Corona-Kolumne: In der Krise Zeit für (gute) Bücher und Filme

Einblicke in den Corona-Alltag

Filme und Bücher erleben während der Corona-Krise eine Renaissance, weil die Menschen zu Hause bleiben müssen. Redakteur Johannes Schmittmann empfiehlt zwei seiner Lieblingsbücher und -filme.

Ahaus

, 04.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Während der Corona-Krise sollen die Menschen zu Hause bleiben. Viele nutzen die Zeit, um endlich wieder Bücher zu lesen.

Während der Corona-Krise sollen die Menschen zu Hause bleiben. Viele nutzen die Zeit, um endlich wieder Bücher zu lesen. © picture alliance / dpa

„Man sollte die neu gewonnene Zeit einfach genießen“ - mit solchen oder ähnlichen Aussagen muss man in diesen Tagen vorsichtig umgehen, denn die Corona-Krise bedeutet für viele eben nicht, einfach nur zu Hause zu bleiben. Existenzen stehen auf dem Spiel.

Und doch wird man mit dieser Situation noch etwas leben müssen - mindestens bis zum 19. April. Um der oft bitteren Realität wenigstens für einige Stunden zu entfliehen, fangen die Menschen wieder vermehrt an, Bücher zu lesen oder Filme zu schauen. Auch ich hab in den letzten Wochen immer häufiger Netflix und Co. abgeschaltet und stattdessen ins Bücher- beziehungsweise DVD-Regal gegriffen. John Grishams „Die Wächter“ war zwar ein einziger Reinfall, ein paar Glücksgriffe waren aber auch dabei.

Diese Filme sind zu empfehlen

„Ferris macht blau“: Komödien treffen nur in den seltensten Fällen meinen Geschmack. Oft sind sie mir zu aufgedreht, überzeichnet und albern. Doch es gibt ein paar Ausnahmen. Und dazu zählt vor allem dieser Klassiker: „Ferris macht blau“. Ferris Bueller, Hauptcharakter der Highschool-Komödie, simuliert in diesem Film eine Krankheit, um der Schule fernbleiben zu dürfen.

Mit seinem Kumpel, dem Hypochonder Cameron Frye, und seiner Freundin Sloane Peterson macht er für einen Tag Chicago unsicher. Meine Lieblingsszene: Wie sie den Kilometerstand des heimlich geborgten Ferrari-Cabrio manipulieren möchten, aber am Ende wirklich alles schief geht. Wenig Anspruch, Starbesetzung, leichte und kurzweilige Unterhaltung. Genau das, wonach sich viele aktuell sehnen.

Ferris Bueller (M.) unternimmt mit seinem besten Kumpel und seiner Freundin einen verrückten Tag in Chicago.

Ferris Bueller (M.) unternimmt mit seinem besten Kumpel und seiner Freundin einen verrückten Tag in Chicago. © picture-alliance / obs

„The Broken Circle“: Das Gegenstück zu „Ferris macht blau“, liefert der belgische Regisseur Felix van Groeningen. In dem Drama „The Broken Circle“ geht es um ein Paar, bei dessen Tochter Leukämie diagnostiziert wird. Das vorher perfekte Glück zwischen Bluegrass-Sänger Didier und Tätowiererin Elise wird erschüttert. Ein scheinbar abgegriffenes Thema wird völlig neu interpretiert.

Wem es aktuell nicht gut geht, sollte allerdings die Finger von „The Broken Circle“ lassen. In manchen Passagen kratzt der Film an der Grenze des Ertragbaren. Aber allein die grandiose Filmmusik macht „The Broken Circle“ zu einem echten Geheimtipp und lässt Hollywood-Filme wie „Beim Leben meiner Schwester“ wie billigen Kitsch dastehen.

Das Drama „The Broken Circle“ ist nichts für zartbesaitete Gemüter.

Das Drama „The Broken Circle“ ist nichts für zartbesaitete Gemüter. © pa/obs/ARTE/ Menuet Films/Pandor

Diese Bücher sind zu empfehlen

Ein Mann namens Ove: Ove Lindahl ist ein 59-jähriger Griesgram. Er terrorisiert die Nachbarn, wettert gegen die Behörden und streitet sich regelmäßig mit seinem früheren besten Freund Rune. Nach und nach erkennt der Leser, dass es aber auch eine andere Seite an ihm gibt. Eine, die durch den Verlust seiner geliebten Ehefrau Sonja tief verborgen war, aber durch ungewöhnliche Begegnungen wieder mehr zum Vorschein kommt.

Mit „Ein Mann namens Ove“ gelang dem schwedischen Autor Fredrik Backman ein beeindruckender Debütroman, bei dem er den Spagat zwischen Drama und Komödie schafft. Nicht umsonst schrieb die Hamburger Morgenpost: „Wer dieses Buch nicht liebt, braucht eigentlich gar nicht mehr zu lesen.“

Auch die Verfilmung von „Ein Mann namens Ove“ ist gelungen.

Auch die Verfilmung von „Ein Mann namens Ove“ ist gelungen. © picture alliance/dpa

Diese gottverdammten Träume: Miles Roby arbeitet seit über 20 Jahren im Diner des kleinen Ortes Empire Falls. Sein gesamtes Umfeld einschließlich seiner Ex-Frau und Tochter betrachtet ihn als gescheitert. Und auch Miles Roby selbst erkennt mehr und mehr, dass er nicht derjenige geworden ist, der er als Jugendlicher sein wollte. Das College hat er abgebrochen, im Diner wird ihm die Übernahme des Geschäfts verwehrt.

Mit seinen Problemen ist Miles Roby in Empire Falls nicht allein: Aber trotz der düsteren Aussichten halten die mit Geldnöten, Alkoholproblemen und Krankheiten kämpfenden Menschen ihre Träume von einem besseren Leben aufrecht. Der amerikanische Autor Richard Russo schuf mit diesem Buch ein literarisches Meisterwerk, das für mich völlig unverständlicherweise erst 14 Jahre nach Erscheinen von einem deutschen Verlag publiziert wurde.

Richard Russo schuf mit "Diese gottverdammten Träume" ein literarisches Meisterwerk.

Richard Russo schuf mit "Diese gottverdammten Träume" ein literarisches Meisterwerk. © dpa

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