Ein Bankvorstand, der sagt, was er denkt

Interview mit Andreas Banger

41 Jahre bei der Volksbank Gronau-Ahaus, davon 25 Jahre als Mitglied des Vorstandes: Andreas Banger geht am Freitag dieser Woche in den Ruhestand. Mit Redakteur Christian Bödding sprach der 63-jährige Ahauser Bankdirektor über einen Geldtransport im Porsche, die Veränderungen in der Arbeitswelt und was einen Bankvorstand auszeichnet.

AHAUS

, 27.06.2017, 19:01 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bankmitarbeiter sind stets adrett gekleidet. Wird man Sie demnächst in Jeans und T-Shirt in der City sehen?

Man kann mich auch jetzt schon so sehen. Eine Krawatte trage ich fast nur bei der Arbeit. Ich kann das sehr gut trennen.

Für Sie steht ein neuer Lebensabschnitt an, wie ist es um Ihre Gefühlslage bestellt?

Sehr gemischt. Bis vor drei, vier Wochen, habe ich gedacht, es ist alles ganz normal. Aber im Endeffekt bin ich schon dabei, für mich selber in die Zukunft zu gucken. Auf der einen Seite freue ich mich auf die Freizeit, dass ich über meinen Terminkalender bestimmen kann. Auf der anderen Seite werde ich Kunden und Kollegen vermissen.

Wie sieht Ihr Terminkalender für die neu gewonnene Freizeit aus?

Ich bin Präsident des Golf-Klubs und habe noch weitere ehrenamtliche Aufgaben. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit der Digitalisierung und arbeite an verschiedenen Projekten.

Über vier Jahrzehnte Tätigkeit in einem Geldinstitut, da dürften doch jede Menge Anekdoten zusammengekommen sein. Haben Sie ein paar auf Lager?

Da fällt mir ein Geldtransport ein. Ich war noch in der Ausbildung und wir mussten Geld von der Zentralbank abholen. Ich fuhr damals mit unserem Makler in dessen offenem Porsche hin. Da war der Versicherungsschutz noch anders geregelt. Als wir mir dem Wagen in die Schleuse gefahren sind, haben die schon ziemlich geguckt.

Die Technik hat in den Geldsektor immer mehr Einzug gehalten. Hat das die Dinge einfacher oder komplizierter gemacht?

Wie wollen Sie heute Millionen Buchungsposten verarbeiten ohne diese Technik. Das geht gar nicht. Wir könnten die Anzahl der Mitarbeiter, die wir dafür benötigen würden, gar nicht bezahlen. Die Technik hat vieles vereinfacht, aber auch zu Problemen geführt, was die Arbeitsplätze angeht. Da muss man als Unternehmen mitwachsen. Ich kann mich auch an Zeiten erinnern, als die Kunden noch Knöllchen aus Holland bezahlen mussten. Da kamen enorme Gebühren drauf, weil das Auslandszahlungsverkehr war. Das musste gemeldet und in Statistiken erfasst werden. Die Gebühren waren fast so hoch wie die Knöllchen.

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Wie haben Sie sich als Bankvorstand anpassen müssen?

Ich arbeite viel mit Zielen. Ich habe meine Laufbahn bis zum Vorstand genau geplant. Wo sind meine Schwachstellen? Wo muss ich mich verbessern? Das habe ich nachher - als Vorstand - auch für die Bank geplant. Stillstand ist Rückschritt. Wir sind im Bereich Technik weit vorne. Das fängt an mit der Digitalisierung. Bei uns sehen das viele als Chance, sie haben keine Angst davor.

Wie nutzt man die Digitalisierung bei Bankgeschäften am sinnvollsten?

Viele Banken senden die falschen Botschaften. Sie bauen Filialen und Kosten ab. Sie nutzen die Digitalisierung anders, als der Kunde es gerne hätte.

Was hätte denn der Kunde gerne?

Der Kunde will mehr Service haben, heute am liebsten alles mobil. Banken neigen dazu, die Prozesse zu optimieren und Kosten zu sparen. Beides ist sinnvoll, ich will den Schwerpunkt aber bei den Kunden sehen.

Wie sind Sie Banker geworden?

Meine Eltern waren der Meinung, der Junge kann gut rechnen, der soll zur Bank.

Was muss man ganz persönlich mitbringen, um Bankvorstand werden zu können?

Zielorientierung ist wichtig, ebenso soziale Kompetenz. Sie müssen genau analysieren und Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden können. Man muss Menschen mögen und sich auf sie einlassen. Ich halte die menschliche Komponente für sehr wichtig. Wenn bei der Ausbildung etwas fehlt, das kann man nachholen.

Wie würden Sie von Ihren beiden Vorstandskollegen Frank Overkamp und Michael Kersting charakterisiert werden?

Ich glaube, dass sie sagen würden: Andreas Banger ist authentisch. Er sagt, was er denkt.

Steht Ihr Nachfolger schon bereit?

Nein. Es wird so laufen, dass die beiden Kollegen das weitermachen. Wir werden für Ahaus einen Regionaldirektor ernennen.

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