Eine Klasse für sich

Ahaus Sie war der Höhepunkt ihrer Schullaufbahn und sie lag 49 Jahre zurück: die Klassenfahrt nach Frankfurt, Würzburg und Rothenburg ob der Tauber. 14 ehemalige Klassenkameraden, die bis 1960 die Schulbank am Alexander-Hegius-Gymnasium drückten, wollten es nicht bei der Erinnerung belassen und haben jetzt den Ausflug mit ihren Frauen wiederholt.

22.07.2007, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Als sich die Pennäler in Begleitung ihres Klassenlehrers Werner Drees 1958 mit dem Bus Frankfurt näherten, gab es noch nicht die Skyline des heutigen Mainhattens. "Aber wir waren damals schon beeindruckt von der Größe des aufsteigenden Wirtschaftsstandortes", erinnert sich Heinz-Jürgen Blömeke. "Wir durften aber nicht ohne Aufsicht in die Innenstadt."

Äppelwoi und Kultur

Ersterfahrungen mit Äppelwoi sammelten die Unterprimaner dennoch. Für ihre kulturelle Bildung sorgte bereits damals der Kunstpädagoge Wilfrid Dräger. An ihm wird es nicht gelegen haben, dass Blömeke feststellt: "Bei der Neuauflage der Klassenfahrt haben wir die Kultur seriöser erlebt." Das war wohl eher eine Frage der Lebenserfahrung der heute 66- bis 70 Jährigen.

Alfons Gerwing und Franz-Josef Herding, zwei geschichts- und reisekundige pensionierte Pädagogen, hatten die Planung der Reise übernommen. Ihr Klassenkamerad und Seelsorger Werner Benölken verabschiedete die Gruppe am Bahnhof in Münster mit einem Reisesegen. Der Sohn der Eheleute Herding, der im Bankenviertel als Jurist arbeitet, führte die Münsterländer durch das Frankfurter Hochhausviertel.

Nach dem mehrtägigen Kulturprogramm, bei dem Tilman Riemenschneider im Mittelpunkt stand, vielen Erinnerungen, amüsanten Gesprächen, einer Weinprobe und einem "herrlichen Orgelkonzert" in einer Abteikirche traten die Reiseteilnehmer, die ihr Quartier die ihr Quartier in Rothenburg ob der Tauber bezogen hatten, die Rückfahrt an - nicht ohne neue Pläne zu schmieden: Für das kommende Jahr ist ein Tagestreffen in Telgte vorgesehen und für 2009 wieder eine mehrtägige Fahrt, wahrscheinlich nach Polen.

"Echte Freundschaften"

Wie aber kam es überhaupt zu dieser ungewöhnlichen Wiederholung der Klassenfahrt? Grundlage war der ungewöhnliche Zusammenhalt der Klasse nach dem Abitur 1960. "Wir hatten so harmonische Abiturfeiern reihum in den Elternhäusern, dass wir verabredeten, uns schon zu Weihnachten in der Stammkneipe Rolfes wiederzutreffen", berichtet Heinz-Jürgen Blömeke.

Dabei blieb es Jahr für Jahr. "Nachdem wir Familien gegründet hatten, haben wir die jährlichen Treffen in den September und in unsere Privathäuser verlegt. Später haben wir dann auch gemeinsame Tagesfahrten unternommen."

In Ahaus wohnt übrigens keiner der Ehemaligen mehr. Bis auf einen leben aber alle im Münsterland. Und nicht wenige, so Blömeke, verbindet das Band einer echten Freundschaft. gro

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