Einfach fantastisch

AHAUS Es ist kurz vor 1 Uhr, die meisten der Tobit NightClubbing-Gäste haben schon eine «Tagesschicht» Festival hinter sich - aber es geht noch was. Im Rhythmus springen Tausende vor der Bühne so hoch sie können und recken die Arme in den Nachthimmel. «Was geht?» singen die «Fanta4», und sind kaum zu hören. Ihre Fans sind lauter.

01.07.2007, 19:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Hip Hop nach Mitternacht mit der Band aus Stuttgart, die den Deutschen Sprechgesang populär gemacht hat - das Rezept ging vollends auf. So voll war es noch nie auf dem Tobit-Gelände, rund 11 000 feierfreudige und für verschiedene Musikstile offene Gäste feierten stundenlang, die meisten von ihnen schon seit spätestens 17 Uhr: Denn da eröffnete Comedian Atze Schröder das Festival, bei dessen Erstauflage er schon dabei war, und erklärte seinen Zuhörern die - pardon - seine Welt. Tausende drängen sich vor der Hauptbühne und lachen sich einfach nur kaputt. Über Paris Hilton («die ist reich und wird dafür bezahlt»), Chiara Ohoven («wer hat der eigentlich das Schlauchboot ins Gesicht ge-tackert»), aber auch über Atze, der früher ein ganz Wilder war - besonders auf Open Airs - aber heute, mit 41, erkennen muss, dass die Zeit für Wattwanderungen auf Norderney und «Dessertkarten» gekommen ist...

Hip Hop aus Kiel

Nachdem die Formation «Black Rust» auf der Talentbühne den musikalischen Opener gegeben hat, ist für «Büro am Strand» der große Moment gekommen: Die Kieler Hip-Hop-Band hat im Vorfeld einen Contest gewonnen und tritt nun auf der Hauptbühne vor großem Publikum auf. Darunter lässt sich der eine oder andere schon in Schwung bringen, auch wenn mit «Klee» der totale Stilwechsel folgt. Für Elektropop mit Rockelementen steht das Trio aus Köln.

Spaß am Festival

Sie bereiten sich gerade auf ihr neues Album vor, schreiben Songs und sind am Wochenende auf Festivals unterwegs: «Es macht Spaß zu spielen mit Abstand von der konzentrierten Arbeit», erzählt Sängerin Suzie Kerstgens im Interview. Keyboarder Sten Servaes nimmt dafür viel mit aus den Liveauftritten: «Mit der ganzenBand zu spielen, das ist eine ganz andere Dynamik, ein anderer Reiz».

Vom gefühlvollen Pop zum Rock`nRoll der schrägsten Art: Das geneigte Publikum jubelt schon, als sie die Bühne betreten, die zehn verrückten Finnen mit Haartollen, die Einhörner neidisch machen würden, langen Schnabelschuhen und flammenden Anzügen: Die «Leningrad Cowboys» (Foto). Die Jungs sind cool und ihre Show ist es auch. Aber ihre Coverversionen von Hits, die sie noch durch verschiedenste Musikrichtungen mixen, sind für manchen überraschend perfekt und gut gespielt. Ein Ereignis sind die Finnen und reißen das Publikum mit: Die Arme bleiben oben, bei «Sweet home Alabama», und erst recht wird natürlich bei «Our house - A-Haus» mitgesungen, was das Zeug hält. Ein Cowboy lässt sich anstecken und sucht Kontakt zur Menge. Einen tiefen Schluck nimmt er aus einem ihm angebotenen Bier - womit die Sage widerlegt wäre, dass die Cowboys nur Apfelsaft trinken...

Zeit sich ein wenig zu erholen hat das Publikum beim Auftritt des Berliner Musikers Demba Nabé: «BoundZound», so der Name seines Projekts und seines Albums neben seiner Band «Seeed», gibt es seit Jahresbeginn, der Song «Louder» ist auch der Hit beim NightClubbing. Hip Hop, Reggae und Bluesgefühl vermischen sich in seiner Musik, seine charismatische Stimme und die perfekte tänzerische Show bieten 'was fürs Ohr und Auge.

Endlich: Fanta4

Aber - Hand aufs Herz - in der ersten Reihe stehen die allermeisten schon jetzt für «ihre Band»: Die Fantastischen Vier. Eine halbe Stunde vor dem Auftritt gibt es vor der Bühne die ersten Einsätze für die Sanitäter, einige Zuschauerinnen kollabieren und werden versorgt. Sie haben 'was verpasst, werden ihnen ihre Freundinnen nachher sagen müssen. Und auch der jüngste unter den Fans, Till (8, aus Oldenburg). Er hofft, dass sie «Picknicker» spielen. Sein Lieblingslied.

Er wird nicht enttäuscht, schon das vierte Lied ist es. Die eben noch müden Augen strahlen. Die ersten Töne von «Krieger» erklingen, das Publikum ist nur noch ein wogendes Meer im Hip-Hop-Takt. Songs vom neuen Album «Fornika» bringen es genauso in Verzückung wie «MFG» oder «Sie ist weg». Es geht auf 2 Uhr zu, als das Publikum zum Ausgang strömt. Im Kopf: «Was geht? Was geht?» - beim NightClubbing 2008? Anne Winter-Weckenbrock

Mehr Fotos vom Festival und seinen Zuschauern im Internet.

www.westline.de/go/ nightclubbing

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