Aufzug am Bahnhof halbseitig in Betrieb

"Schwieriger Prozess"

Eigentlich dürfte es doch gar kein Problem für die Bahn sein, eine Brücke mit zwei Aufzügen über zwei Gleise zu bauen. Schließlich stattet das Unternehmen doch deutschlandweit Bahnhöfe barrierefrei aus. Aufzüge und Überführungen müssten demnach doch praktisch wie vom Fließband rollen und standardmäßig eingebaut werden können. Nicht ganz, wenn man einem Bahnsprecher glaubt.

AHAUS

, 20.11.2016, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Aufzug am Bahnhof halbseitig in Betrieb

Die Brücke über die Gleise in Ahaus ist zwar eine Standardanlage, wird aber durch die Gegebenheiten vor Ort zu einem Einzelstück. Und bei deren Einrichtung kann es eben auch zu Problemen kommen. Der Aufzug an Gleis 1 war auch am Sonntag noch außer Betrieb.

„Jede Standardanlage wird durch die unterschiedlichen Örtlichkeiten der Baumaßnahme wieder zu einem Einzelfall, der angepasst werden muss“, heißt es auf eine Anfrage der Münsterland Zeitung. Vor allem bei der Inbetriebnahme von Aufzügen seien viele Projektbeteiligte einbezogen. Etwa Mitarbeiter von Telekommunikationsanbietern, Maschinentechnik, TÜV, Elektrik, dem Hersteller des Schachts oder dem Wartungsunternehmen. „Kommt es zu Beeinflussungen des Standardablaufs, startet der Prozess mit allen Beteiligten neu“, so der Bahnsprecher. So eine Beeinflussung könne durch einen Mangel verursacht werden, erklärte er.

Frage bleibt offen

Woran genau es bei den Aufzügen in den vergangenen Monaten haperte, ließ der Bahnsprecher offen. Zuletzt hatte das Unternehmen darauf verwiesen, dass es beim Einbau der Aufzugkabinen und der damit verbundenen Steuertechnik zu Mängeln gekommen sei. Mehr ins Detail ging die Bahn dabei jedoch nicht.

Auch beteiligte Unternehmen hatten sich im Verlauf der Bauarbeiten nicht zu den Verzögerungen geäußert. Das sei mit der Bahn vertraglich so vereinbart und daran werde man sich selbstverständlich auch halten, hieß es dazu auf Nachfrage.

Die Bahn will aber nicht auf der Verzögerung sitzen bleiben: Ursachengerecht werde die Bahn die Verzögerungen an die beteiligten Unternehmen zuweisen und den Schadenersatz auf der Vertragsgrundlage einfordern, heißt es dazu in geschliffenem Behördendeutsch.

Die Arbeiten an der Personenüberführung über die beiden Gleise in Ahaus waren 2013 in der Modernisierungsoffensive 2 (MOF 2) gestartet. „Die MOF 2 ist in Nordrhein-Westfalen insgesamt sehr erfolgreich aufgestellt“, so der Bahnsprecher. Für die Zukunft kann der Sprecher ähnliche Verzögerungen jedoch nicht ausschließen. „Die Projektbeteiligten werden intensiver und detaillierter den Qualitätsanforderungen unterzogen“, hieß es dazu. Allerdings könne beim Bauen im Bestand weiterhin auch Unvorhergesehenes eintreten.

Kein Versprechen

Kurz: Man gibt sich Mühe, versprechen kann man aber nichts. Aber: „Die Prozesse der Projektabwicklung werden laufend verbessert und mit den Erfahrungen im Bauablauf abgeglichen.“ Trotz der ganzen Verzögerungen sei das Budget von 2,6 Millionen Euro eingehalten worden, heißt es von der Bahn weiter. Bis die Stadt nun beginnt, das Bahnhofsumfeld umzugestalten, sind die Bauarbeiten am Bahnhof erst einmal abgeschlossen. Wann die Stadt damit startet, konnte die Verwaltung zuletzt nicht beantworten.

Das Projekt Bahnhofsumfeld stehe aktuell nicht oben auf der Agenda hatte Walter Fleige vom Fachbereich Stadtplanung der Politik erklärt. Auch wenn die Fußgängerüberführung seit Freitagmorgen offiziell in Betrieb genommen ist, läuft sie noch nicht reibungslos: Der Aufzug an Gleis 1 war auch gestern noch nicht in Betrieb. Woran das liegt oder wann Abhilfe geschaffen werden kann, ist im Moment noch nicht klar. „Kinderkrankheiten“, hatte der Bahnsprecher das auf Nachfrage genannt.

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