Angeklagter zerstach Reifen, weil der Griff in den Altgeräte-Container versperrt war

Amtsgericht Ahaus

Ein 50-Jähriger wollte sich im Altgeräte-Container eines Elektromarkts bedienen. Als das scheiterte, ließ er seinen Frust an einem Auto aus. Das brachte ihn vor das Amtsgericht.

Ahaus

, 21.02.2019 / Lesedauer: 3 min

Dreimal mindestens kam der Ahauser im Frühjahr 2018 zum Altgeräte-Container auf dem Betriebsgelände eines Elektromarkts. Das belegen Aufnahmen einer Videoüberwachungsanlage. Wieso er dazu kam, fragte die Richterin. „Ich habe erfahren, dass man da Sachen zu seinem eigenen Gebrauch nehmen kann, wenn man nicht für alles Geld hat“, sagte der Angeklagte. „Viele nehmen sich etwas.“ Und später sagte er: „Ich habe gedacht, das ist okay.“

Der große Container war im April 2018 nicht abgeschlossen. Vergeblich versuchte der Angeklagte, einen Staubsaugerschlauch aus dem Container zu ziehen. Schwierig und letztendlich erfolglos war das, weil ein Wagen des Betriebs so dicht davor geparkt war und die Türen versperrte. Videoaufnahmen zeigen, wie der Angeklagte dann versuchte, das Auto mit einem Pfosten als Hebel zu bewegen. Als das nicht gelang, ließ er aus zwei Reifen die Luft raus.

Einen Monat später war er wieder da. Auch diesmal kam er nicht an den Container ran. Stattdessen schlitzte er Reifen des Wagens auf, der wieder vor dem Container parkte. Aus Frust, wie er vor Gericht zugab. „Und weil ich betrunken war.“

Beim dritten Versuch Wasserkocher mitgenommen

Bei einem dritten Versuch im Juni nahm er einen Wasserkocher mit. Den habe er dann weggeschmissen, als die Polizei ihn darüber aufklärte, dass solche Teile ja durchaus defekt sein könnten.

Ein Angestellter des Elektronikmarkt erläuterte, dass man das Auto mit voller Absicht vor den Container stelle. „Schlösser wurden regelmäßig alle acht, 14 Tage geknackt“, berichtete er. Eine Zeitlang habe man dann gar nicht gesichert. „Aber dann war abends so viel Bewegung, dass sich die Nachbarn beschwert haben.“

Inzwischen, so sagte er weiter, ist ein Schloss angebracht, das nicht mehr mit einem einfachen Bolzenschneider geknackt werden kann. Den Schaden bezifferte er für die Reifen auf rund 300 Euro. Die Dinge im Container dagegen hätten ja keinen Wert mehr, da sie entsorgt werden.

Für die Tat entschuldigt

Mehrfach entschuldigte sich der Angeklagte am Montag vor dem Amtsgericht für seine Tat. Er sei jedes mal betrunken gewesen, habe Wodka und Bier getrunken. Wie er die Reifen aufgeschlitzt habe, und ob er ein Messer dabei hatte, daran könne er sich nicht mehr erinnern.

85 Tagessätze á 15 Euro, forderte die Staatsanwaltschaft. „Das ist zu viel für meine Familie“, sagte der Ahauser, der genauso wie seine Frau aus gesundheitlichen Gründen, wie er sagt, nicht arbeitet. Er bat um ein milderes Urteil. Das Geständnis sprach zu seinen Gunsten. So blieb es am Ende bei 40 Tagessätzen á 15 Euro.

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