Die Grippewelle grassiert. Seit zwei oder drei Wochen verzeichnen die Ärzte in Ahaus deutlich mehr Grippeinfektionen als üblich. Sie wollen mit zwei Aktionstagen möglichst viele Patienten mit Grippeimpfungen versorgen. © picture alliance / dpa
Grippeimpfung

Arztpraxen stemmen sich mit zwei Impf-Aktionstagen gegen Grippewelle

Die Coronazahlen verbessern sich, doch parallel ist die Grippewelle angerollt. Sechs Arztpraxen in Ahaus wollen sich mit zwei Impf-Aktionstagen dagegen stemmen. Und hoffen auf große Resonanz.

Mit einer gemeinsamen Grippe-Impfaktion wollen sich Hausärzte aus Ahaus und den Ortsteilen an zwei Samstagen gegen die Influenza stemmen: Am 23. und 30. Oktober sollen in mindestens sechs Hausarztpraxen Impfungen erfolgen – praktisch wie im Fließbandbetrieb.

Ansgar Wolf, Vorsitzender des Ärztevereins im Altkreis Ahaus, wirbt ausdrücklich für die Grippeimpfung. Das tut er in normalen Jahren: „Eine Impfung gegen die Grippe ist erst einmal für chronisch Erkrankte, Menschen über 60 und Menschen mit vielen sozialen Kontakten“, sagt er. Das gelte umso mehr in diesem Jahr – nach eineinhalb Jahren Pandemie. „Wir sehen jetzt schon mehr Atemwegserkrankungen als noch 2020“, ergänzt Ansgar Wolf.

Die Monate Oktober und November würden sich für eine Impfung gegen die Grippe ideal anbieten. „Weil der Impfschutz dann noch bis in die Karnevalszeit reicht. Und die ist schließlich einer der größten Influenzatreiber“, sagt der Mediziner aus Wüllen.

Booster-Impfungen können parallel gegeben werden

Spannender Nebeneffekt der Impfaktion: Parallel könnten auch die Booster-Impfungen gegen das Coronavirus verabreicht werden. Die ständige Impfkommission habe dafür grünes Licht gegeben. Diese zusätzliche Corona-Impfung ist beispielsweise für Menschen empfohlen, die unter Immunsuppression stehen – also etwa an HIV oder Rheuma leiden oder gerade eine Chemotherapie bekommen. Das gilt erst einmal für die Menschen, die im Frühjahr als erstes geimpft wurden.

Inzwischen sei es kein Problem mehr, zügig an Impfstoff gegen das Coronavirus zu kommen. Höchstens komme es noch einmal zu einer kurzen Wartezeit von ein oder zwei Wochen, bis ein Impftermin vereinbart werden könne. „Die Impfstoffe werden schnell nachgeliefert“, sagt er.

Risiko für Lungenentzündung kann deutlich gesenkt werden

Auch Dr. Thomas Varwick vom Gesundheitszentrum am Wall hält eine Impfung gegen die Grippe generell für sinnvoll. „Das Risiko einer Lungenentzündung beispielsweise kann dadurch deutlich gesenkt werden“, erklärt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Dieses Jahr sei die allerdings umso wichtiger: Denn die Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus haben auch einen Nebeneffekt: „Die Immunsysteme der Menschen sind nicht trainiert“, sagt der Mediziner.

Das mache sich auch in seiner Praxis an der Wallstraße schon bemerkbar: „Seit zwei bis drei Wochen spüren wir die Grippewelle schon“, sagt er. Gleichzeitig fürchtet er, dass Influenza in diesem Jahr stärker durchschlagen werde, als in den Vorjahren. Eben weil die Menschen weniger Kontakte hatten und die Immunsysteme deutlich heruntergefahren seien. „Ich kann deswegen nur dafür werben, sich impfen zu lassen“, sagt er.

Deutlich gestiegene Impfquoten gegen Grippe seit einigen Jahren

Die Impfquoten seien in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Gerade 2020 sei die Impfung extrem gut angenommen worden. Auf einen ähnlichen Erfolg hofft er jetzt auch. Die Konzentration auf einige Aktionstage befürwortet er ausdrücklich: „Im normalen Praxisalltag ist es extrem schwierig, viele Menschen zu impfen“, sagt er. An Aktionstagen sei das viel einfacher. Auch das habe in den vergangenen Jahren schon sehr gut funktioniert.

An der Aktion beteiligen sich – Stand Donnerstag, 7. Oktober – sechs Arztpraxen: die Praxis im Kreishaus, das Gesundheitszentrum am Wall, die Hausarztpraxis Ahaus (Dr. Khalil Malyar und Dr. Dr. Nikolaus Balbach), die Praxis Giesen-Vöcking Wüllen, die Praxis Dr. (R) Paul Lévi und die Praxis Ansgar Wolf. Dr. Akin Yilmaz-Neuhaus, Inhaber der Praxis im Kreishaus, hatte die Aktion organisiert und dafür die Werbetrommel gerührt. Der hatte zuletzt auch mit verschiedenen Impfaktionen gegen das Coronavirus von sich reden gemacht.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape