Beleidigungen, Drohungen, Post mit Exkrementen: Wenn Richter und Anwälte zum Opfer werden

rnAmtsgericht Ahaus

Beleidigungen gegen Richter und Staatsanwälte kommen oft vor. Aber auch Drohungen gegen Leib und Leben gab es schon am Ahauser Gericht. Von Ekel-Post berichtet die Staatsanwaltschaft Münster.

Ahaus

, 07.03.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Richter und Staatsanwälte brauchen mitunter ein dickes Fell. Gerade, wenn sich Angeklagte während eines Prozesses zu Unrecht an den Pranger gestellt fühlen oder das Urteil nicht nach ihrem Geschmack ausfällt, sind verbale Entgleisungen keine Seltenheit.

Doch nicht nur innerhalb des Gerichtsgebäudes fallen Beleidigungen oder sogar Drohungen. „Vieles kommt auch über den Postweg“, berichtet Benedikt Vieth, Direktor des Ahauser Amtsgerichts.

„Herr (....), Ihr Ende naht“, „In den 70ern wurden Richter von der RAF mit der Kugel gesegnet“, „Freue dich auf das, was noch auf dich zukommen wird“. Das sind nur drei Sätze aus einem Schreiben, das der Redaktion vorliegt. Die Adressaten sind mehrere Mitarbeiter des Amtsgerichts Ahaus.

Absender ist ein Mann, der sich offenbar von der Justiz benachteiligt fühlt. Mehrfach hat er gegen Richter und Staatsanwälte Strafanzeige wegen Befangenheit, Rechtsbeugung und Amtsmissbrauch gestellt. Bislang verlief alles im Sand.

Direktor des Amtsgerichts: „Es ist ein extremer Fall.“

Benedikt Vieth spricht von einem „extremen Fall“, will sich aber wegen laufender Verfahren nicht weiter dazu äußern. Allerdings erklärt er: „Wir haben es relativ oft mit aufgebrachten Menschen zu tun. Wir müssen einige Formulierungen einfach hinnehmen, aber es gibt auch klare Grenzen, wo wir dann tätig werden müssen.“ Hier orientiert sich das Amtsgericht weitgehend am Strafrecht.

„Wir sind nicht empfindlich, aber wenn es sich um wüste Beschimpfungen handelt oder eine Person gar nicht aufhört, uns zu beleidigen, stellen wir einen Strafantrag“, sagt Benedikt Vieth. Während er bei Beleidigungen von „unterschiedlichen Qualitäten“ spricht, kennt der Direktor des Amtsgerichts bei Bedrohungen gegen ihn oder seine Kollegen kein Pardon: „Da werden wir immer aktiv. Das ist einfach zum Schutz der Mitarbeiter erforderlich.“ Denn in solchen Situationen könne man nicht einschätzen, wie ernst die Lage sei.

Amtsgericht wird zum Hochsicherheitstrakt

Benedikt Vieth erinnert sich an einen Fall, wo ein Unbekannter durch die „bildliche Darstellung eines Richters“ klargemacht habe, dass sich die abgebildete Person in Gefahr befinden könnte. In Extremfällen wie diesem wird das Amtsgericht zu einem Hochsicherheitstrakt.

„Es kam schon vor, dass wir die Polizei anfordern und die Sicherheitsvorkehrungen drastisch verschärfen mussten“, berichtet der Direktor des Amtsgerichts, der seit 2011 am Amtsgericht Ahaus arbeitet. In dieser Zeit sei aber „Gott sei dank“ noch keiner seiner Mitarbeiter zu Schaden gekommen.

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Martin Botzenhardt von der Staatsanwaltschaft Münster, die auch für das Amtsgericht Ahaus zuständig ist, führt zwar keine Statistik über Beleidigungen oder Bedrohungen gegen seine Mitarbeiter, handhabt es aber im Fall der Fälle genauso wie Benedikt Vieth. „Wir haben eine Schutzfunktion für unsere Kollegen“, sagt er.

Drohungen gegen Vertreter der Staatsanwaltschaft seien allerdings die Ausnahme. Ein sehr unschöner Fall ereignete sich allerdings erst vor einigen Wochen. „Jemand hat uns Post mit Exkrementen geschickt. Das haben wir natürlich zur Anzeige gebracht“, berichtet Martin Botzenhardt.

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