Busfahrer wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht

„Ein tragischer Unfall“

Eine 48-jährige Busbegleiterin aus Ahaus war im Januar dieses Jahres am Scheelenkamp zwischen einem rückwärts fahrenden Bus und einer Laterne eingequetscht worden und an ihren schweren Verletzungen gestorben. Der Fahrer des Busses musste sich am Montag wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht verantworten.

AHAUS

, 04.09.2017, 18:35 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Unfallstelle am Scheelenkamp im Januar 2017

Die Unfallstelle am Scheelenkamp im Januar 2017

Der Fahrer, ein 69-jähriger Ahauser, hatte zuvor Einspruch gegen den vom Amtsgericht verhängten Strafbefehl eingelegt. Vorgesehen war eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 40 Euro.

Der 69-Jährige arbeitete zum Zeitpunkt des Unglücks erst 14 Tage mit der Busbegleiterin zusammen. Am Morgen des 13. Januar setzte der Mann um 7.40 Uhr mit dem zwölf Meter langen Bus rückwärts in den Scheelenkamp. „Die Busbegleiterin sollte aussteigen und hinter dem Bus nachsehen. Es hätten Kinder dahinter sein können“, erklärte der Fahrer. „Ich habe sie dann kurzzeitig nicht mehr im Spiegel gesehen. Ich dachte, sie wäre auf die andere Seite gewechselt.“ Deshalb habe er nicht angehalten, sondern sei mit ganz geringem Schritttempo rückwärts weitergefahren. „Ich war so langsam, selbst hinter dem Bus hätte sie weggehen können.“ Laut Fahrtenschreiber fuhr der 69-Jährige zwischen 1 und 4 km/h. In seiner ersten Vernehmung gab der Fahrer an, er sei von der Sonne geblendet worden. Das war jedoch nicht der Fall, stellte sich in der Verhandlung heraus. Sonnenaufgang war an besagtem Tag um 8.35 Uhr. Ein Zeuge berichtete, dass die 48-Jährige bei der Einweisung des Busfahrers „ein wenig hektisch“ gewesen sei. „Sie lief links und rechts hinter dem Bus her. Das wirkte wenig abgestimmt mit dem Fahrer“, hatte der 56-Jährige bei der Polizei ausgesagt.

Zeugenaussagen

„Der Bus fuhr für meinen Geschmack rückwärts zu weit rechts“, sagte eine weitere Zeugin. „Das wurde immer enger.“ Die Frau sah, wie die 48-Jährige zwischen Bus und Laterne eingequetscht wurde. „Ich hörte nur noch, dass ein Mann schrie: Er quetscht sie ein!“ sagte eine weitere Zeugin, eine Taxifahrerin. „Ich rannte zum Bus. Der Fahrer fuhr ein Stück vorwärts. Die Frau fiel nach vorne, war aber zunächst ansprechbar.“

Die 48-Jährige war nach dem Unfall erst ins Krankenhaus und dann in die Uniklinik Münster gebracht worden. Dort erlag sie am Nachmittag des 13. Januar ihren schweren Thorax-Verletzungen.

"Auch für Sie nicht einfach"

„Es war ein tragischer Unfall und auch für Sie nicht einfach“, sagte die Richterin am Montag zum Angeklagten. „Wer sich einweisen lässt, hat Pflichten. Auch wenn sich die Busbegleiterin nicht optimal verhalten hat, Sie hätten auf die Bremse treten müssen.“ Nach kurzer Unterbrechung der Verhandlung und Rücksprache mit seinem Verteidiger akzeptierte der 69-Jährige den Strafbefehl.

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