Derbe Beleidigungen bringen Streithähne vor den Richter

Landgericht Münster

Sie leben in derselben Hausgemeinschaft und sehen sich immer häufiger vor Gericht: Der jahrelange Streit zweier Männer aus Ahaus beschäftigte nun das Landgericht Münster. Verhandelt wurde die Berufung in einem Verfahren wegen Beleidigung.

MÜNSTER/AHAUS

12.05.2016 / Lesedauer: 2 min
Derbe Beleidigungen bringen Streithähne vor den Richter

Das Landgericht in Münster.

Der Vorfall, um den es am Donnerstag ging, ereignete sich vor gut einem Jahr. Da gerieten ein 54-Jähriger und ein 46-Jähriger, die gemeinsam ein Mehrparteienhaus in der Wessumer Straße bewohnen, mal wieder aneinander. Unbemerkt schnitt der 46-Jährige die wüsten Verbalentgleisungen des 54-Jährigen per Mobiltelefon mit und brachte die Sache tags darauf zur Anzeige.

Wegen Beleidigung verurteilte das Amtsgericht Ahaus den Tierpfleger später zu einer Geldstrafe von 30 Tagessätzen zu je zehn Euro. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Zum Tatzeitpunkt verbüßte der Angeklagte gerade eine neunmonatige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt worden war.

Berufung zurückgenommen

Eine Geldstrafe sei in diesem Fall zu milde, die Berufung ziele auf eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung ab, erklärte die Vertretung der Staatsanwaltschaft vor Gericht. Nachdem beide Männer ihre Version nochmal geschildert hatten, wurde die Berufung jedoch zurückgenommen.

Es gab Zweifel an den Aussagen des 46-Jährigen, der abgestritten hatte, den Angeklagten provoziert zu haben. In genau diesem Punkt waren die Schilderungen der Männer voneinander abgewichen. Schon im erstinstanzlichen Urteil ist festgehalten, dass der 46-Jährige etwas in der Richtung "Knacki, Knacki, Arschloch - ich bring dich in den Knast" gesagt haben soll.

Faustschläge

Daraufhin rastete der 54-Jährige aus und drohte: "Deine schwule Fratze kriegt es schon noch, dir wird der Arsch aufgerissen!" Während der Angeklagte diese Version bestätigte, beteuerte der 46-Jährige, nichts dergleichen geäußert zu haben. "Auf dieses Niveau begebe ich mich nicht."

Ihren jahrelangen Zwist fochten die Männer nicht immer nur auf verbaler Ebene aus. Vor zwei Jahren hatte der Angeklagte unter Alkoholeinfluss seinem Nachbarn mehrfach mit der Faust ins Gesicht geschlagen und die dazu gerufenen Polizeibeamten beleidigt. Das brachte ihm die erwähnte neunmonatige Freiheitsstrafe ein. Zu gerne hätte der 46-Jährige nun gesehen, wie der verhasste Nachbar hinter Gittern landet. "Das ist ein Witz", schimpfte er nach Verhandlungsschluss. "Die deutsche Gerichtsbarkeit geht den Bach runter."

Lesen Sie jetzt

Ruhr Nachrichten Betriebliches Gesundheitsmanagement

Betriebssport fördert Gesundheit der Mitarbeiter - und hebt die Stimmung im Unternehmen