Die schönsten Frauen der Welt gemalt

Heinrich von den Driesch

AHAUS Heinrich Heine schrieb einst in seinem "Lobgesang auf König Ludwig I." über denselben: "Er liebte die Kunst und die schönen Frauen. Die ließ er porträtieren." Ähnliches ließe sich über den Steinfurter Künstler Heinrich von den Driesch sagen, allerdings mit dem wesentlichen Unterschied, dass er selbst es ist, der die Frauen porträtiert.

von Von Denise Perrevort-Elkemann

, 01.03.2010, 12:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

"Haute culture" heißt die beeindruckende Ausstellung des Maler und Bildhauers, die am Sonntag in der Villa van Delden eröffnet wurde und in der er einen Einblick in seine künstlerische Welt und speziell auch in die der Frauen gewährt. "Die schönsten Frauen der Welt" sind es, die, mal als Zeichnung, mal in Farbe auf Maltuch, auf den Besucher hinabblicken, allesamt in quadratischen Formaten. Initialzündung war ein Zigarettenalbum

Als Initialzündung für diese Serie von Frauenbildnissen bezeichnete von den Driesch das Geschenk eines Zigarettenalbums aus den 1920er Jahren, das er als Vorlage nutzte um es dann in seine ureigene Schönheitengalerie zu verwandeln. "Es beinhaltete die Porträts der Schönheitsköniginnen der Jahre 1929 bis 1932. Die Damen, die sie sehen, sind also real und waren allesamt echte Schönheitsköniginnen."

Doch trotz der freizügigen Darbietung ihrer Weiblichkeit haftet so manchem Bild etwas Karikaturhaftes, überzogen Wirkendes an. So lasziv zum Beispiel Miss Germany auch über ihre recht hager wirkende Schulter lächelt, ihr spitzes Gesicht mit der ebenso spitzen Nase verleihen ihr keine wirkliche Grazie. Diese Vielschichtigkeit, die sich nicht nur in den Bildinhalten, sondern auch in der Maltechnik und dem Bildaufbau zeigt, ist es, was die Kunst Heinrich von den Drieschs ausmacht. Der Betrachter ist stets angehalten, mehr als einen Blick zu riskieren um dann das Gesehene auf seine persönliche Art zu interpretieren.

So lässt der Bildtitel "Les Champs Èlysée" ein Bild der Pariser Prachtstraße vermuten, doch die von den Driesche Realität ist eine andere, tiefgründigere. Der Bildinhalt ergibt sich erst aus der Summe der einzelnen Bildebenen. Erst die Verbindung der figurativen Vielzahl, männliche Köpfe und weibliche Körper, mit symbolischen Gegenständen wie Herzen (Paris als Stadt der Liebe) oder Konservendosen (französische Erfindung) suggerieren den Eindruck vom pulsierenden Treiben auf dem Champs Élysée. Oder ist dies der völlig falsche Ansatz? Denn genau wie die Schönheit (der porträtierten Frauen) liegen auch die Bildinhalte der in der Villa van Delden gezeigten Werke im Auge des Betrachters, was wiederum den Reiz der Bilder Heinrich von den Drieschs ausmacht.

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