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Drogensüchtiger Serienräuber muss sich vor Gericht verantworten

rnProzessauftakt

Vor dem Landgericht muss sich seit Dienstag ein 34-Jähriger verantworten. Er überfiel im Jahr 2014 unter anderem die Postagentur in Wüllen und ein Goldankaufgeschäft in Vreden.

von Von Frank Zimmermann

Ahaus, Vreden

, 20.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Nachdem der Staatsanwalt die Anklage vorgetragen hat, sagt der Angeklagte: „So wie der Staatsanwalt das vorgelesen hat, das stimmt, bis auf Kleinigkeiten vielleicht.“ Damit hatte er am Dienstag, gleich zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Münster, in dem er sich unter anderem wegen schwerer räuberischer Erpressung verantworten muss, eine ganze Liste von Taten zugegeben.

Anfang 2014 hat der damals heroinabhängige 34-Jährige demnach im Kreis Borken vier Überfälle begangen. Sein erstes Ziel war am 7. Januar eine Postagentur in Wüllen, die in einem Papierwarenladen untergebracht ist. Mit einer Schreckschusspistole bewaffnet, zwang er die Angestellte, die Tür des Ladens ab- und den Tresor aufzuschließen.

Opfer eingeschlossen

Er erbeutete Paket- und Briefmarken sowie Bargeld aus der Kasse. Weil sein Opfer ihm nicht Handtasche und Handy aushändigen wollte – „ich wollte verhindern, dass sie die Polizei ruft“ – schloss er sie in einem Raum ein. Die Marken will er später für etwa 6000 Euro verkauft haben. Damit habe er seine Sucht eine Weile finanzieren können.

Wohl bis zum 8. Februar, denn dann überfiel er eine Spielhalle an der Neustraße in Gronau. Drei Tage später ein Gold-Ankaufgeschäft in Vreden. Hier traktierte er den Inhaber mit einem Elektroschocker und fesselte ihn. Bei seiner Flucht zwang er auf einem Parkplatz unweit des Geschäfts eine Frau dazu, ihn mit ihrem Auto nach Enschede zu fahren. Bei der vierten Tat, einem Überfall auf eine Lotto-Annahmestelle an der Gildehauser Straße in Gronau, nahm er schließlich einem Kunden seinen Autoschlüssel ab und nutzte dessen Wagen für seine Flucht.

Wohnungslos

In dem Auto habe er einige Tage gelebt, sagte der Angeklagte. Er sei seinerzeit wohnungslos gewesen. Habe mal bei Bekannten, mal auf der Straße übernachtet. Da er auch in den Niederlanden mehrfach straffällig geworden war, wurde er schließlich dort verhaftet und verurteilt. Erst im Oktober 2017 wurde er den deutschen Behörden überstellt. Seine Erinnerungen an diese Zeit seien wie die Erinnerungen an einen Traum, sagte der 34-Jährige. Es muss ein Albtraum gewesen sein.

„Die größte Angst hatte ich immer vor dem nächsten Tag. Ich habe auch mehrfach versucht, mir eine Überdosis zu spritzen, aber das funktioniert nicht so, wie man sich das vorstellt. Der Körper klammert sich ans Leben.“ Die Sucht habe ihn getrieben, die Polizei beiderseits der Grenze nach ihm gesucht. Trotzdem habe er sich bei den Überfällen nie maskiert. „Es war mir egal, ob ich erkannt wurde. Ich sah aus wie ein Wrack.“

Entzug gemacht

Doch nach der Verhaftung sei ihm gelungen, was er in Freiheit nicht geschafft hatte: Er machte einen Entzug. „Seit viereinhalb Jahren bin ich jetzt clean“, sagte er.

Als einziger Zeuge schilderte am ersten Verhandlungstag ein Polizeibeamter, wie die Ermittler dem Angeklagten – letztlich mit einer DNA-Analyse – auf die Spur gekommen seien, dann aber nicht auf ihn zugreifen konnten, weil die Kollegen in Holland schneller waren.

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