Der Barler Berg: Ein Hauch von grüner Insel gleich um die Ecke

rn„Zu Hause“-Serie

In unserer neuen Serie „Zu Hause in“ stellen wir Ihnen lohnende Ausflugsziele in der Region vor. Diesmal geht es zum Barler Berg in der Wüllener Bauerschaft Barle mit seiner Kapelle.

Ahaus

, 07.07.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Up den Baig, dor wo de schwatten Dannen stoht, wo dör Wald un Feld so schöne Pättkes goht. Wo de Höwe liget unnen vür dat Land un dat Heet noch bleuhet an Weg un Grabenrand“, heißt es im „Leed van Boole“ über die Anhöhe, die sich durch die Wüllener Bauerschaft Barle zieht.

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AH-Serie "zuhause in" Barler Kapelle

In unserer neuen Serie "zu Hause in" stellen wir schöne Ausflugsziele in der Region vor. Diesmal geht es in die Wüllener Bauerschaft Barle, auf den Barler Berg, auf dem eine Gedächtniskapelle in einem schönen Laubwald steht.
06.07.2020
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Der Blick ins Tal Richtung Ottenstein.© Anna Lena Haget
Zur Barler Kapelle führen Treppen hinauf.© Anna-Lena Haget
© Anna-Lena Haget
Die Betonstufen und das Geländer wurden erst vor Kurzem angelegt.© Anna-Lena Haget
Die Kapelle wurde 1954 erbaut.© Anna-Lena Haget
Das Steinrelief von Bildhauer Josef Heising erinnert an die Kriegstoten.© Anna-Lena Haget
Blick in den Wald rund um die Kapelle.© Anna-Lena Haget
Vor der Barler Kapelle lädt eine Bank zum Ausruhen ein.© Anna-Lena Haget
Der Boden des Laubwalds ist das ganze Jahr über mit Laub bedeckt.© Anna-Lena Haget
© Anna-Lena Haget
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© Anna-Lena Haget
Efeu schlängelt sich um einen Baumstamm.© Anna-Lena Haget
Der Waldweg führt durch den Wald bis zur anderen Seite.© Anna-Lena Haget
Hinter dem Wald geht es weiter.© Anna-Lena Haget
Der kleine Glockenturm ist 1984 hinzugekommen.© Anna-Lena Haget

Dabei ist der „Barler Berg“, wie ihn die Anwohner respektvoll nennen, eigentlich eher ein langgezogener Hügelrücken. Und doch ist er etwas ganz Besonderes. Schon von Weitem ist die bewaldete Anhöhe zu sehen, die über Wiesen und Feldern nördlich von Ottenstein und etwas westlich von Wüllen thront.

Der Weg hinauf zur Barler Kapelle wird dem Besucher mit Treppen erleichtert.

Der Weg hinauf zur Barler Kapelle wird dem Besucher mit Treppen erleichtert. © Anna-Lena Haget

Der sanfte Anstieg, hinter dessen erster Kuppe sich noch eine zweite versteckt, erinnert mich an die saftig grünen Hügel der irischen Grafschaft Wexford und meinen Urlaub dort, der schon wieder drei Jahre her ist. Aus einer weiteren Reise dorthin wird in diesem Jahr wohl nichts werden.

Aber das macht nichts, denn auch direkt vor der Haustür gibt es idyllische Natur zu entdecken. Und gerade jetzt im Sommer ist der Barler Berg deshalb ein lohnendes Ausflugsziel.

Ganz oben auf der Spitze steht – wie es sich für einen ordentlichen Berg gehört – eine Kapelle. Und genau dort will ich hinauf. Nur ein kleines Holzschild weist an der Straße, die über den zweiten Hügel führt, auf die Barler Kapelle hin.

Von der Kreisstraße 22 zweigen auf der rechten Seite gleich zwei Wege ab, die längs am Barler Berg vorbeiführen: Ein Schotterweg und eine asphaltierte Straße. Genießer suchen sich aber am besten eine andere Route für ihre Pättkestour aus.

Im Inneren der Kapelle thront über dem kleinen Altar ein Steinrelief von Bildhauer Josef Heising.

Im Inneren der Kapelle thront über dem kleinen Altar ein Steinrelief von Bildhauer Josef Heising. © Anna-Lena Haget

Am Barler Kreisverkehr, gleich hinter der Abfahrt Richtung Vreden lohnt es sich für Radler, in die zweite Straße auf der linken Seite abzubiegen. Denn zwischen Wiesen und Wäldern, am malerisch gelegenen Ferienhof Eilers vorbei, mäandert eine schmale Asphaltstraße den Barler Berg hinauf.

Dort steht am Wegesrand auch eine Bank, auf der müde Ausflügler vor dem steilen Anstieg noch einmal Kraft schöpfen können. Der Weg über die Anhöhe ist mit dem Rad durchaus zu schaffen, aber er erfordert ein wenig Kondition. Weniger trainierte Radfahrer sind gut beraten, ihr Strahlross bergan zu schieben.

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Ausflug zur Barler Kapelle

Kurz vor der Hügelkuppe erreiche ich den Schotterweg, der auf der anderen Seite in die K22 mündet. Am Hang habe ich im Moment noch freien Blick ins Tal. Auf der rechten Seite geht es hinein in „Könning’s Busch“.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den Hügel hinauf zu kommen: Zwischen Büschen und Bäumen haben Wanderer sich mehrere Trampelpfade den Barler Berg hinauf gebahnt. Ich entscheide mich für den kürzeren und bequemeren Weg, der mit Treppenstufen und Geländer geebnet ist.

Zauberhafte Aussichten bietet der Laubwald.

Zauberhafte Aussichten bietet der Laubwald. © Anna-Lena Haget

Durch die Bäume sehe ich sie oben auf der Hügelkuppe thronen: Die Barler Kapelle. Schon der Aufstieg ist eine Erfahrung für sich. Das ganze Jahr über ist der Waldboden von trockenem Laub bedeckt. Hohe Eichen und Buchen tragen dichte, grüne Kronen, durch die ab und an ein Lichtstrahl fällt.

Überall duftet es nach Moos, Blättern und nasser Erde. Ich bleibe immer wieder stehen und genieße den zauberhaften Blick in den Wald, der um mich herum liegt. Die Stufen erleichtern den Aufstieg.

Schließlich stehe ich vor der Kapelle, in der hinter einem schwarzen Eisentor einige Kerzen brennen. Vor dem Steinrelief eines sterbenden Kriegers in den Armen des Erzengels Michael von Bildhauer Josef Heising könnte ich mich theoretisch auf der Bank niederlassen, um kurz zu verschnaufen. Aber ich will unbedingt mehr von diesem Ort sehen!

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Die Anwohner von Barle kümmern sich rund ums Jahr hingebungsvoll um ihr Wahrzeichen. Sie halten die Umgebung sauber, sorgen für frischen Blumenschmuck und im Mai werden sogar regelmäßig Andachten hier oben abgehalten. Mir fällt auf, dass die Einfassung der Hügelkuppe und die Treppenstufen brandneu aussehen und auch, wie ordentlich der Vorplatz der Kapelle hergerichtet ist.

Knorrige Wurzeln haben sich ihren Weg gebahnt.

Knorrige Wurzeln haben sich ihren Weg gebahnt. © Anna-Lena Haget

Schon 1954 hat der Schützenverein Barle im Gedenken an die Vermissten und Gefallenen der Weltkriege die Kapelle erbauen lassen. An sie erinnern nun sechs Namenstafeln an den Seitenwänden.

Im Inneren der Kapelle steht auch jetzt ein Ehrenkranz, den die Schützen aus Barle-Unterortwick dort niedergelegt haben und so die Tradition aufrecht erhalten. Die Glocke in dem kleinen Türmchen ist 1984 zum 100-jährigen Bestehen des Vereins hinzugekommen.

Der Wind raschelt in den Zweigen und ich bekomme Lust, diesen verzauberten Ort noch genauer zu entdecken. Hinter dem kleinen Gebäude geht es weiter über braunen Barler Sand.

Ein gewundener Pfad führt zwischen großen Farnen und knorrigen, mit Efeu bewachsenen Bäumen hindurch, tiefer hinein in Könnings Busch. Ich halte inne, um tief durchzuatmen und den Wald in mich aufzunehmen.

Vorbei an tiefen, mit Brombeerranken bewachsenen Senken im Boden und halb entwurzelten Bäumen an deren Rand, führt der Weg. In Irland glauben die Menschen, dass an solchen Plätzen Feen und Kobolde zu Hause sind und auch ich bin beinahe versucht, an Märchenwesen in Barle zu glauben.

Doch anstatt einer Fee kommt mir auf dem Waldweg ein Radfahrer entgegen, der sich wenige Meter später todesmutig den Hügel hinunterstürzen wird. Für mich ist das schnelle Rasen nichts. Ich genieße lieber noch ein wenig meine Waldeinsamkeit unter dem schattigen Blätterdach.

Auf meinem Rückweg kommt mir ein Paar entgegen, das auf seinem Spaziergang kurz an der Kapelle Halt gemacht hat. „Schön hier, oder?“, ruft die Frau mir entgegen. Ich nicke zustimmend. Wirklich zauberhaft schön.

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