Desinfektionsmittel: Für Panikkäufe besteht kein Grund

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Bundesweit häufen sich die Diebstähle von Desinfektionsmitteln aus Krankenhäusern, regional wird die Ware knapp. Wir haben uns im Marienkrankenhaus in Ahaus und bei Pflegeeinrichtungen umgehört.

Ahaus

, 06.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Desinfektionsmittel sind in Zeiten des Coronavirus heiß begehrt. Aktuell häufen sich Fälle, dass Desinfektionsmittel aus Krankenhäusern gestohlen werden.

Diebe suchen gezielt die Einrichtungen auf und entwenden Mittel aus bereitgestellten Spendern. Aus dem Warenlager der Uniklinik Münster zum Beispiel wurde eine ganze Palette Desinfektionsmittel gestohlen.

Von solchen Fällen ist das St.-Marien-Krankenhaus in Ahaus bislang verschont geblieben, erklärt Krankenhaus-Sprecher Tobias Rodig am Freitag auf Anfrage.

Auch von Engpässen bei der Belieferung mit Desinfektionsmitteln könne keine Rede sein. „Wir haben die Lagerkapazitäten hochgefahren.“ Gleichwohl sei die Lage „dynamisch“, sagt Tobias Rodig.

Zentrallager in Ramsdorf

Das Klinikum Westmünsterland (mit Standorten in Ahaus, Stadtlohn, Vreden, Borken, Bocholt und Rhede) stehe mit den Lieferanten in ständigem Kontakt. Desinfektionsmittel werden aus dem Krankenhaus-Zentrallager in Ramsdorf zu den jeweiligen Standorten gebracht. Welche Mengen benötigt werden, dazu kann Tobias Rodig am Freitag keine Angaben machen.

Tobias Rodig, Sprecher des Klinikums Westmünsterland.

Tobias Rodig, Sprecher des Klinikums Westmünsterland. © Markus Gehring

Auch Schutzkleidung und Atemschutzmasken seien noch genügend vorrätig, erklärt der Sprecher. „Aber wir müssen das alles unter Vorbehalt sehen, weil der Verbrauch stark ansteigen könnte.“ Tobias Rodig weist zum Schluss des Gesprächs auf Maßnahmen der Bundesregierung hin. So könnten Apotheken künftig leichter Desinfektionsmittel herstellen. Dafür sei eine Ausnahmeregelung beschlossen worden.

„Die Lager sind voll“

Beim Caritasverband im Dekanat Ahaus-Vreden sieht man sich ebenfalls gut gerüstet, was die Versorgung der eigenen Häuser mit Desinfektionsmitteln zum Schutz vor Virusübertragungen angeht. „Wir haben die Lager voll“, erklärt Matthias Wittland, Vorstand für das Ressort Pflege beim Caritasverband.

Der Verband betreibt mehrere Seniorenheime und ist auch in der häuslichen Pflege aktiv. Welche Mengen an Desinfektionsmitteln verbraucht werden, macht Matthias Wittland am Beispiel des Henricus-Stift in Südlohn deutlich. Dabei handelt es sich um eine vollstationäre Einrichtung der Altenhilfe mit 102 Bewohnern.

Wochenverbrauch

„Bei der Handdesinfektion werden dort rund zehn Liter je Woche verbraucht. Bei der Flächendesinfektion mit Reinigungstüchern beträgt der Verbrauch etwa fünf große Packungen und fünf kleine Packungen je Woche“, erklärt Matthias Wittland.

Der Caritasverband habe vorausschauend vorgesorgt, berichtet das Vorstandsmitglied. „Wir haben unser Lager gefüllt, als sich die Virusausbreitung in China abzeichnete.“ Zudem würde sich der Caritasverband für seine Einrichtungen im Winter ohnehin stärker mit Desinfektionsmitteln bevorraten. „Weil auch Besucher andere Infekte ins Haus bringen können.“

Grippe und Norovirus

Im Winter habe man zum Beispiel mit Grippefällen und dem Norovirus zu tun. Diebstähle von Desinfektionsmitteln gab es in den Einrichtungen des Caritasverbandes Ahaus-Vreden bislang nicht.

Matthias Wittland berichtet in Sachen Coronavirus von sich häufenden Anfragen von Angehörigen. „Sie möchten wissen, ob sie zum Beispiel ihren Vater noch in der stationären Einrichtung besuchen können oder ob das Risiko einer Ansteckung zu hoch ist.“

Matthias Wittland, Vorstand für das Ressort Pflege beim Caritasverband im Dekanat Ahaus-Vreden.

Matthias Wittland, Vorstand für das Ressort Pflege beim Caritasverband im Dekanat Ahaus-Vreden. © Christian Bödding

Abgeraten wird nicht, die Angehörigen werden aber gebeten, sich am Eingang die Hände zu desinfizieren. „Aber das ist eine Empfehlung, die wir auch bei einer normalen Grippewelle geben.“

Matthias Wittlands allgemeine Bewertung der aktuellen Situation rund um die Ausbreitung des Coronavirus: „Was im Moment an Stimmung durch die Gesellschaft geht, schafft eher Unruhe.“

Hygienemaßnahmen

Ähnlich äußert sich Jürgen Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Borken. „Grundsätzlich scheint die Befürchtung der Menschen dazu zu führen, dass in großem Maß vorhandene Desinfektionsmittel aufgekauft wurden und sich bundesweit ein Engpass ergibt“, teilt er auf Anfrage mit.

Jürgen Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Borken

Jürgen Puhlmann, Vorstand und Geschäftsführer des DRK-Kreisverbandes Borken. © DRK

Das DRK ist im Kreis Borken unter anderem mit der Ambulanten Pflege, dem Betreuten Wohnen und Ambulanten Wohngemeinschaften aktiv. „Wir werden alles tun, um die Menschen, die in unseren Einrichtungen versorgt werden, so gut zu versorgen und durch Hygienemaßnahmen schützen, wie es erforderlich ist“, erklärt Jürgen Puhlmann.

Das DRK im Kreis Borken stehe in engem Austausch mit den Gesundheitsbehörden und den Ärzten der Bewohner. Es gelte, die persönliche Situation medizinisch und pflegerisch einzuschätzen. Jürgen Puhlmann: „Das Ziel aller muss es sein, in der sich abzeichnenden Situation durch eigenes Verhalten die Verbreitung der Virusinfektion einzuschränken.“

Kunden schützen

Den Mitarbeitern des Pflegeteams Serowy mit Stützpunkten in Ahaus und Stadtlohn stehen aktuell dazu noch genügend Flächendesinfektionsmittel, Händedesinfektionsmittel und Schutzkleidung zur Verfügung. „Unsere Kunden sind die, die wirklich geschützt werden müssen“, sagt Oliver Serowy. Oft aufgrund eines altersbedingt reduzierten Immunsystems.

Mit Blick auf die Hamsterkäufe von Desinfektionsmitteln erklärt Oliver Serowy: „Die meisten Menschen, die durch ihre Panik und Hamsterkäufe für die Knappheit dieser Mittel sorgen, benötigen sie zu 99 Prozent gar nicht.“ Darauf hinzuweisen sei notwendig.

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