittelpunkt

Das Ziel: Inhalte, die durch den coronabedingten Unterrichtsausfall weggebrochen waren, sollten so nachgeholt, andere vertieft werden. „Die Themenschwerpunkte setzten die Schüler selbst“, erklärt Weiland. Und dass dabei „meist Konsens“ in den Gruppen bestand, davon berichtet Sören Bonau, einer von zwei erfahrenen Nachhilfelehrern (Mathe, Englisch, Geschichte), die die Summerschool begleiteten. Ebenso wie zwei der Referendare (Deutsch) und die neue Kollegin Franziska Wißeling (Biologie, Physik) an der Canisiusschule.

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„Wir wollten bewusst unser Lehrerkollegium nach dieser für alle schweren und anstrengenden Zeit nicht zusätzlich belasten“, so Weiland. Zudem schaffe man so eine Win-win-Situation. „Für uns als junge und zukünftige Lehrer ist dies eine willkommene Gelegenheit, um Praxiserfahrung zu sammeln“, berichtet Franziska Wißeling.

„Digitales Lernen stößt an Grenzen“

Angesprochen waren die Schüler, die im kommenden Schuljahr in die EF, Q1 und Q2 wechseln, die also vor einem wichtigen Schritt auf dem Weg durch die Oberstufe stehen. Im Mittelpunkt stand insbesondere die individuelle Förderung – auf konkrete Fragen der Schüler folgte umgehend Feedback des Lehrers. „Homeschooling hat uns sehr geholfen, aber das digitale Lernen stößt auch an Grenzen“, weiß Bärbel Weiland.

Die individuelle Förderung in Kleingruppen stand im Mittelpunkt. Für die junge Lehrerin Franziska Wißeling (l.) bot die Summerschool auch die Chance, Praxiserfahrung zu sammeln.

Die individuelle Förderung in Kleingruppen stand im Mittelpunkt. Für die junge Lehrerin Franziska Wißeling (l.) bot die Summerschool auch die Chance, Praxiserfahrung zu sammeln. © Michael Schley

Die Notwendigkeit zum selbstständigen Lernen habe den einen oder anderen Schüler womöglich überfordert, andere fühlten sich deshalb vielleicht nicht gut vorbereitet für die Arbeit in Oberstufe oder gar Qualifikations- und Abiturphase. Der Wunsch nach Kommunikation, nach persönlichen Begegnungen sei spürbar gewesen, so Bärbel Weiland. Die Begrenzung der Summerschool auf zwei Wochen habe man dennoch bewusst gewählt. „Auch für die Schüler war die Zeit anstrengend.“

Schüler bestimmen die Inhalte

Und so brachten sie erholt in den zwei Wochen vor dem Schulstart vormittags schon Leben ins Haus. In Gruppen von zwei bis durchaus zwölf Schülern bestimmten diese das Pensum. „Das waren mal Inhalte aus den vergangenen zwei Jahren, aber wir haben auch geschaut, was die Zukunft bringen wird“, erklärt Sören Bonau. Meist war der Bedarf übereinstimmend. Dass die „Schüler oft mit den gleichen Fragen kommen“, bestätigt Franziska Wißeling. Und darauf basierten auch die Schwerpunkte.

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Mattes Holtkamp hat das Angebot in den Naturwissenschaften als „sehr hilfreich“ empfunden. Mit Luca Marie Böckmann, beide Q2, bildet er am Freitagmorgen eine Zweierlerngruppe bei Franziska Wißeling. „Dinge, die ich zuhause nicht gleich ganz verstanden habe, konnten wir hier noch einmal ansprechen“, erklärt die Schülerin. Sie komme nun ins entscheidende Schuljahr und wolle sich noch steigern.

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Neben den Inhalten war es Bärbel Weiland und Team auch wichtig, einen Eindruck vom methodischen Lernen in der Oberstufe zu vermitteln. Und das könnte ein Ansatz sein, die Summerschool womöglich auch „ohne Corona-Hintergrund“ zu etablieren – als freiwilliges Angebot in den Ferien. „Die Schüler wollen lernen. Und dafür müssen wir Angebote schaffen, die für alle auch umsetzbar sind“, behält Bärbel Weiland das Projekt weiter im Blick.

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