Den Richter am Ahauser Amtsgericht belogen

Falschaussagen-Prozess

Als "geständigen und überführten Lügner" hat der Richter am Amtsgericht Borken am Dienstag einen 19-Jährigen bezeichnet, der wegen "uneidlicher Falschaussage" angeklagt war. Um zwei Freunde zu decken, hatte der Abiturient bei einem Prozess vor dem Ahauser Amtsgericht den dortigen Richter belogen.

AHAUS/BORKEN

, 19.07.2016 / Lesedauer: 2 min

In dem Verfahren aus dem Jahr 2015 ging es um gefährliche Körperverletzung. Angeklagt waren zwei Mitschüler des 19-jährigen Gescheraners, die einen weiteren Mitschüler nach einem Stufentreffen in Coesfeld zusammengeschlagen und auf den am Boden Liegenden eingetreten hatten. Der Gescheraner griff nicht aktiv in das Geschehen ein, stimmte sich bei seiner Aussage aber mit den beiden Angeklagten ab und sprach vor dem Ahauser Gericht lediglich von Schubsen und Schlagen. Weitere Zeugen widerlegten dann diese Aussagen.

Die Wahrheit verschönt

"Ich hab die Wahrheit verschönt, um meine Kollegen etwas zu schützen", begründete der Angeklagte seine damalige Aussage vor dem Ahauser Gericht etwas kleinlaut. Seine Anwältin führte aus, dass er dabei sicher auch einigen "Respekt" vor den beiden Schläger hatte. "Das sind ja auch keine Unbekannten", ergänzte die Anwältin und wies darauf hin, dass die beiden in Ahaus zu einer eineinhalbjährigen Jugendstrafe bzw. zu zwei Wochen Dauerarrest verurteilt wurden.

Unbescholtenes Blatt

Ihr Mandant hatte eine weiße Weste, was Vorstrafen angeht. Und das sollte nach Ansicht der Anwältin auch so bleiben, die darum bat, das Verfahren gegen ihren Mandanten gegen Auflagen einzustellen. Dabei führte sie auch aus, dass sich der 19-Jährige nach der Schlägerei um das verletzte Opfer gekümmert und die Polizei gerufen hatte. Die beiden Schläger waren geflüchtet. "Er hat gesehen, dass das so nicht in Ordnung war", sagte die Anwältin.

"Uneidliche Falschaussage, das ist schon was. Wir sind auf die Wahrheit der Aussagen angewiesen, damit Gerechtigkeit stattfinden kann", betonte der Richter, konnte sich aber, ebenso wie die Staatsanwältin, mit der Einstellung des Verfahrens gegen Auflagen anfreunden.

Der 19-Jährige muss jetzt die nächsten acht Monate jeweils 100 Euro von seinem ab August fließenden Gehalt als Auszubildender an die Tafel in Gescher überweisen. Kommt er dieser Auflage nach, wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.

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