Böllerschützen eröffnen das Stadtschützenfest

Das große Kra-BUMM

Es kracht. Fünf ohrenbetäubende Schläge lassen Scheiben und Mauern an der Ridderstraße erzittern. Dieter Osterhaus nickt zufrieden. Er lässt den hocherhobenen Arm mit dem Böller in der Hand langsam sinken. Zum Beginn des Stadtschützenfestes am Sonntag, 22. Mai, haben die Böllerschützen vom Schützenverein Oldenburg ihren großen Auftritt. Ihr Salut im Schlossgarten soll das Fest eröffnen. Bis dahin wollen sie den Ablauf noch ein paar Mal proben.

AHAUS

, 11.05.2016, 19:44 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Böllerschützen gibt es im beim Schützenverein Oldenburg seit drei Jahren. Dieter Osterhaus hat dort zum damaligen Schützenfest den ersten Handböller mit nach Ahaus gebracht – und sich damit einen lange gehegten Traum erfüllt: „Ich habe mir schon vor 30 Jahren im Urlaub die Nase an dem Schaufenster mit den Handböllern plattgedrückt“, erzählt er am Rand der Übung. Dann sei das Projekt Böllerei für ihn aber wieder in den Hintergrund getreten.

Handböller erinnert an antike Vorladerpistole

2013 war er dann mit Familie und Freunden noch einmal im Berchtesgardener Land und bekam noch einmal die Gelegenheit, die Firma Pfnür zu besuchen. „Da habe ich dann zugeschlagen“, sagt er und präsentiert stolz den mehrere Kilogramm schweren Handböller. Der erinnert an eine jene antiken Vorderladerpistolen, ist dabei aber deutlich massiver. Zwölf Millimeter misst die Laufbohrung. Soviel wie bei einer ausgewachsenen Schrotflinte. Alle sechs Böllerschützen betonen aber ausdrücklich, dass es sich bei den Geräten in ihren Händen ausdrücklich nicht um Waffen handelt. Auch kann nicht einfach so jeder damit hantieren. „Man braucht einen Sprengstofferlaubnisschein“, sagt Dieter Osterhaus. Schließlich hantieren sie mit Schwarzpulver. Und das könnte – bei unsachgemäßer Behandlung – schon gefährlich werden.

Neben den Böllern tragen die Schützen an diesem frühen Abend auch eine Ledertasche. Darin befinden sich die vorbereiteten Papierkartuschen mit dem Schwarzpulver und ein paar Werkzeuge: ein Stopfer und ein großer Holzhammer. Damit wird die Ladung erst in den Lauf getrieben und dann noch einmal komprimiert. Dieter Osterhaus führt die Ladeprozedur vor: Er klemmt den Böller auf dem Tisch fest und treibt dann das Pulver mit festen Schlägen in den Lauf. Ein kleiner Korken hält das Pulver an seinem Platz und sorgt für die sogenannte Verdämmung. Nur dadurch kann sich der Druck aufbauen, der schließlich für den lauten Knall sorgt. Das Schwarzpulver würde ohne diesen Stopfen einfach nur langsam abbrennen. Der Böller ist nun geladen. Die sechs Schützen setzten sich ihren Gehörschutz auf die Ohren, spannen die Hähne, heben sie hoch über ihren Kopf und drücken ab.

Wie Donnerschläge

Wie Donnerschläge breitet sich ihr Salut aus. Pulverwolken schießen in den Himmel. Es geht ihnen um den Spaß an der Sache und die Begeisterung am lauten Knall. Und ein bisschen auch um den Geruch von verbranntem Schwarzpulver, wie sie augenzwinkernd hinzufügen. Militärischen Drill wollen sie nicht aufkommen lassen. „Das ist nichts für uns“, sagt Dieter Osterhaus. Es gehe um die Brauchtumspflege. Denn auch wenn die Böllerei in den vergangenen Jahrzehnten in Ahaus etwas aus der Mode gekommen ist: Geböllert wurde auch früher schon: „1924 beim Jubiläum zum 25-jährigen Bestehen des Schützenvereins Oldenburg das letzte Mal“, sagt Osterhaus. Auch bei Bauernhochzeiten sei Böllern ja nichts besonderes mehr, sagt Osterhaus. Für sie war schnell klar, dass sie auch das Stadtschützenfest mit ihrem Salut eröffnen wollen. Welche Formation sie dann einnehmen, welche Kommandos ertönen und wie oft sie es knallen lassen, steht noch nicht genau fest. „Daran arbeiten wir noch“, sagt Dieter Osterhaus. Ein paar Tage bleiben ihnen dafür ja noch. Nur eins ist klar: Krachen lassen wollen sie es nur im Schlossgarten. „In der Innenstadt würde sich der Schall zu sehr fangen. Das wäre viel zu laut“, sagt Osterhaus und lädt noch einmal.  

Der Ablauf für das erste Stadtschützenfest seit 40 Jahren ist schon geplant: Am Sonntag, 22. Mai, treffen sich um 11 Uhr alle Schützenvereine und Musikkapellen auf dem großen Rasen im Schlossgarten. Eine Dreiviertelstunde später treten sie in Marschaufstellung an. Um 12 Uhr erfolgt durch die Böllerschüsse der Böllerschützen vom Schützenverein Oldenburg der offizielle Auftakt. Daran schließt sich der Vorbeimarsch des Vogels an. Die Vereine marschieren dann zum Festplatz. Nach der Ankunft auf dem Festplatz begeben sich alle Königspaare mit ihrem Gefolge zu dem für sie vorgesehenem Zelt. Darauf folgt dann die Begrüßung und Ansprache der Bürgermeisterin und das Aufziehen des Vogels. Schießen dürfen alle amtierenden Könige, sie geben immer nur einen Schuss auf das hölzerne Tier ab. Die Kapellen sollen dabei für den musikalischen Rahmen sorgen. Nach dem Königsschuss findet die Proklamation des neuen Stadtkönigs und seiner Königin auf der Bühne statt. Anschließend ist gemütliches Beisammensein geplant.  

   

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