Elektroschocker war als Taschenlampe getarnt

rnUnerlaubter Waffenbesitz

Die Taschenlampe hatte es in sich. Sie leuchtete nicht nur mit hellen LEDs. Sie konnte auch gefährliche Hochspannungs-Blitze abgeben. Ein 27-Jähriger führte sie im Auto als Waffe mit.

Ahaus

, 07.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten auf Bewährung wegen unerlaubten Waffenbesitzes hat das Amtsgericht Ahaus am Dienstag einen 27 Jahre alten Mann verurteilt. Beamte der Bundespolizei hatten ihn am 13. Juni 2018 auf der B 70 kontrolliert und dabei im Seitenfach der Fahrertür einen verbotenen Elektroschocker entdeckt, der als Taschenlampe getarnt war. Die Beamten hatten den Wagen durchsucht, weil sie Cannabisgeruch wahrgenommen hatten. Ein Gutachten ergab später, dass der 27-jährige auch unter Drogeneinfluss am Steuer gesessen hatte.

Elektroschocker war als Taschenlampe getarnt

Immer wieder stellt der Zoll illegal eingeführte, als Taschenlampen getarnte Elektroschocker sicher, hier ein Fund in Hamburg aus dem Jahr 2016. © picture alliance / dpa

Der Angeklagte konnte sich gut an diesen Tag erinnern: „Ich war auf dem Weg von Gronau zur Nachtschicht in Vreden“, erklärte er dem Richter und gab seine Vergehen unumwunden zu. „Ich bereue das natürlich. Und ich hätte nicht gedacht, dass mir das so viele Probleme bereiten würde.“ Der junge Mann verlor seinen Führerschein, seinen Job und musste sein Auto verkaufen.

Gesetz droht mit bis zu drei Jahren Haft

Am Dienstag vor dem Amtsgericht aber ging es nur um das illegale Elektroimpulsgerät, wie der Elektroschocker in der Amtssprache genannt wird. Nach Paragraf 52 des Waffengesetzes können der Erwerb, der Besitz und die Mitnahme eines solchen Elektroschockers mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe geahndet werden. Das Waffengesetz verbietet die Taschenlampen-Elektroschocker, weil sie als Waffe nicht erkennbar sind. Zum anderen müssen Elektroimpulsgeräte laut Waffengesetz ein Prüfzeichen der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) tragen. Nur dann dürfen sie von Volljährigen erworben und besessen werden.

Der Angeklagte fühlte sich bedroht

Das Gerät des 27-Jährigen hatte kein Prüfzeichen. Er hatte es im Internet für 49,99 Euro bestellt. Dort sind die Geräte leicht erhältlich. Mehrere Online-Händler in China bewerben sie ganz offen mit bis zu fünf Millionen Volt Entspannungsladung. „Was wollten Sie denn damit?“, fragte der Richter. „Ich wollte sie nur zur Selbstverteidigung und zur Abschreckung einsetzen“, beteuerte der Angeklagte und erzählte, er sei in Gronau von zwei Männern mit einer Waffe bedroht worden. Das sei der Anlass für Schockerkauf gewesen.

Der 27-Jährige wäre wohl mit einer Geldstrafe davon gekommen, wenn er vor Gericht ein unbeschriebenes Blatt gewesen wäre. War er aber nicht. Wegen Einbruch und Diebstahl, die schon mehrere Jahre zurücklagen, steht er noch unter laufender Bewährung. Dagegen hatte er zuletzt mit einem Ladendiebstahl verstoßen. Wert der Diebesbeute: 1,25 Euro.

Positive Sozialprognose

Dennoch stellte der Bewährungshelfer dem Angeklagten ein insgesamt gutes Zeugnis aus. „Im Anfang war er sehr rebellisch, jetzt ist er gesetzter, einsichtiger und er hält Absprachen ein.“ Der Angeklagte hatte sich immer um eine Arbeit bemüht und habe auch jetzt wieder konkret eine Stelle in Aussicht. Für den Staatsanwalt war die positive Sozialprognose nachvollziehbar. Allerdings mit Einschränkung: „Man kann den Eindruck haben, er nimmt das alles nicht ernst genug.“ Er plädierte auf eine „spürbare Strafe“, die den Angeklagten gleichzeitig nicht überfordern sollte: drei Monate Haft auf Bewährung, eine Geldauflage von 900 Euro und ein einmonatiges Fahrverbot.

Bewährungsstrafe könnte Bumerang sein

Der Verteidiger schloss sich ohne Wenn und Aber der Einschätzung des Staatsanwaltes an. Und so lautete am Ende auch das Urteil des Richters, der dem Angeklagten mahnende Worte mit auf den Weg gab: „Glauben Sie nicht, dass sie mit der dritten Bewährungsstrafe einfach davongekommen sind. Das könnte sich schnell als Bumerang erweisen. Jede Kleinigkeit kann Sie jetzt mit den anderen Vorstrafen für 17 Monate und mehr ins Gefängnis bringen – selbst wenn sie nur ohne Führerschein mit dem Mofa fahren.“

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