Corona macht Maklern in Ahaus die Arbeit schwer – Sorge um „Betongold“

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In den letzten Jahren sind die Preise für Grundstücke, Häuser und Wohnungen in Ahaus stetig nach oben geklettert. Kommt mit Corona jetzt auch das Ende des sogenannten Betongolds?

Ahaus

, 14.04.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Immobilien, so hieß es lange Zeit, seien nicht nur eine gute Altersvorsorge, sondern auch beste Kapitalanlagen. Das scheint sich in Zeiten der Corona-Krise zu ändern. Zumindest geht auch in Ahaus die Sorge um, dass die Immobilienpreise in der Corona-Krise in den Keller gehen könnten.

Nachdem sich die Immobilienbranche anfangs noch relativ entspannt gab, ist das mittlerweile anders. Zuerst war sogar noch von zwar moderaten, aber steigenden Preisen die Rede. Die Nebenwirkungen von Corona sind inzwischen aber auch auf dem Ahauser Immobilienmarkt angekommen.

Nachlassende Immobilien-Geschäfte

Durch die Bank erzählen Makler von nachlassenden bis ruhenden Geschäften. Eine Entwicklung, die sich auch ganz direkt bei ihnen niederschlägt. So berichten auch Stefan Haveresch und Ulrike Tieben (Haveresch & Tieben) davon, dass es „bedeutend ruhiger“ geworden sei. „Insgesamt sind die Nachfragen merklich gesunken“, sagt Stefan Haveresch mit Blick auf die Vermarktung. Anders sehe es bei den Vermietungen aus, aber da sei das Angebot bekanntermaßen auch vor Corona schon sehr knapp gewesen.

Allerdings, das betont Partnerin Ulrike Tieben, profitiert man zurzeit noch von der Arbeit aus der Zeit vor der Krise: „Alle, die im Begriff waren zu kaufen, haben auch gekauft.“ Und solche negativen Erfahrungen, dass potenzielle Käufer mit Hinweis auf vermutlich fallende Preise zu handeln versuchten, habe man noch nicht erlebt.

Wohl aber, dass Kunden die analoge Besichtigung von Immobilien scheuten.

Virtuelle Haus-Besichtigungen

Da käme der Firma zugute, dass man schon vor zwei, drei Jahren den virtuellen 360-Grad-Rundgang installiert habe. „Eigentlich wollten wir uns davon schon wieder verabschieden, weil es von den Kunden gar nicht so gut angenommen wurde, jetzt aber ist es ein großer Vorteil.“ Und auch bei der Kundschaft gebe es ein Umdenken.

Corona hat auch dazu geführt, dass die Beratung jetzt vorzugsweise telefonisch oder online erfolgt. Selbst die Anwesenheitspflicht von allen Beteiligten beim Notar entfällt bei der Beurkundung eines Kaufs. Angesichts der Verordnung zur sozialen Distanz habe sich die Bundesnotarkammer nämlich auf eine fast kontaktlose Beurkundung verständigt.

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Trotz aller Unsicherheiten bezüglich Zinsentwicklung, sehen die Ahauser Makler aber auch, dass die momentane Situation mit fast 0 Prozent Zinsen bei der Finanzierung, weiter motivieren könnte: „Die einen Kauf fest im Blick haben, könnten dadurch beflügelt werden und vielleicht auch Anleger.“

Gleichwohl hat Corona auch in dem Makler-Büro Auswirkungen. Während die Nachfrage sinkt, bleiben die Fixkosten wie Miete und Werbung auf altem Niveau. Heißt: Für zwei von sieben Mitarbeitern wurde Kurzarbeit und auch Sondermittel beantragt. Dennoch ist die aktuelle Einschätzung bei Haveresch und Tieben die: „Wirtschaftlich ist das zurzeit noch tragbar, wenn es denn nicht zu lange dauert.“

Allgemeine Zurückhaltung

Auch bei der Volksbank Gronau-Ahaus Immobilien GmbH bemerkt man die Wirkung von Corona auf das Immobiliengeschäft. Geschäftsführer Gregor Ahler: „Wir merken, dass die Kunden derzeit mit anderen Dingen beschäftigt sind. Es ist sehr ruhig geworden. Ein Faktor ist sicherlich, dass wir aufgrund der Kontaktsperre aktuell keine Innenbesichtigungen durchführen. Im Rahmen des Möglichen bearbeiten wir die Vorgänge, die ohne persönliche Kontakte möglich sind.“

Ängste von potenziellen Verkäufern, dass bereits vorliegende Wertgutachten ihrer Immobilie (nach unten) korrigiert werden müssten, also ihre Häuser plötzlich weniger wert sind, sieht er nicht: „In diesem Zusammenhang ist zu sagen, dass wir aufgrund der Corona-Krise keine Wertanpassungen vornehmen.“

Und wie schätzt Gregor Ahler die weitere Entwicklung ein: „Die Preisentwicklung kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht beurteilt werden. Wir gehen gerade davon aus, dass sich das Immobiliengeschäft einfach zeitlich nach hinten verschieben wird. Für den Immobilienmarkt ist dabei von Bedeutung, wie sich die Wirtschaft insgesamt in den kommenden Monaten entwickeln wird. Sicher ist jedoch: Wohnraum ist knapp und wird auch nach der Corona-Pandemie weiterhin benötigt.“

Bedarf an Wohnraum bleibt

Thomas Volmer, Leiter S-Immobiliencenter der Sparkasse Westmünsterland, teilt auf Anfrage dazu schriftlich mit: „Bereits geplante Kauf- und Bauprojekte laufen auch aktuell bei vielen Kunden weiter. Einige Interessenten vertagen ihre Entscheidungen verständlicherweise aufgrund der außergewöhnlichen Situation durch das Corona-Virus. Wir gehen zurzeit davon aus, dass die Nachfrage nach Wohnraum über die Corona-Krise hinweg auf einem hohen Niveau bleiben wird.“

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LBS-Gebietsleiter Alexander Baumeister will auch in der Krise die eigenen vier Wände schmackhaft machen und weist auf die Wohnraumförderung NRW hin: „Mit der neuen Wohnraumförderung erhält eine vierköpfige Familie in Ahaus ein vergünstigtes Darlehen von bis zu 134.300 Euro. Das sind 14.300 Euro mehr als bisher, gefördert werden neue wie gebrauchte Häuser und Wohnungen.“

Und darin sind sich alle Experten einig: An dem Bedarf an (bezahlbarem) Wohnraum ändert auch die Corona-Krise nichts.

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