Betreuer soll sich Omega-Uhr und Auto von Verstorbenem unter den Nagel gerissen haben

Amtsgericht Ahaus

Hat der Betreuer eines Mannes dessen Erben um eine teure Uhr und ein Auto betrogen? Mit dieser Frage beschäftigte sich das Amtsgericht.

Ahaus

, 05.06.2019 / Lesedauer: 3 min
Betreuer soll sich Omega-Uhr und Auto von Verstorbenem unter den Nagel gerissen haben

Ein 64-jähriger Rentner aus Ahaus soll sich unter anderem eine Omega-Uhr unter den Nagel gerissen haben. © picture alliance/dpa

Der 64-jährige Rentner aus Ahaus war drei Jahre lang amtlich bestellter Betreuer eines Mannes, der 2016 in Ahaus starb. Seine Erben beschuldigten den Betreuer, widerrechtlich eine hochwertige Omega-Uhr aus dem Nachlass des Verstorbenen an sich genommen zu haben und das Auto des Verstorbenen im Gesamtwert von 19.100 Euro auf seinen Namen umgeschrieben zu haben. Wegen Betrugs in zwei Fällen brachten die Erben den Mann jetzt mit einer Anklage vor den Richterstuhl im Amtsgericht in Ahaus.

Genau geklärt werden konnte der Fall nicht. Die Hauptbelastungszeugin, eine 97-jährige demenzkranke Verwandte des Verstorbenen, konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht als Zeugin vor Gericht erscheinen. Eine andere Zeugin war mittlerweile ebenfalls verstorben.

Erbe in Nachlass eigentlich klar geregelt

Klar ist: Nach dem Januar 2016 hat der Angeklagte im mündlich erteilten Auftrag der Hinterbliebenen die Wohnung des Verstorbenen aufgelöst, renoviert und die Hinterlassenschaften teilweise verkauft oder mit nach Hause genommen. Darunter befand sich auch die hochwertige Omega-Uhr. Laut einer schriftlichen, nachtestamentarischen Verfügung des Verstorbenen sollte diese Uhr ein Bekannter des Verstorbenen bekommen. Als Zeuge wurde der Bekannte dazu vor Gericht befragt.

Er wusste, so erzählte er, dass der Verstorbene ihm irgendwann einmal gesagt hat, dass er diese Uhr erhalten solle. Erst als die Polizei sich wieder bei ihm gemeldet hatte, habe er sich an die mündliche Aussage des Verstorbenen erinnert. Der Angeklagte habe ihm dann auch die Uhr angeboten. Da er von einer schriftlichen Verfügung des Verstorbenen nichts wusste, so der Zeuge, habe er die Annahme verweigert.

„Alles für sie gemacht“

Auf der Beerdigung des Verstorbenen, so zeigte es sich vor Gericht, hat der Angeklagte mit den Hinterbliebenen besprochen, dass das Auto des Toten auf seinen Namen umgeschrieben werden solle. Er bot den Hinterbliebenen an, sie auch weiterhin mit diesem Fahrzeug zum Arzt, zu Ämtern oder zum Einkaufen zu fahren. „Ich habe alles für sie gemacht. Ich weiß nicht, was ich wirklich falsch gemacht haben soll“, sagte der Angeklagte zu diesem Betrugsvorwurf.

Laut Anklageschrift soll er sich die Unterschrift für das Umschreiben des Fahrzeugs auf seinen Namen erschlichen haben. „Die eine Dame hat sich das durchgelesen, die andere hat blind unterschrieben. Ich habe nichts verdeckt“, so der Angeklagte. Auch die Auflösung der Wohnung und die Mitnahme der Gegenstände nach Hause habe er mit Einwilligung der Erben gemacht, weil keine von ihnen die Omega-Uhr und andere Sachen haben wollte. Darüber gibt es aber keine Schriftstücke.

Da der Angeklagte sich offen zu den Tatvorwürfen geäußert hatte, stellte das Gericht das Verfahren wegen zweifachen Betrugs ein. Die Omega-Uhr soll mit Einverständnis des Angeklagten an den vernommenen Zeugen übergeben werden.

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