Corona-Pandemie für Julias Tierheim Herausforderung und Chance zugleich

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Die Corona-Pandemie geht auch nicht spurlos an Julias Tierheim vorbei. Im Gegenteil. Die Sorgenfalten werden derzeit nicht weniger. Doch die Krise ist auch eine Chance für das Tierheim.

Ahaus

, 01.11.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

In die Höhe schnellende Infektionszahlen, ein noch unaufhaltsam steigender Inzidenz-Wert und ein zweiter Lockdown – die Auswirkungen der Corona-Pandemie ziehen immer größere Kreise. Nicht nur Gastronomen bangen um ihre Existenz. Auch in Julias Tierheim hat die Pandemie tiefe Spuren hinterlassen. Doch die Krise ist zugleich auch eine Chance.

Samstagnachmittag um 14 Uhr. Vor Julias Tierheim haben sich einige Besucher eingefunden. Mit Maske und ausreichend Abstand warten sie auf Einlass.

Spontan ist niemand hier. Alle haben zuvor einen Termin ausgemacht. „So lenken wir seit Beginn der Krise die Besucherströme“, erklärt Tierheimleiterin Julia Rehermann. Einfach zu den Öffnungszeiten kommen und gehen wie noch vor der Pandemie, ist nicht mehr möglich.

Ehepaar aus Rheine gibt Caju ein neues Heim

Unter den Besuchern sind auch Birte und Edgar Duiz aus Rheine. Nicht zum ersten Mal, wie sie sagen. Aber heute ist ein besonderer Tag. Das Ehepaar wird dem 7-jährigen Labrador Caju ein neues Zuhause geben.

Ihre Entscheidung, das betonen sie, hänge nicht mit Corona zusammen. Stichwort mehr Zeit für Tiere wegen Homeoffice oder Kurzarbeit. „Nein, wir sind hundeerfahren, finden das Tierheim einfach klasse und haben uns in Caju einfach verguckt“, sagt Birte Duiz.

Durchschnittlich 80 Katzen warten gleichzeitig auf eine Vermittlung. Auch in Zeiten von Corona.

Durchschnittlich 80 Katzen warten gleichzeitig auf eine Vermittlung. Auch in Zeiten von Corona. Auf der Internetseite des Tierheims kann man sich alle Tiere mit Steckbrief anschauen. © Till Goerke

Doch denken wirklich alle so, die sich in der Krisenzeit ein Tier zugelegt haben? „Schwierig zu sagen“, urteilt Julia Rehermann. Oft heißt es ja, zu Zeiten der Krise haben die Menschen mehr Zeit und legen sich darum spontan ein Tier zu. Ist die Krise dann vorbei, fehlt plötzlich die Zeit.

Also muss das Tier wieder weg. So zumindest das oft ausgemalte Szenario in der Medienlandschaft. „Das ist nicht aus der Luft gegriffen. Ich befürchte auch, dass wir da nächstes Jahr einen höheren Rücklauf haben werden“, so die Tierheimleiterin.

Einlass gibt es nur mit Termin

Gerade wenn Hunde das Welpen-Alter verlassen hätten, werde die Sache anspruchsvoller und mitunter auch anstrengender. „Wir schauen darum schon ganz genau hin, wer da ein Haustier haben möchte“, so Julia Rehermann.

Heißt auch, dass im Vorfeld telefonisch abgeklärt wird, ob überhaupt einer der aktuell im Tierheim untergebrachten Vierbeiner in Frage käme. Nur ist das gegeben, gibt es einen Besuchstermin.

Tierheimleiterin Julia Rehermann hat Redakteur Till Goerke durch das Tierheim geführt. Die Katzen Champ (r.) und Cairo sind erfreulicherweise bereits vermittelt worden.

Tierheimleiterin Julia Rehermann hat Redakteur Till Goerke durch das Tierheim geführt. Die Katzen Champ (r.) und Cairo sind erfreulicherweise bereits vermittelt worden. Doch in der Regel bleiben Katzen länger im Tierheim als Hunde. © N. Goerke

Durchschnittlich 80 Katzen und 20 Hunde warten in Julias Tierheim auf ein neues Heim. „Für beide haben wir gute Anfragen, aber meistens bleiben Katzen länger bei uns als die Hunde“, führt die Tierheimleiterin aus.

Und die Tiere wollen natürlich versorgt werden. Das zieht nicht unerhebliche Kosten nach sich. Personal, Futter, medizinische Versorgung und vieles mehr. Geld, das im Tierheim seit der Coronakrise deutlich weniger zur Verfügung steht.

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Die einfach Erklärung: Die Tierpension war in der Krisenzeit viel zu wenig ausgelastet. Die Menschen sind weniger vereist und haben ihre Tiere auch nicht in die Pension gegeben. „Die Pension ist für uns aber überlebenswichtig“, so Julia Rehermann hörbar besorgt. „Wir müssen schauen, wie es weitergeht.“

Nach dem ersten Lockdown sei es wieder etwas aufwärts gegangen, aber schon in den Herbstferien war das wieder Geschichte. Etliche Stornierungen für die Pension seien eingetrudelt.

In Julias Tierheim gibt es nicht nur Katzen und Hunde, sondern auch Kleintiere. Die Tierpension ist wirtschaftlich ein wichtiges Standbein und durch Corona praktisch weggebrochen.

In Julias Tierheim gibt es nicht nur Katzen und Hunde, sondern auch Kleintiere. Die Tierpension ist wirtschaftlich ein wichtiges Standbein und durch Corona praktisch weggebrochen. © Till Goerke

„Wir hoffen auf den Dezember, wir benötigen die Einnahmen dringend.“ Stichwort Ski- und Weihnachtsurlaub. Ob das aber möglich sein wird, muss sich erst noch zeigen. Ganz nebenbei ist auch noch das große Sommerfest wegen der Krise ausgefallen.

Auch das sind fehlende Einnahmen. Mehr denn je sei das Tierheim derzeit auf Spenden angewiesen. „Wir freuen wirklich über jede Form der Unterstützung.“

Spenden sind ganz wichtig fürs Tierheim

Über die Homepage (https://www.julias-tierheim.de/) ist eine finanzielle Spende mit wenigen Klicks über das Bezahlsystem PayPal möglich. Das Spendenkonto des Tierheims selbst ist beim Tierschutzbund für den Nordkreis Borken.

Auch Futter- oder Sachspenden seinen jederzeit gerne willkommen. „Wir haben zwar unser Stammfutter für die Tiere, aber mischen Spendenfutter dazu. Es hilft uns also auch sehr.“

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Doch Krise hin oder her – den Kopf in den Sand stecken, ist nicht angesagt im Tierheim. Keiner der festangestellten Tierpfleger sei in Kurzarbeit geschickt worden.

„Das wollte ich nicht und es wäre ja auch gar nicht gegangen. Die Tiere müssen ja trotz Krise ordentlich versorgt werden“, erklärt Julia Rehermann. Und anstatt zu hadern, blickt die Tierheimleiterin nach vorne. Und sieht in der Krise fürs Tierheim sogar eine Chance.

Die Krise bietet aber auch die Zeit, das Tierheim weiter zu verschönern. Da ist es von Vorteil, dass einige Mitarbeiter jede Menge handwerkliches Geschick mitbringen, wie Julia Rehermann berichtet.

Die Krise bietet aber auch die Zeit, das Tierheim weiter zu verschönern. Da ist es von Vorteil, dass einige Mitarbeiter jede Menge handwerkliches Geschick mitbringen, wie Julia Rehermann berichtet. © Till Goerke

„Dadurch, dass wir seit Monaten mit Terminen arbeiten, haben wir viel mehr Zeit für die Interessenten, niemand muss warten oder fühlt sich vernachlässigt.“ Auch die Tiere seien durch die verminderten Besucherströme mehr zur Ruhe gekommen. „Durch die Krise lernen wir hier, neue Wege zu gehen.“

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Und so sei es, verrät Julia Rehermann, sogar eine Überlegung, die Sache mit den Terminen auch nach der Corona-Pandemie aufrecht zu erhalten. Zusätzlich könnte es wöchentliche Führungen für Tierheiminteressierte geben, die einfach nur mal vorbeischauen möchten. „Wir möchten ja niemanden ausschließen.“ Doch noch ist das Zukunftsmusik.

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