Schulstart in Ahaus: Mit Maske, Hygieneplan und ganz viel Abstand

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An vier Schulen startet am Donnerstag in Ahaus wieder der Unterricht – vorerst nur in Kleingruppen. Wir haben mit den Schulleitern über die Vorbereitungen gesprochen.

Ahaus

, 22.04.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Wenn der Unterricht nach den Corona-bedingten Schulschließungen am Donnerstag in Ahaus wieder aufgenommen wird, dann ist das mit einem gewöhnlichen Schulstart nach den Ferien nicht zu vergleichen. Los geht es zunächst nur für die jeweiligen Abschlussklassen.

Das gilt für 216 Abiturienten der beiden Ahauser Gymnasien und 295 Schüler der 10. Schuljahre der Anne-Frank-Realschule und der Irena-Sendler-Gesamtschule. Das Angebot für die Vorbereitung auf die Abiturprüfungen ist für die Schüler freiwillig, für die Abschlussklassen der Sekundarstufe I ist der Unterricht Pflicht.

Schulleiterin Bärbel Fleer von der Anne-Frank-Realschule hat sich mit ihrem Team schon in den vergangenen zwei Wochen damit befasst. „Es ging ja zum Schluss nur um die Frage, ob die Schüler schon am Montag oder am Donnerstag kommen.“

Viel Organisatorisches

Der zeitliche Vorlauf sei hilfreich gewesen, um alle Betroffenen mit ins Boot zu holen, erklärt die Realschulrektorin. „Nicht zuletzt mussten wir für die Wiederaufnahme des Schulbetriebs viel zu Papier bringen.“

Vor allem in Sachen Organisation war die Schulleiterin gefragt. Es galt, Klassen in Gruppen einzuteilen, eine Notbetreuung zu planen, den Unterricht und die erforderliche Anzahl an Lehrkräften sicherzustellen, die hygienischen Bestimmungen einzuhalten, die Schulbusse zu organisieren und, und, und.

Realschulrektorin Bärbel Fleer

Realschulrektorin Bärbel Fleer © Archiv

Ab Donnerstag können sich die 134 Zehntklässler in der Anne-Frank-Realschule auf die Abschlussprüfungen vorbereiten. „Wir haben die Klassen geteilt. Unterrichtet wird in Kleingruppen“, berichtet Bärbel Fleer.

Auf dem Stundenplan stehen lediglich drei Prüfungsfächer: Deutsch, Mathematik und Englisch. Vorgesehen sind zwischen 7.45 und 12.55 Uhr Unterrichtseinheiten von jeweils 100 Minuten, inklusive Pause. Die Kleingruppen sind auch in den Pausen getrennt.

Die Lerngruppen müssen so aufgebaut werden, dass zwischen den Schülern untereinander und den Lehrern der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann.

Die Lerngruppen müssen so aufgebaut werden, dass zwischen den Schülern untereinander und den Lehrern der Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden kann. In der Anne-Frank-Realschule wurden dafür am Dienstag eifrig Tische und Stühle bewegt. © Markus Gehring

Jeder Schüler erhält am Donnerstag eine Maske. Bärbel Fleer:„Die Schüler werden morgens immer vom gleichen Personal in Empfang genommen und gehen dann zu zwei Desinfektionsstellen, wo sie sich die Hände reinigen. Für die Kleingruppen gibt es unterschiedliche Laufwege zu ihren Klassentrakten. Jeweils eine Hälfte ist von der anderen abgeschirmt.“

Neue Papierhalter angebracht

Die Schulleiterin berichtet von einem Treffen mit der Stadtverwaltung, bei dem es um die Einhaltung der hygienischen Standards ging. Gemeinsam begutachtete man die Schultoiletten. Das Ergebnis: Es wurden neue Papierhalter angebracht. „Was nicht da war, ist besorgt worden“, erklärt Bärbel Fleer. Vor allem reichlich Seife.

Das Reinigungspersonal bekam neue Listen mit Punkten, die tagtäglich abgearbeitet werden müssen. „Für jeden Klassenraum, für jedes WC muss das Säuberungsintervall dokumentiert werden.“

Etwa 30 bis 35 Lehrer werden am Donnerstag in der Anne-Frank-Realschule unterrichten. Kollegen wurden als Pausenaufsicht oder für die Notbetreuung eingeteilt, weitere stehen auf Abruf zur Verfügung.

Bärbel Fleer war bei einem Telefonat mit unserer Redaktion am Dienstag gerade damit befasst, eine Mitteilung an alle Lehrkräfte zu schreiben, „dann folgen Schülerbriefe, dann Elternbriefe.“

Ein zweiseitiges Info-Schreiben für Schüler und Eltern findet sich auch auf der Homepage der Irena-Sendler-Gesamtschule (ISG). Auch dort müssen die Zehntklässler ab Donnerstag verpflichtend in die Schule kommen. Aus dem Schreiben geht hervor, dass im Gegensatz zur bisherigen Planung die Abschlussprüfungen nicht mehr zentral, sondern dezentral gestellt werden.

Margot Brügger, Schulleiterin der Irena-Sendler-Gesamtschule

Margot Brügger, Schulleiterin der Irena-Sendler-Gesamtschule © Irena-Sendler-Gesamtschule

Die Lehrkräfte der Schule sollen sich an dem tatsächlich vermittelten Stoff orientieren. Schulleiterin Margot Brügger und das Kollegium wollen die Schüler tageweise, nach Fächern gegliedert, darauf vorbereiten. Für den Start verfügt die Gesamtschule über genügend Lehrpersonal.

Pro Tag ein Unterrichtsfach

„Wenn weitere Jahrgangsstufen dazukommen, dann müssen wir uns das mal anschauen“, sagt Margot Brügger. Es könne sein, dass bis zu einem Drittel des Kollegiums wegen Vorerkrankungen oder Vollendung des 60. Lebensjahres nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden kann.

„Geplant ist zunächst, pro Tag von 8 bis 12.30 Uhr ein Fach zu unterrichten“, erläutert Margot Brügger. Es kann zum Beispiel so sein, dass am Donnerstag Angebote im Fach Deutsch, am Freitag im Fach Englisch und am folgenden Montag im Fach Mathematik durchgeführt werden.

Für den Nachmittag soll es Hausaufgaben geben. Ein Mensabetrieb ist nach der derzeitigen Corona-Schutzverordnung nicht gestattet. Er sei auch mit Blick auf den Vormittagsunterricht nicht notwendig, heißt es von der Stadtverwaltung.

„Musterraum“ als Vorlage

Für die insgesamt 161 Schüler, die am Donnerstag in der Gesamtschule wieder starten, wurden eifrig Tische und Stühle gerückt – ein „Musterraum“ diente als Vorlage. Margot Brügger: „Wir haben mit dem Zollstock nachgemessen. Rechts, links, vorne, hinten, der Mindestabstand von 1,5 Metern zu den Mitschülern und zum Lehrer muss ja eingehalten werden.“

Verlässlichkeit und Sorgfalt spielen momentan die größte Rolle. In den Lerngruppen ist der vorbestimmte Sitzplan unbedingt einzuhalten, das Betreten anderer Kursräume ist nicht gestattet. „Wir sind heute alle entsprechend gekennzeichneten Laufwege abgegangen“, berichtet Margot Brügger am Dienstag in einem Telefonat .

Die Gesamtschule plant, möglichst viele Eingänge zu öffnen, damit möglichst wenig Begegnungsverkehr stattfindet. Die gut 70 Schüler, die auf einen Bustransfer angewiesen sind, sollten im Bus Masken tragen, rät Margot Brügger.

Busverkehr wird noch abgestimmt

Über die genauen Modalitäten des Busverkehrs stimmt sich die Stadtverwaltung aktuell mit den zuständigen Verkehrsunternehmen ab. Sollte es machbar sein, sei es sicherlich auch eine gute Option, den Schulweg mit dem Fahrrad anzutreten.

Margot Brügger geht davon aus, jedem Schüler am Donnerstag eine Maske aushändigen zu können. „Sie sind uns vom Schulträger zugesichert worden.“ Wie lange die bereits gelieferten Desinfektionsmittel reichen, kann Margot Brügger nicht sagen. „Wir hoffen, dass wir noch mehr bekommen.“

Die elektronischen Händetrockner seien aus hygienischen Gründen durch Papierhandtuchspender ersetzt worden. Ansonsten sei vom Schulträger das Okay für die sanitären Einrichtungen gegeben worden. Das gilt nicht nur für die Gesamtschule, sondern für alle von uns befragten weiterführenden Schulen.

Die Einhaltung von Hygiene ist für den Schutz vor einer Infektion mit dem Coronavirus elementar. „Doch wir werden nirgendwo 100 Prozent Sicherheit finden“, sagt Michael Hilbk, Schulleiter des Alexander-Hegius-Gymnasiums (AHG) in einem Telefonat mit unserer Redaktion. Hilbk sieht seine Schule aber für die Wiederaufnahme des Lehrbetriebs „gut vorbereitet“.

Schulleiterbesprechung im Ratssaal der Stadt Ahaus.

Schulleiterbesprechung im Ratssaal der Stadt Ahaus. © Stadt Ahaus

Die angehenden Abiturienten sind nicht verpflichtet, in der Schule zu erscheinen, da ihr regulärer Unterricht im März weitgehend beendet war. Unterrichtet wird am AHG ab Donnerstag in den abiturrelevanten Fächern in der Zeit von 7.45 bis 12.55 Uhr. „Ich gehe davon aus, dass wir unter den aktuellen Gegebenheiten den Start gut hinbekommen“, erklärt Michael Hilbk.

Er rechnet damit, dass von den 113 Abiturienten etwa 80 Prozent von der Unterrichtsmöglichkeit Gebrauch machen werden. Dabei sei auf möglichst kurze Wege, möglichst wenig Begegnungen und auf entsprechendes Lehrpersonal zu achten. Es gibt definierte Aufenthaltsräume, Eingänge mit Desinfektionsstationen, einen aktualisierten Hygieneplan, markierte Wege, mit Flatterband abgesperrte Bereiche – und Handwaschbecken in den Klassenräumen.

Kreis organisiert Masken

„Ich trage die Verantwortung für Schüler und Lehrer gleichermaßen“, sagt Michael Hilbk. Dazu zählt, dass in der Schule die Maske nur dann abgenommen werden darf, wenn der Mindestabstand gewährleistet ist. Apropos Masken: Der Kreis Borken organisiert zentral für alle Schulen Masken und Desinfektionsmittel.

„Wir müssen damit leben, dass wir uns in einer kritischen Situation befinden“, blickt Michael Hilbk nicht nur auf den Schulalltag, sondern auf das „große Ganze“. „Wir werden uns weiter auf Einschränkungen einstellen müssen, auch was die Schule angeht. Wir haben doch gar keine andere Wahl, als diese Herausforderung anzunehmen.“

Die beiden Schulleiter Michael Hilbk (l., Alexander-Hegius-Gymnasium) und Niels Hakenes (Bischöfliche Canisiusschule).

Die beiden Schulleiter Michael Hilbk (l., Alexander-Hegius-Gymnasium) und Niels Hakenes (Bischöfliche Canisiusschule). © Stefanie Müller

Niels Hakenes ist Leiter der Bischöflichen Canisiusschule. Er geht davon aus, dass ab Donnerstag von den gut 100 Abiturienten etwa 70 Prozent die freiwilligen Lernangebote nutzen. „Für diese Schüler steht uns das ganze Gebäude zur Verfügung.“ Geplant sind Lerngruppen mit nicht mehr als zwölf Schülern.

Aktuell bereite der Hausmeister die entsprechenden Räume vor. Die „prüfungsvorbereitenden Maßnahmen“ beginnen morgens mit einer Doppelstunde, „dann gibt es eine Pause, in der die Reinigungskräfte aktiv werden, und dann ist nochmal Unterricht.“

Hygiene- und Reinigungsplan

Der Hygiene- und Reinigungsplan steht. Ab dem 4. Mai wird es in allen Räumen – bis auf zwei – funktionierende Waschbecken und fest installierte Seifenspender geben. Der Reinigungsplan ist darauf ausgelegt, dass Türklinken, Schalter, Treppengeländer, Tische und mehr regelmäßig gereinigt und desinfiziert werden.

Masken seien bestellt, „ich gehe davon aus, dass sie am Mittwoch geliefert werden“, sagt Niels Hakenes. Für Schüler und Lehrer besteht Tragepflicht auf den Verkehrswegen, „im Unterricht ist das Tragen der Maske nicht zwingend notwendig.“

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