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Auto mit 360.000 Kilometern hatte beim Verkauf nur noch 150.000 Kilometer auf dem Tacho

rnAmtsgericht

Urkundenfälschung und Betrug hieß der Tatvorwurf gegen einen dreifachen Familienvater aus Ahaus vor dem Amtsgericht. Der hatte ein Auto mit zurückgedrehtem Tacho über das Internet verkauft.

Ahaus

, 19.04.2019 / Lesedauer: 3 min

In den Niederlanden hat sich im April 2017 ein Ahauser einen Mercedes E220 aus dem Baujahr 2007 gekauft. Das gut ausgestattete und optisch ansprechende Auto hatte rund 360.000 Kilometer auf dem Tacho und kostete ihm 6800 Euro. Ein paar Wochen später hat der Vater von drei Kindern den Wagen an einen Zahnarzt aus Bad Berleburg für 7890 Euro verkauft. Da sollte der Pkw laut Tacho nur noch 157.509 Kilometer zurückgelegt haben.

Am Dienstag musste sich der Ahauser wegen Betruges und Urkundenfälschung vor dem Ahauser Amtsgericht verantworten. Die Urkundenfälschung konnte dem Mann nicht nachgewiesen werden. Am Ende wurde er wegen Betruges zu einer Geldstrafe von 70 Tagessätzen zu je 40 Euro verurteilt. Das Urteil fiel auch so hoch aus, weil der Angeklagte noch unter einer bis Mitte 2021 laufenden Bewährungsstrafe nach einer gefährlichen Körperverletzung stand.

Der Tatvorwurf der Urkundenfälschung ergab sich bei dem Pkw-Verkauf daraus, dass der Mitarbeiter einer Zeitarbeitsfirma beim Verkauf des Wagens im Internet das Fahrzeug als Scheckheft gepflegt angepriesen hatte. In dem Scheckheft des Pkw waren auch alle Eintragungen bis zum angegebenen Tachostand ordnungsgemäß gemacht worden. „Bei der Firma, von der die Stempel kamen, soll das Auto nie gewesen sein“, hielt der Richter dem Angeklagten vor. Das hatte die Polizei im Laufe der Ermittlungen nach der Anzeige des 36-jährigen Käufers festgestellt.

Auto mit 360.000 Kilometern hatte beim Verkauf nur noch 150.000 Kilometer auf dem Tacho

Vor dem Ahauser Amtsgericht fand der Prozess statt. © Stefan Grothues

Wie das gefälschte Scheckheft in den Pkw gekommen war, dafür hatte der Angeklagte vor Gericht keine Erklärung. Möglicherweise habe der Tachofälscher es ins Fahrzeug gelegt, als Beleg der Glaubwürdigkeit der Kilometerleistung. Wie der Angeklagte berichtet, hatte er zunächst versucht, das Auto am Autokino in Essen zu verkaufen.

Dort sei ihm angeboten worden, für 500 Euro den Tacho zurückzustellen. Der Manipulateur sei dann für eine halbe Stunde mit dem Auto weg gewesen. Als er zurück kam, hatten sich die über 360.000 Kilometer auf dem Tacho des Wagens mehr als halbiert. Die Tachomanipulation gestand der Ahauser.

Über die Anzeige des Angeklagten in einer Fahrzeug-Verkaufsplattform im Internet kam der 36-jährige Zahnarzt aus Bad Berleburg nach Ahaus. Er traf sich mit dem Angeklagten am Ahauser Bahnhof. Von dort aus ging es nach einer äußeren Besichtigung des Wagens auf eine Probefahrt. Der Käufer wollte sicher gehen und fuhr zusammen mit dem Angeklagten auch noch in eine Werkstatt. Dort habe sich ein Mitarbeiter den Wagen mit dem Kommentar angeschaut: „Der Motor ist ein bisschen alt“.

Auto mit 360.000 Kilometern hatte beim Verkauf nur noch 150.000 Kilometer auf dem Tacho

Elektronische Tachos lassen sich leicht manipulieren. © dpa

Das hielt den 36-Jährigen jedoch nicht davon ab, das Auto zu kaufen. Er vertraute den Angaben im Internet, die ihm vom Verkäufer auch bei einem Telefonat bestätigt wurden.. „Nur deshalb bin ich nach Ahaus gekommen, um mir das Auto anzuschauen. Ein Auto mit 360.000 Kilometern hätte ich nicht gekauft“, erklärte der Zeuge. Nach dem Verkauf erhärtete sich dann ein Verdacht, der schließlich in einer Anzeige gegen den Ahauser Familienvater mündete.

Schon vor dem Gerichtstermin in dieser Woche gab es eine Verständigung zwischen dem Angeklagten und seinem Opfer. Der Ahauser überwies bereits 5000 Euro zurück an den Zahnarzt, der noch immer mit dem Auto fährt. Die Verständigung sieht vor, dass der Angeklagte auch die Restkaufsumme an den 36-Jährigen überweist und dieser dann das Fahrzeug zurückgibt.

Das schrieb der Richter neben der Geldstrafe in das Urteil gegen den Ahauser. Außerdem trägt dieser die Kosten des Verfahrens.

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