Ahauser (46) pflanzt im eigenen Garten Marihuana an – 1,2 Kilo „zum Eigenbedarf“

rnAmtsgericht Ahaus

Wegen Drogenhandels war ein Ahauser (46) angeklagt. In seinem Garten hatte die Polizei vier Marihuana-Pflanzen sichergestellt. Vor Gericht erklärte er, dass es zum Eigenbedarf gedacht sei.

Ahaus

, 29.09.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dichter Rauschebart, lange Haare, Latzhose: Nein, wie ein klassischer Drogendealer sieht der 46-jährige Ahauser nicht aus. Und dennoch musste er sich am Freitag wegen des Handels und Besitzes von Betäubungsmitteln vor dem Amtsgericht Ahaus verantworten. Denn die Fakten sprachen gegen ihn.

Von einem Nachbargrundstück aus erblickte im November 2018 ein Landschaftsgärtner im Garten des Angeklagten mehrere Pflanzen, die verdächtig Hanf-Gewächsen ähnelten. Also alarmierte er die Polizei. Bei der Durchsuchung des Grundstückes entdeckten die Beamten nicht nur ein knappes Kilogramm Marihuana, das in Tüten und Dosen abgepackt war, sondern auch eine Feinwaage. Zudem stellten die Beamten gut 500 Euro Bargeld sicher, laut Polizeibericht in „dealertypischer Stückelung“. Der Verdacht: Der Ahauser wollte die weiche Droge gewinnbringend weiterverkaufen.

Ahauser gesteht Anbau, aber bestreitet Weiterverkauf

Ja, er habe in verhältnismäßigen großen Mengen Cannabis angebaut. Aber nein, Handel betrieben habe er damit nie, versicherte der Ahauser: „Das war alles für den Eigengebrauch.“ Die Zweifel des Richters an dieser Behauptung wischte der Angeklagte zur Seite: „Ich habe damals 20 bis 25 Joints pro Tag geraucht. Offen gesagt habe ich über 15 Jahre sehr viel gekifft.“

Wie ein notorischer Lügner wirkte der 46-Jähriger nicht, das erkannte auch der Richter. Er frage sich aber, warum es überhaupt zu dem Eigenanbau gekommen sei. „Ich hatte keine Lust mehr auf das harte Zeug aus den Coffee-Shops. Da liegt man nach einem Zug in der Ecke“, erklärte der Ahauser. Zehn Samen pflanzte er ein, sieben davon gingen auf.

Dann wuchs ihm die Sache im wörtlichen Sinne über den Kopf: „Ich musste mich kaum um sie kümmern, weil der Sommer 2018 sehr gut war. Nach der Ernte war ich überrascht, wie viel es geworden ist. Das hätte locker für ein Jahr gereicht.“ Die Feinwaage haben er lediglich zur Selbstkontrolle verwendet. Auch die verhältnismäßig hohe Summe Bargeld konnte er erklären: „Der Großteil stammt aus dem Erlös von einem Musiker-Flohmarkt. Dort haben wir Schallplatten und Musikinstrumente verkauft. Der Rest gehört bis auf zehn Euro der Band-Kasse.“

Die Freundin wusste nichts vom Drogenkonsum

Für den 46-Jährigen hat sich seit der Durchsuchung seines Hauses bereits einiges geändert. „Das war ein großer Schock für mich. Ich habe von einem auf den anderen Tag mit dem Marihuana-Konsum aufgehört. Zu Hause hing der Haussegen ganz schön schief, weil meine Freundin nicht wusste, dass ich Cannabis rauche“, erklärte er vor Gericht. Die ersten Wochen seien sehr hart gewesen.

Für den Staatsanwalt hatte sich nach der Beweisaufnahme der Anklagepunkt „Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge“ erledigt: „Es sieht danach aus, als wenn der Angeklagte selbst davon überrascht worden wäre, wie sich die Dinge entwickelten. Allerdings reden wir über 81 Gramm des Wirkstoffes THC, wodurch die nicht geringe Menge um ein Zehnfaches überschritten wurde. Die Umstände rechtfertigen aber einen minderschweren Fall.“ Er forderte eine Freiheitsstrafe von acht Monaten auf Bewährung sowie eine Geldauflage in Höhe von 2000 Euro.

Richter: „Urteil ist eher zu milde als zu hart“

Der Anwalt des Angeklagten war damit nicht ganz einverstanden: „Mein Mandant war geschockt, hat sofort aufgehört und zur Aufklärung des Falls beigetragen.“ Deshalb fordere er ebenfalls die Strafe zur Bewährung auszusetzen, allerdings nur „zwei bis drei Monate“ statt acht Monate.

Das Schöffengericht entsprach jedoch in weiten Teilen den Forderungen des Staatsanwaltes und verurteile den 46-Jährigen zu acht Monaten auf Bewährung. Die Geldauflage beträgt 1000 Euro. „Sie hatten mehrere Monate Zeit, zu erkennen, dass Sie da etwas Illegales tun. Deshalb ist das Urteil eher zu milde als zu hart“, erklärte der Richter.

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