Buchvorstellung - "Es war wie Hexenjagd..."

Dormitorium

ASBECK Mit Dr. Gisela Schwarze kommt eine weitere prominente Autorin zu einer Lesung ins Asbecker Dormitorium. Ihr besonderes Forschungsgebiet ist die Verfolgung von Frauen während der nationalsozialistischen Herrschaft.

11.11.2009, 13:26 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Titelbild des Buches von Dr. Gisela Schwarze.

Das Titelbild des Buches von Dr. Gisela Schwarze.

Gisela Schwarze, die seit über 30 Jahren Themen aus der Zeit des Nationalsozialismus aufarbeitet, wurde durch die persönliche Bekanntschaft mit drei Frauen zu ihren Forschungen motiviert. Eine dieser Frauen stammt aus Asbeck, wo sie 1927 zur Welt kam. Sie wurde im November 1941 verhaftet, verbrachte ein Jahr in Erziehungsheimen und wurde im Januar 1943 in das Mädchen-KZ Uckermark eingeliefert. Sie gehört zu den wenigen Überlebenden dieses Lagers. Im Rahmen ihrer Verhaftung wurde die Asbeckerin genötigt, ein Geständnis zu unterschreiben, das ihr sexuellen Verkehr mit einem polnischen Zwangsarbeiter vorwirft. Die beiden polnischen Zwangsarbeiter, zu denen die junge Frau eine freundschaftliche Beziehung hatte, wurden im August 1942 in einem Waldstück zwischen Legden und Asbeck erhenkt.

Gisela Schwarze zeigt in ihrer Darstellung auf, dass die Mechanismen der Schikanierung und Verfolgung tatsächlich den Praktiken der frühneuzeitlichen Hexenjagd entsprechen. Junge Frauen wurden ohne vorhandene Gründe der sexuellen Verbindung mit „dem Feind“ – in der frühen Neuzeit „dem Teufel“ – bezichtigt. Unter Androhung von Gewalt wurde von ihnen ein vermeintliches Geständnis erpresst, das wiederum die zuvor unterstellte „Unreinheit“ bestätigte. Dieses menschenverachtende Verfahren konnte nur erfolgreich sein, weil zu viele Menschen mitspielten, indem sie die Beschuldigten nicht entlasteten, sondern schwiegen oder Gerüchte weiter erzählten.

So wird sich der Abend mit Gisela Schwarze einem bitteren Kapitel der regionalen Geschichte zuwenden, das nicht dem Vergessen anheim fallen darf. Der Eintritt zur Abendveranstaltung ist frei.

Lesen Sie jetzt