Aussage gegen Aussage – Ahauser (41) wird vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen

rnAmtsgericht Ahaus

Ein 41-jähriger Ahauser soll im August dieses Jahres an einer Bekannten sexuelle Handlungen gegen deren Willen vorgenommen haben. Eindeutige Beweise gab es dafür vor Gericht aber nicht.

Ahaus

, 12.12.2018 / Lesedauer: 3 min

Die Vorwürfe gegen einen 41-jährigen Ahauser wogen schwer. Der Angeklagte soll in der Nacht zum 4. August dieses Jahres an einer Freundin seiner damaligen Partnerin in seiner Wohnung sexuelle Handlungen gegen deren Willen vorgenommen haben. Dabei soll der Mann den komatösen, willenlosen Zustand der Frau, die zugleich Hauptzeugin und Nebenklägerin im Verfahren war, ausgenutzt haben. Doch nach knapp drei Stunden Verhandlung dann die Überraschung: Das Gericht sprach den Ahauser von den Vorwürfen frei.

Der Angeklagte machte gegenüber dem Gericht keinen Hehl daraus, dass es zwischen ihm und der Hauptzeugin in den frühen Morgenstunden des 4. August in seiner Wohnung zweimal zu Oralverkehr gekommen sei. Allerdings habe nicht er, sondern die Ahauserin die Initiative ergriffen. „Von dem Ausnutzen eines komatösen Zustand kann keine Rede sein“, stellt der 41-Jährige klar. Zwar hätten beide viel getrunken und die Frau zudem aus gesundheitlichen Gründen Medikamente genommen, aber „sie war der aktive Part.“

Partynacht ausklingen lassen

Dass sich die beiden überhaupt alleine in der Wohnung des Angeklagten aufhielten, habe daran gelegen, dass sie dort eine lange Partynacht noch ausklingen lassen wollten. Zunächst seien auch noch die Freundin des Ahausers sowie ein weiterer Bekannter dabei gewesen, doch hätten diese die Wohnung im Laufes des Abends dann verlassen. Die Hauptzeugin hätte den Weg nach Hause noch nicht antreten können, weil ihre Haare nach dem Baden im Pool des Gartens noch nicht ausreichend getrocknet gewesen seien, schilderte der 41-Jährige. „Einen Föhn hatte ich nicht im Haus, also blieb sie noch.“

Nach den sexuellen Handlungen sei dann beiden klar geworden, dass ihr Verhalten moralisch unanständig gewesen sei. „Sie hat geweint und wollte, dass ich sie nach Hause bringe“, sagte der 41-Jährige aus. Und diesem Wunsch sei er auch nachgekommen. Zwei Tage nach diesem Vorfall, so der Ahauser, hätten sie per Whatsapp wieder Kontakt gehabt. „Ich wollte mich mit ihr treffen, um das Thema aus der Welt zu schaffen.“

Anzeige erstattet

Diesem Wunsch sei die Ahauserin jedoch nicht nachgekommen, stattdessen tauchte sie einige Tage später mit ihrem Lebensgefährten bei der Wohnung des 41-Jährigen auf. „Der Typ wollte mit mir reden und hat randaliert“, so der Angeklagte, „da habe ich Angst bekommen und die Polizei gerufen.“ In der Folge erstattete die Ahauserin dann auch die Anzeige wegen des vermeintlichen sexuellen Übergriffes.

Die Ausführungen der Hauptzeugin fanden dann jedoch auf Antrag ihrer Rechtsanwältin spontan unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Erst nach gut 30 Minuten war das Verfahren wieder öffentlich. Und diese Minuten schienen die Ahauserin sehr mitgenommen zu haben. Immer wieder wischte sie sich mit zittrigen Händen die Tränen aus den Augen. Und während der Plädoyers kam lautes Schluchzen hinzu.

Der Grund: Nicht nur der Verteidiger des Angeklagten, sondern auch die Staatsanwältin plädierten aufgrund der offenkundig zuvor lückenhaften Aussagen der Ahauserin auf Freispruch. Dinge, die der 41-Jährige mit starrem Blick zur Kenntnis nahm. So, als habe er nichts anderes erwartet.

Aussage gegen Aussage

Lediglich die Anwältin der Hauptzeugin war von der Schuld des 41-Jährigen überzeugt. „Ich erwarte eine angemessene Bestrafung“, stellte sie klar. Es kam anders. „Wir haben es hier, wie so oft in Sexualdelikten, mit dem Fall Aussage gegen Aussage ohne weitere Zeugen zu tun“, so der Richter, „und für eine Verurteilung darf es nicht den geringsten Zweifel geben. Diese können wir aber nach der Beweisaufnahme nicht ausschließen. Darum lautet das Urteil Freispruch.“

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