Der große Krach um einen kleinen Spielplatz

Schmalenstrothstraße

Es könnte alles so schön sein in der Schmalenstrothstraße. Einfamilienhäuser und gepflegte Vorgärten reihen sich aneinander. Eine ruhige Wohnstraße im Josefsviertel. Doch dann ist da dieser Spiel- und Bolzplatz, der für jede Menge Ärger sorgt.

AHAUS

, 20.07.2015, 17:40 Uhr / Lesedauer: 3 min
Der große Krach um einen kleinen Spielplatz

Kinder aus der Schmalenstrothstraße spielen auf dem Spielplatz dort. Einer Nachbarin ist das zu laut – seit Jahren. Sie will den Spielplatz neben ihrem Grundstück nicht mehr dulden. Der Konflikt in der Nachbarschaft weitet sich aus. In dieser Form ein einmaliger Vorgang in der ganzen Stadt.

„Das geht schon seit Jahren so“, sagt Maik Rathmann. Er wohnt mit seiner Familie seit 15 Jahren in der Straße. Die direkte Nachbarin des Spiel- und Bolzplatzes rege sich über die spielenden Kinder auf, beschimpfe sie, drohe ihnen, verjage sie von dem Spielplatz. „Und wenn ein Ball über die Hecke fliegt, rückt sie ihn nicht wieder heraus“, fügt Helmut Böing hinzu. Auch er wohnt seit Jahrzehnten in der Schmalenstrothstraße und kennt den Ärger mit der Nachbarin.

Drohungen und Beschimpfungen

„Sie droht uns, die Polizei zu rufen“, erklärt der elfjährige Dominik. „Sie knallt uns die Tür vor der Nase zu. Selbst in unserem eigenen Garten sollen wir keinen Krach machen“, sagt Darleen (16). Kleinen Kindern gegenüber sei die Dame sogar noch halbwegs freundlich. Ältere Kinder würden beschimpft.

Die Polizei rücke mittlerweile wieder ab, ohne etwas zu machen, so Böing. Inzwischen wechseln auch verschiedene Anzeigen hin und her. Wegen Bedrohung oder auch Beleidigung. „Irgendwann reicht es“, macht Rathmann klar. Er räumt ein, einen harschen Ton angeschlagen zu haben. Von einer Bedrohung will er jedoch nichts wissen. Er ist sich aber sicher, dass nicht nur er die Situation so sieht: „Das sagen alle hier in der Straße“, so Rathmann.

Auch Dieter Homann, Spielplatzpate und Ahauser Kommunalpolitiker, hatte sich in den Streit eingeschaltet. Als Spielplatzpate sammelte er vor einigen Jahren Unterschriften für die Wiedereröffnung des Spielplatzes. Zwei Jahre zuvor war der geschlossen worden. Homann hatte versucht, zu vermitteln. Erfolglos.

Nachbarin sieht die Lage ganz anders

Alles nicht wahr. Alles so nicht gewesen, sagt die angesprochene Nachbarin. Seit 1961 lebt die heute 81-Jährige in ihrem Haus am Ende der Schmalenstrothstraße. Seitdem grenzt ihr Grundstück an den Spielplatz. Das sei früher auch gar kein Problem gewesen. Damals hätten die Kinder ruhiger gespielt. Irgendwann – als neue Familien in die Straße gezogen seien – habe sich das Blatt gewendet. „Ich habe selbst zwei Kinder. Es geht mir nicht um Kinderlachen“, sagt sie.

Wildes Gebolze sei unerträglich

Aber auf dem Spielplatz werde eben nicht normal gespielt, sondern lautstark gebolzt. Seit Jahren. Um dieses Gebolze gehe es ihr. Wenn die Bälle gegen Wände, den Zaun oder das Tor geschossen würden, sei der Lärm nicht mehr auszuhalten. Sie will den Spielplatz neben ihrem Grundstück nicht mehr dulden. „Ich hatte mit meinen Nachbarn nie Probleme“, sagt sie. Auch habe sie nie Kinder angeschimpft. „Ich habe sie sogar ganz ruhig gebeten, auf einen anderen Spielplatz zu gehen“, sagt sie. Das, was mit ihr gemacht werde, würde sich kein anderer Nachbar gefallen lassen. Die Vorwürfe seien rundheraus zusammengelogen.

Doch auch das scheint so wieder nicht zu stimmen, sagt einer der langjährigen Anwohner auf der Straße. Schon Mitte der 1960er-Jahre habe sie immer wieder Kinder von dem Spielplatz verscheucht. Ein anderer formuliert es spitzer: „Die kann einfach keine Kinder spielen sehen.“ Eine Lösung scheint nicht in Sicht.

Verwaltung mischt sich nicht ein

Im Rathaus ist der Fall seit Jahren bekannt. 95 Spiel- und Bolzplätze gibt es über die ganze Stadt verteilt. Eine Situation wie an der Schmalenstrothstraße – wo der Konflikt seit Jahren schwelt – gebe es an den anderen Spielplätzen jedoch nicht, erklärt Stefan Hilbring, Pressesprecher der Stadt Ahaus. Zwar komme es hier und da mal zu Beschwerden über Lärm, das seien aber Einzelfälle.

Dieser Lärm werde in der Regel nicht durch spielende Kinder verursacht, sondern zum Beispiel durch Jugendliche, die den Spielplatz als Treffpunkt nutzen.

Offiziell sei vonseiten des Ordnungsamtes an dem Fall in der Schmalenstrothstraße nichts zu machen: „In Nachbarschaftsstreitigkeiten mischen wir uns nicht ein“, so Hilbring. Er macht aber klar: Bis zur Nachtruhe um 22 Uhr sei Kinder- oder Spiellärm zu tolerieren. „Danach würden wir einschreiten“, sagt er.

Unabhängig davon müsse man sich natürlich die Frage stellen, in wie weit man sich über Kinder- und Spiellärm überhaupt aufregen sollte.

Stadtwerke halten an Spielplatz fest

Die Stadtwerke Ahaus, denen das Spielplatz-Grundstück gehört, stehen fest zu dem Spielplatz. Das erklärte Stadtwerke-Geschäftsführer Karl-Heinz Siekhaus auf Anfrage. „Wir haben keine Veranlassung, die Überlassung des Grundstücks zu beenden und den Spielplatz zu schließen“, sagt er.

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