Berufsmusiker Kalle Höper wahrt Optimismus und lobt Corona-Rettungsschirm

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Musiker „Kalle“ Höper hat das Jahr 2020 schon abgehakt - zumindest was öffentliche Auftritte betrifft. Trotzdem will er nicht meckern und sagt: „Ich bin froh, dass ich in Deutschland wohne.“

Ahaus

, 12.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Karl-Heinz „Kalle“ Höper ist eine echte Institution. Nicht nur in Alstätte, sondern der ganzen Region. Mit seiner Band „Chicken Skin“ sorgte er schon bei Hunderten Schützenfesten, Hochzeiten, Abibällen oder Geburtstagen fast im Alleingang dafür, dass die Party läuft. Doch all diese Veranstaltungen wurden wenigstens bis zum 19. April wegen Covid-19 abgesagt.

Für einen Berufsmusiker wie Kalle Höper ein extrem harter Schlag. „Das Jahr 2020 hab ich abgehakt, was öffentliche Auftritte angeht. Das wird nichts mehr“, sagt der 57-Jährige im Videochat mit der Redaktion. Er glaubt: „Partys und andere öffentliche Veranstaltungen werden das Letzte sein, das wieder erlaubt wird. Genauso verhält es sich mit der Öffnung von Kneipen.“ Untermauert wird diese Vermutung durch Absagen von Oktoberfesten, die Höper bereits jetzt erreicht haben.

25 von 60 Auftritten bereits abgesagt

Eine weitere Zahl, die die Auswirkungen auf die Branche wiederspielt: Von in diesem Jahr 60 geplanten Auftritten der Band wurden schon 25 storniert. Bei 15 weiteren weiß Höper aus Gesprächen mit den Veranstaltern, dass sie zu 99 Prozent nicht stattfinden werden. „Aber niemand will sich zu früh festlegen. Das verstehe ich“, sagt er.

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Doch obwohl dem Alstätter auch andere Einnahmequellen weggebrochen sind - zum Beispiel begleitetet er mehrere Chöre - hält er nichts davon, jetzt Trübsal zu blasen. „Es gibt Menschen, die sind viel schlechter dran. Wenn ich zu meinen niederländischen Kollegen schaue, bin ich froh, dass ich in Deutschland wohne.“

Corona-Rettungsschirm hilft Künstlern

Denn als freischaffender Künstler profitierte er von dem in diesen Tagen viel zitierten Corona-Rettungsschirm. Bereits kurz nach dem Antrag ging die volle Summe bei Kalle Höper ein. „Dass es so unbürokratisch funktioniert, hätte ich nicht gedacht. Das Geld hilft auf jeden Fall, um die Zeit zu überbrücken.“

Die Band "Chicken Skin" gibt es - in unterschiedlichen Konstellationen - bereits seit 30 Jahren.

Die Band "Chicken Skin" gibt es - in unterschiedlichen Konstellationen - bereits seit 30 Jahren. © privat

Lob verteilt er aber auch an anderer Stelle. „Bei der örtlichen Bank war es ein Anruf und schon wurde mir zugesagt, dass die Finanzierung meiner neuen Lichtanlage für drei Monate gestundet wird.“ Auch beim Finanzamt sei man ihm entgegengekommen. „Sie haben sofort verstanden, dass eine Vorauszahlung keinen Sinn macht, wenn es keine Einkünfte gibt.“

In den guten Zeiten Geld zur Seite gelegt

Außerdem profitiert der Alstätter davon, dass er in den vergangenen Jahren etwas Geld an die Seite legen konnte. „Auch wenn ich für das Sparen keine Zinsen bekomme, ist das Geld aber in der Not auf dem Konto“, erklärt Höper sein Credo, das er auch seinem Nachwuchs versucht mit auf den Weg zu gebe.

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Der 57-Jährige ist in der Branche gut vernetzt und weiß, dass es andere noch härter getroffen hat als ihn. „Die Veranstalter, Techniker und Gastronomen sind die wirklich Leidtragenden.“ Er selbst hat außerdem noch ein zweites Standbein: An der Musikschule Bocholt unterrichtet er einmal in der Woche Klavier. Nicht nur hier wird er aktuell kreativ, wenn es um das Finden von Lösungen geht.

Neu gewonnene Zeit wird kreativ genutzt

„Insgesamt hat man endlich mal Zeit, Konzepte zu überdenken. Egal ob beim Unterricht, bei der Band oder dem Chor. Es ist wie immer im Leben: Wenn eine Tür zugeht, geht irgendwo anders eine Tür auf“, sagt Kalle Höper. Zum Beispiel feilt er gerade mit dem Kultusministerium und der Musikschule Bocholt an einem Online-Unterrichtskonzept für Musikschüler.

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Doch Kalle Höper wäre nicht Kalle Höper, wenn es ihm nicht jetzt schon wieder in den Fingern kribbeln würde. Seitdem er 16 Jahre alt ist, steht er auf der Bühne. Und bei allem Leid, braucht es trotzdem schon mehr, damit der Alstätter mit der Musik aufhört. Rampensau bleibt Rampensau. Corona hin oder her.

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