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Beitel führen vorbestraften Ahauser hinter Gitter

Prozess am Landgericht

Bei einem Diebstahl in einem Ahauser Baumarkt hat sich ein 44-Jähriger ungewöhnliche Beute ausgesucht: 16 Stechbeitel in verschiedener Größe. Stechbeitel sind längliche Handwerkzeuge aus Metall für die spanende Holzbearbeitung. Im Verfahren am Landgericht in Münster gegen ihn wirkte das Urteil ebenso erstaunlich: ein Jahr und neun Monate Gefängnis. Ohne Bewährung.

AHAUS

von Von Klaus Möllers

, 22.12.2016 / Lesedauer: 3 min
Beitel führen vorbestraften Ahauser hinter Gitter

Das Landgericht in Münster.

Der Ahauser steckte aber eben nicht "nur" die Werkzeuge im Gesamtwert von 431,20 Euro in seine Jacke, sondern bedrohte während der Flucht aus dem Laden auch eine Angestellte. Zudem hat er etliche Vorstrafen.

Seit über 20 Jahren sei er heroinabhängig, erklärte der verheiratete Vater von drei Kindern bei Gericht. Die Sucht sei der Hauptgrund für seine vielen Straftaten und auch für die vom März. Zurzeit des "Diebstahls mit Waffen" und der "Nötigung", wie das Landgericht den Fall letztlich bewertete, sei er zwar Methadon-substituiert gewesen, habe aber auch Beikonsum gehabt, also zusätzlich Drogen genommen. Er habe an dem Tag Entzugserscheinungen gehabt.

Angebliche Bedrohung

Ein Handwerker, für den der Ahauser mehrmals gearbeitet haben will, habe ihm "zufällig" in der Stadt angeboten, 35 Euro je geklautem Stechbeitel zu zahlen. Wer dieser Handwerker sei, wollte der 44-Jährige bei Gericht nicht sagen.

In dem Baumarkt hatte eine Mitarbeiterin den Dieb kurz vor dem Ausgang aufhalten wollen. Draußen soll sich der Ahauser umgedreht und ihr mit einem der Stechbeitel gedroht haben: "Versuch ja nicht, mich aufzuhalten." Auf der messerscharfen Spitze des Geräts steckte aber offenbar noch eine Schutzkappe. Seine Anwältin schätzte den Diebstahl als einen "mit Waffen" ein, weil der Mann theoretisch auch alle Werkzeuge als Waffen hätte einsetzen können. Das sah das Gericht auch so und erkannte zudem auf Nötigung. Von der Staatsanwaltschaft angeklagt war besonders schwerer räuberischer Diebstahl.

Kriminelle Laufbahn

Die kriminelle Laufbahn des Ahausers nannte der Vorsitzende Richter ein "ewiges hin und her". Etliche Male ist der 44-Jährige schon verurteilt worden, unter anderem mehrfach wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis, wegen gemeinsamem Diebstahls, wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln und einmal sogar wegen schweren Raubes.

Für den Raub bekam er zwei Jahre und zehn Monaten Haft und musste eine Entzugstherapie machen. Dennoch: Trotz mehrerer abstinenter Jahre gab es Rückfälle, Bewährungen wurden widerrufen, ambulante Therapien begonnen und Strafen deswegen zurückgestellt.

Jede Menge Vorstrafen

Eine psychiatrische Gutachterin schätze eine erneute Unterbringung des Ahausers im Maßregelvollzug als nicht vielversprechend ein, weil Methadon-Substituierte dort in der Regel keinen Platz bekämen. Ambulant mit Methadon behandelt käme der Mann wohl am besten klar. Sein Bewährungshelfer erklärte, der 44-Jährige sei unter Methadon zumindest immer wieder bemüht, "das Ruder herum zu reißen" und ein straffreies Leben zu führen.

Über die Strafe des Landgerichts hinaus könnte noch mehr auf den Ahauser zukommen: Aus seiner kriminellen Karriere heraus sind noch vier Strafen zur Bewährung ausgesetzt, die alle widerrufen werden könnten.

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