Daueraufreger: Parkplatzsuche am Ahauser Krankenhaus

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Die Parkplatzsituation am St. Marien-Krankenhaus ist schon lange ein heiß diskutiertes Thema. Unserer Reporterin war vor Ort und weiß: So schlimm ist die Lage wirklich.

Ahaus

, 16.02.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Donnerstagmorgen, halb zehn. Dicht an dicht fahren die Autos auf den Parkplatz des St.-Marien-Krankenhauses. Ein Auto ist bis zum Ende des Parkplatzes vorgedrungen, aber ohne Erfolg: Nachdem es keine freie Parklücke gefunden hat, muss es wieder zurück. Doch der Platz zum Wenden ist zu klein. Also: Rückwärtsgang rein und alle anderen Autos zum Rückwärtsfahren oder Anhalten zwingen.

Während die Autofahrer immer wieder stoppen müssen, bewegen sich die Scheibenwischer an ihren Fahrzeugen fröhlich weiter, denn es regnet in Strömen. „Schrecklich, das ist schrecklich hier!“, schimpft eine Frau auf dem Gehweg im Vorbeigehen. Am Ahauser Krankenhaus einen Parkplatz finden? Keine leichte Aufgabe.

„In der Woche ist es ein Graus, aber ich kenn es nicht anders“, erzählt Kirsten, die ihren vollen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ich hatte jetzt Glück, dass ich einen Parkplatz bekommen habe, weil einer raus gefahren ist. Ich bin aber auch vorher zehn Minuten rumgefahren.“ Besonders ärgerlich dabei: „Mein Lebensgefährte kommt heute aus dem Krankenhaus und ich musste vorhin oben schon anrufen, dass ich später komme.“

Am Mittwochnachmittag sind noch Parkplätze frei

Einen Tag zuvor, am Mittwochnachmittag um kurz nach 15 Uhr ist die Lage entspannter. Ein paar Parkplätze sind frei, sogar im kostenfreien Teil des Parkplatzes. „Ich hatte gerade gar keine Probleme, ich hab direkt einen freien Platz bekommen“, freut sich Mehmet Derinalp aus Ahaus. Auch Martina Blommel, ebenfalls aus Ahaus, findet die aktuelle Parkplatzsituation gut. „Aber so um 14 Uhr rum ist hier kaum ein Parkplatz zu finden, da parke ich meistens bei Hilgert und laufe von da“, gibt sie zu.

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Dass die Parkplatzsuche zu manchen Zeiten schwieriger ist, weiß auch Andrea Kubatschek aus Ahaus. „Wenn ich nachmittags zum Rehasport gehe, finde ich direkt einen Parkplatz, sogar auf den kostenfreien Plätzen. Aber ich weiß, dass die Situation hier morgens viel schlechter ist. Da muss man sich echt überlegen, ob man nicht lieber mit dem Fahrrad fährt.“

Verärgerte Menschen am Donnerstagmorgen

Dazu können sich am Donnerstagmorgen wohl die wenigsten motivieren. Der anhaltende Regen macht die Parkplatzsuche noch nervenaufreibender. An Stelle von freien Parkplätzen sind hier nur Verkehrschaos und verärgerte Menschen zu finden.

„Katastrophe! Alles, was Geld bringt, bauen sie hier hin, aber keine Parkplätze. Gott sei Dank bin ich nicht so oft hier“, sagt Helmut aufgebracht. Er möchte seinen vollen Namen nicht nennen.

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Gerade fährt ein großer Lkw auf den Parkplatz rechts von ihm – wahrscheinlich, um die Baustelle für den neuen Gebäudeteil des Krankenhauses zu beliefern. Helmut schüttelt den Kopf: „Was will der denn da jetzt?“ Für die Autofahrer ist kein Durchkommen mehr.

Ein Ehepaar findet die Situation normalerweise nicht so schlimm

Trotzdem sagen Maritje Kötter und ihr Mann aus Enschede, dass sie kaum Probleme haben am Ahauser Krankenhaus einen Parkplatz zu finden – mit Ausnahme von heute. „Normalerweise ist morgens immer noch ein Platz da, aber heute war es echt nicht gut“, sagt Maritje Kötter.

Maritje Kösters und ihr Mann müssen regelmäßig zum Krankenhaus. Bisher haben sie immer schnell einen Parkplatz gefunden, nur am Donnerstagmorgen war das nicht so einfach.

Maritje Kösters und ihr Mann müssen regelmäßig zum Krankenhaus. Bisher haben sie immer schnell einen Parkplatz gefunden, nur am Donnerstagmorgen war das nicht so einfach. © Gerick

Letzterem kann Michael Ruzzo aus Ahaus nur zustimmen: „Das ist ne Katastrophe hier. Ich bin nur kurz hier, deswegen stehe ich da vorne, wo ich eigentlich gar nicht parken darf“, sagt er und zeigt in Richtung des Krankenhauseingangs. „Ich wollte jetzt nicht extra einen Parkschein ziehen. Aber es ist auch gar kein Problem, dass man was zahlen muss, wenn nur wenigstens ein freier Parkplatz da wäre.“

Wäre ein Parkhaus eine Lösung?

Karin Erdt, die gerade eine Viertelstunde lang nach einem Parkplatz gesucht hat, hätte eine Idee, um das Problem zu lösen. „Ich komme aus dem Ruhrgebiet, da gibt es Parkhäuser an den Krankenhäusern. Das hier ist zwar nur ein kleines Krankenhaus, aber vielleicht wäre das auch mal eine Option.“

Karin Erdt könnte sich ein Parkhaus am Ahauser Krankenhaus gut vorstellen, um die Parksituation zu entspannen.

Karin Erdt könnte sich ein Parkhaus am Ahauser Krankenhaus gut vorstellen, um die Parksituation zu entspannen. © Gerick

Geplant ist ein Parkhaus allerdings nicht. Stattdessen werden aktuell 60 Mitarbeiterstellplätze gebaut, die Ende Februar oder Anfang März fertig sein sollen, so Dirk Terbahl, Pressesprecher des Klinikums Westmünsterland. Dann würde es insgesamt 800 Parkplätze am Krankenhaus geben. Doch auch schon jetzt sind „alle gesetzlichen Auflagen erfüllt“, wie die Stadt Ahaus betont.

Provisorische Halteverbotszone wirkt

Trotzdem geht der Ärger um die Parkplatzsituation am Krankenhaus weiter. Nicht nur Patienten und Besucher betrifft das, sondern vor allem die Anlieger. Karl-Heinz Räckers wohnt auf der Wüllener Straße, direkt neben dem Parkplatz. Vor der Häuserreihe ist seit Kurzem eine Halteverbotszone, die die Stadt als Reaktion auf die Parkplatzsituation provisorisch eingerichtet hat. Auch auf der Straße Am Kalkbruch, direkt nach der Ausfahrt aus dem Kreisverkehr, gibt es eine solche Zone (unsere Redaktion berichtete).

Die Schilder zeigen ihre Wirkung: Am Donnerstagvormittag stehen an beiden Stellen keine Fahrzeuge. „Drei Mal am Tag kommen die aber auch und verteilen Knöllchen“, erzählt Karl-Heinz Räckers. Die Stadt Ahaus versichert: „Die provisorisch aufgestellten Halteverbotsschilder werden sobald möglich durch entsprechende dauerhafte Markierungen und/oder Beschilderungen ersetzt.“ Außerdem befinde sich die Stadt „im Dialog mit dem Krankenhaus“, um die Parkplatzsituation zu verbessern.

Auto wurde zugeparkt

Trotzdem: Die aktuelle Lage ist eine „Katastrophe“, wie Karl-Heinz Räckers sagt. Denn die Autofahrer, die keinen Stellplatz auf dem Krankenhausparkplatz finden, stellen ihr Auto direkt vor seiner Tür, außerhalb der Halteverbotszone, ab. „Gestern wurde ich sogar zugeparkt“, sagt Karl-Heinz Räckers.

Er weiß, dass auf dem Parkplatz nicht nur bei schlechtem Wetter wie am Donnerstagmorgen Chaos herrscht. „Selbst im Sommer kommen die Leute mit dem Auto, stellen es hier ab, und gehen zum Sportzentrum. Die sollten mal mit dem Fahrrad kommen, dann hätten sie auch schon Sport gemacht“, sagt er in bitterem Ton.

Parkplätze sind für das Klinikum Westmünsterland nicht die höchste Priorität

Am Kalkbruch scheint die Situation momentan entspannter zu sein. Eine Bewohnerin der neu gebauten Häuser auf der rechten Seite erzählt: „Noch sehe ich hier keine Krankenhausbesucher, die das Auto abstellen. Aber sobald die Straße richtig ausgebaut ist und die Handwerker hier nicht mehr parken, könnte das schon möglich sein.“

Das Klinikum Westmünsterland stellt klar, es sei ihr „größtes Interesse, zufriedene Patienten, Mitarbeiter und Besucher zu haben“. Allerdings seien „die Investitionsmittel im Krankenhauswesen sehr begrenzt“, weshalb die „knappen finanziellen Ressourcen prioritär für die Weiterentwicklung von Medizin und Pflege“ verwendet würden.

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