Bruder auf Beifahrersitz stirbt – Fahrer wegen fahrlässiger Tötung verurteilt

rnUnfall auf Vredener Dyk

Bei einem Verkehrsunfall auf dem Vredener Dyk ist im Februar 2018 ein 35-Jähriger tödlich verletzt worden. Sein Bruder wurde jetzt wegen fahrlässiger Tötung verurteilt – milde.

Ahaus

, 21.10.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nur kurz zur Tankstelle nach Ahaus fahren, das wollte am Abend des 18. Februar 2018 ein heute in Moers lebender 33-jähriger Familienvater, der damals im Raum Ahaus lebte. Sein 35-jähriger Bruder saß auf dem Beifahrersitz, als es zu einem tragischen Verkehrsunfall auf dem Vredener Dyk kam. Der 35-Jährige wurde dabei tödlich verletzt.

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In seinem Urteil am Ahauser Amtsgericht sprach der Richter von einem „Augenblicksversagen“, „einen Fehler, den jeder Autofahrer schon mal gemacht hat“. Im Fall des 33-Jährigen Angeklagten war es ein Fehler mit tragischem Ausgang.

Angeklagter: „Es wird nie wieder gut“

„Es wird nie wieder gut“, schilderte der Angeklagte dem Richter den für ihn unerklärlichen Unfall. Er habe den Tod seines Bruders zu verantworten und müsse damit leben, sagte der Angeklagte, der die Tränen nicht unterdrücken konnte.

Zum Zeitpunkt des Unfalls hatte der Angeklagte einen Führerschein, der in Deutschland keine Gültigkeit hatte. Mit 80 bis 90 km/h, also nicht zu schnell, sei er mit seinem Audi A4 über den Vredener Dyk in Richtung Ahaus gefahren. Zeugen hatten bei der Polizei ebenfalls von angepasster Geschwindigkeit gesprochen. Irgendwann sei er in den Grünstreifen geraten, beim Gegenlenken kam er mit dem Wagen auf die Gegenfahrbahn und verlor die Kontrolle.

Dann schleuderte der PKW mit der Beifahrerseite gegen einen Baum. Für den Bruder des Angeklagten kam nach dem Aufprall jede Hilfe zu spät, er starb noch an der Unfallstelle. Der Angeklagte wurde leicht verletzt. Wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässigem Fahren ohne Führerschein verurteilte das Ahauser Gericht den arbeitslosen Maler am Ende zu einer Geldstrafe von 90 mal 10 Euro.

Zuvor hatte der Serbe geschildert, dass er zum Zeitpunkt des Unfalls erst seit etwas mehr als zwei Monaten im Besitz einer serbischen Probefahrerlaubnis war. Nach Fahrstunden und Führerscheinprüfung, gilt es, sich in Serbien zunächst für ein Jahr als Fahrer zu bewähren.

Probeführerschein in Deutschland nicht gültig

Der Angeklagte hatte zwar beim deutschen Straßenverkehrsamt angerufen und gefragt, ob er in Deutschland fahren dürfe, dabei aber verschwiegen, dass es sich bei seiner Fahrerlaubnis um eine Führerschein zur Probe handelt. Der ist in Deutschland nicht gültig, erklärte der Richter. Richter und Staatsanwalt sahen dadurch den Vorwurf des fahrlässigen Fahrens ohne Führerschein gegeben.

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Nach den Schilderungen des Angeklagten verzichtete das Gericht darauf, drei geladene Zeugen zu hören. In seinem Plädoyer wertete der Vertreter der Staatsanwaltschaft das tragische Geschehen für den Angeklagten: „Egal, welche Strafe wir uns ausdenken, sie sind emotional für den Rest ihres Lebens damit belastet.“ Er forderte eine Geldstrafe in Höhe von 90 mal 10 Euro und einen Führerscheinentzug für 18 Monate.

Der Anwalt des Angeklagten beantragte einen Teilfreispruch, was die fahrlässige Tötung angehe. „Er hat die Vorschriften eingehalten, es gab einen Augenblick der Unachtsamkeit“, sah er das nicht als ausreichend, um seinen Mandanten dafür zu verurteilen. Und: „Der Angeklagte ist bestraft genug dadurch, dass er seinen Bruder verloren hat“.

Richter sieht von Fahrverbot ab

In seinem Urteil folgte der Richter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, sah aber von einem Fahrverbot ab. Der Führerscheinentzug solle Andere vor Fahrzeugführern schützen, die nicht in der Lage seien, ein Fahrzeug verantwortungsvoll zu führen. Der Angeklagte habe „einen kleinen Fehler gemacht“. Dieser Fehler könne jedem passieren. „Dann müssten wir allen die Fahrerlaubnis entziehen“, argumentierte der Richter.

Den Vorwurf der fahrlässigen Tötung wollte der Richter nicht fallen lassen. Gegenüber dem Anwalt führte er aus, dass die Straßenverkehrsordnung von jedem PKW-Fahrer fordert, dass er alle Gefahren ausschließen kann und jederzeit sein Fahrzeug auf der Straße hält. Der Angeklagte sei von der Straße abgekommen. „Dafür ist der Fahrer verantwortlich.“

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