Buchhalterin aus Ahaus gelang perfekte Fäschung

Prozess wird fortgesetzt

Der millionenschwere Untreue-Skandal im Marienhospital Bottrop war offenbar perfekt geplant. Der Ex-Verwaltungschef sprach am Donnerstag vor dem Essener Landgericht von erstklassigen Fälschungen. Die angeklagte Buchhalterin aus Ahaus nahm die Schilderungen gelassen entgegen.

AHAUS/ESSEN

von Jörn Hartwich

, 30.04.2015, 17:52 Uhr / Lesedauer: 1 min

Wie berichtet war die 34-Jährige innerhalb kürzester Zeit zur Chef-Buchhalterin aufgestiegen. „Wir waren hoch zufrieden mit ihr“, sagte ihr ehemaliger Vorgesetzter den Richtern. „Sie war extrem gut angesehen – bei mir und bei den Mitarbeitern.“

Dass die Frau aus Ahaus das ihr entgegengebrachte Vertrauen zur persönlichen Bereicherung missbraucht hat, sei eine riesengroße Enttäuschung. „Wir wollten ihr eigentlich weitere Leitungsfunktionen übertragen.“ Am Ende hatten auf den Konten der Klinik fast vier Millionen Euro gefehlt. Warum der illegale Geldabfluss nicht aufgefallen ist, erklärte der ehemalige Verwaltungschef so: „Weil mehrere Personen beteiligt waren.“

Außerdem seien zahlreiche Listen und Kontoauszüge manipuliert worden. „Man muss anerkennend sagen: Das war die Vollkommenheit der Fälschung.“ Selbst bei den Jahresabschlussprüfungen seien die Machenschaften nicht aufgefallen. Es habe offenbar eine geheime Buchhaltung innerhalb der Buchhaltung gegeben.

Vieles verschwunden

Wegen des langen Tatzeitraums – von 2009 bis 2013 – seien auch längst nicht mehr alles Buchungen nachvollziehbar. „Viele Unterlagen sind verschwunden“, sagte der Ex-Verwaltungschef den Richtern. Die illegalen Überweisungen waren als Rückzahlungen an Krankenkassen und Privatpatienten getarnt worden. Tatsächlich landete das Geld jedoch auf Konten von Freunden und Bekannten.

Nach Angaben hat die Klinik bereits vergeblich versucht, die Geldempfänger auf Rückzahlung zu verklagen. Über die Schadensersatzklage gegen die Angeklagten ist dagegen noch nicht entschieden worden. Neben der 34-jährigen Buchhalterin aus Ahaus ist auch ihr Ehemann angeklagt. Er war ebenfalls in der Bottroper Klinik tätig. Er bestreitet jedoch jegliche Mitwisserschaft. Der Prozess wird fortgesetzt.

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